Danksagung
Liebe Trauergemeinde,
wir sind hier zusammen um uns von Madeleine Schürpf-Fischer zu verabschieden.
Traurig, aber auch dankbar für ein erfülltes Leben, das Madeleine zusammen mit mir, unseren Söhnen und deren Familien führen durfte.
Das gemeinsame Motto von uns war und bleibt der Appenzeller Spruch:
"nüd loggloo gwönnt":
Auf die Bedeutung dieses Spruches werde ich am Ende dieser Danksagung zurückkommen.
Ich möchte jetzt mit Euch zusammen durch die wichtigsten Stationen des Lebens von Madeleine gehen.
Madeleine kommt am 23. August 1936 in Sursee als Zwillingsschwester von Ruedi zur Welt und erlebt zusammen mit Ihren vier Geschwistern eine glückliche Kindheit im Städtli am Sempacher See.
Sie macht eine Lehre als Damen-Schneiderin.
Dabei entdeckt sie ihr Flair für Gestaltung, das ein Leben lang sehr stilvoll weiterentwickelt.
Au-Pair Aufenthalte im Welschland und in England verhelfen ihr nicht nur zu guten Fremdsprachen Kenntnissen, sondern auch zu einer grossen Neugier und Weltoffenheit.
So lernt Madeleine früh, dass der Horizont nicht beim eigenen Tellerrand aufhört.
Erste jugendliche Freiheiten geniesst sie zusammen mit ihrer Schwester Trudi bei ausgedehnten Velotouren durch die ganze Schweiz.
Den ersten eigenen Haushalt führt sie mit Trudi: Eine kleine 1-Zimmer Wohnung an der Wehntalerstrasse in Zürich.
Madeleine arbeitet zu dieser Zeit als Modistin beim Grieder Modehaus an der Bahnhofstrasse.
Die grosse Gastfreundschaft der beiden Schwestern in der kleinen Wohnung führt manchmal dazu, dass eine der beiden in der Badewanne übernachten muss.
Zu dieser Zeit studiert Madeleine's Cousin Kurt zusammen mit mir an der HSG St. Gallen.
Kurt vermittelt mir (die) Madeleine als Balldame zu einer Mai-Fahrt der Studentenverbindung Bodania an den Bodensee.
Damit wird der Grundstein für unsere 59 Jahre dauernde Liebe gelegt.
Die Ernsthaftigkeit der Verbindung zwischen Madeleine und mir wird durch unsere Verlobung 1963 bestätigt.
Auch der Prüfstein meines halbjähriges Studienaufenthaltes in Paris kann unsere Liebe nicht erschüttern.
Eine berufliche Chance in Amerika ist einer der Gründe für unsere Heirat Anfang 1964 in Appenzell.
3 Tage später reisen wir frisch verheiratet nach New York.
Wir arbeiten beide viel: ich bei der Schweizer Rück und Madeleine „schwarz" als Damenschneiderin.
Und wir geniessen unsere junge Liebe und machen anschliessend unsere Hochzeitsreise durch ganz Amerika und machen auch Halt bei vielen Verwandten.
Nach der Rückkehr in die Schweiz werden uns die beiden Söhne geschenkt.
Wir verbringen einige Jahre in Langnau am Albis, unterbrochen durch einen weiteren Aufenthalt in Amerika.
Und nach unserer Rückkehr 1972 in die Schweiz verwirklichen wir den Traum des eigenen Hauses in Wilen bei Wollerau.
Die nächsten 18 Jahre widmet Madeleine dem Glück unserer Familie.
Als Mutter verantwortet Sie die Erziehung unserer beiden Söhne.
Als Hausfrau und Beraterin unterstützt sie mich dort wo Sie nur kann.
Bei meinen Reisen und geschäftlichen Verpflichtungen hält Madeleine mir den Rücken frei.
Oft begleitet sie mich auch auf meinen ausgedehnten Reisen und findet so neue Freundschaften auf der ganzen Welt.
Ob zu Hause in Wilen oder auch im Chalet Sönderli in Amden ist sie Freunden, Verwandten und Geschäftspartnern eine perfekte Gastgeberin.
Den Ausgleich findet Madeleine bei Ihren musischen Tätigkeiten mit Keramik und Malen.
Ihre Garderobe entwirft und schneidert sie mit sicherer Hand ein Leben lang selbst.
Die Söhne ziehen weg und in Winterthur erwartet uns ein neuer Lebensabschnitt mit einer neuen beruflichen Herausforderung.
Es folgen 25 glückliche Jahre an der Bäumlistrasse geprägt von der Teilnahme am sozialen Leben in Winterthur und erfüllender Zweisamkeit.
Mit grossem Interesse und Engagement verfolgt Madeleine das kulturelle Leben in Winterthur, geniesst klassische Konzerte, Ballett, Theater und Kunstausstellungen.
Mit Iris gewinnt Madeleine fast eine Tochter.
Und dank ihrem internationalen Flair hilft sie ihrer Schwiegertochter als Frau die Schweiz besser zu verstehen.
Bald folgt mit der Geburt von unseren vier Grosskindern ein neuer zentraler Lebens-inhalt für Madeleine.
Die glücklichen Jahre in Winterthur werden leider überschattet von unseren beiden Krankheiten: Parkinson und Alzheimer.
Trotz der fortschreitenden Demenz bewahrt Madeleine Ihren liebevollen und freudigen Charakter.
Unser gemeinsamer Wunsch bleibt: zusammen alt zu werden und dies solange wie mögliche im eigenen Haus.
Die Schwere der Krankheiten führt vor zwei Jahren zu unserem Entschluss, in die Nähe der Söhne und Grosskinder ins Tertianum nach Luzern zu ziehen.
Die letzten Monate und Wochen vor dem Hinschied sind geprägt von vielen schönen Momenten der Liebe und Treue und die ganze Familie umarmt Madeleine am Vorabend Ihres Todes noch ein letztes Mal.
Ihre letzten Augenblicke sind so, wie sie es sich immer gewünscht hat: vereint mit der ganzen Familie.
Ich komme zurück zum Motto mit dem ich meine Danksagung begonnen habe:
"nüd loggloo gwönnt":
Wir stellen fest: Gewisse Sachen sollen losgelassen werden, aber an gewissen Dingen soll man festhalten.
Das haben wir Beide auch ein Eheleben lang befolgt und sind 59 Jahre lang eng verbunden geblieben.
Die Weisheit dabei ist, zu spüren, an welchen Dingen wir festhalten sollen und welche wir loslassen dürfen.
Willi „Tschang" Schürpf
am 5. Juli 2017 in Luzern

Quelle: Danksagung
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