Weinbau

Rheintal

Das Fastengebot Richulfs (Erzbischof von Mainz) an den Bischof zu Konstanz aus dem Jahre 810 ("Abstineant se a Carne et Vino, et a Cerevisa, Milchscida et Medo" - "sie sollen sich von Fleisch, Wein und Bier, Schotten und Met enthalten") weist darauf hin, dass Wein (und nicht genannt: Most aus Obst) noch nicht sehr verbreitet war; man trank damals stattdessen aber Bier (aus Korn), Met (aus Honig) und Schotten (aus Milch).

Vom 10. Jh vernahm man folgendes: « Ihr gewöhnliches Getränk war das Bier, oder wenn sie sich gut thun wollten, Meth [Met], oder Wein; sie wussten sich aber auch aus den Äpfeln einen Most, aus neuem Weine ein süsses, und aus Most und Honig ein stark berauschendes Getränk zu verfertigen¹; sie legten aber doch dabey dem Wassertrinken hohen Werth bey² [IA1810, Bd. 1, p. 151]. »

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¹ "Succus Pomorum, qui Siceraeft, ut Auguftinus ait, succus pomis optimis expressus, qui melle digestus, ut vinum inebriat, et diutius durat. [Apfelsaft, der Sicera genannt wird, ist, wie Augustinus sagt, Saft aus den besten Äpfeln, der mit Honig vermischt wird, damit er den Wein berauscht und länger haltbar macht.]" Eckehard IV cas. cap. I
² "Pluris quam vina Fontana valet medicina. Nudo cum pane fons cor confortat inane. [Ein Brunnen ist in der Medizin wirksamer als Wein. Ein Brunnen mit einem einfachen Brot stärkt das leere Herz.]" Eckehard IV cas. cap. I

Der Weinbau kam um das Jahr 918 ins Rheintal (Der Rheintaler vom 3. Juni 1880, No. 23). Obschon der Rebbau von da an stetig zunahm, so war noch zu Anfang des 12. Jahrhunderts der Wein im östlichen Helvetien rar: es befanden sich nur zwei Weinfässer im Kloster St. Gallen. Diesen Vorrat wollte Bischof Ulrich von Konstanz um ein weiteres Fass vermehren. Der Wagen mit dem Fass schlug jedoch um und das Fass rollte in den Martinstobel. Das Fass nahm aber keinen Schaden, was als Wunder gedeutet wurde, welches durch das Gebet des im Kloster wartenden Bischofs bewirkt wurde.

1324: trockener Sommer, vortrefflicher Herbst (das Fuder Wein galt 3 Gulden)
1370: Kälte am 21. Oktober (vor der Weinlese) - die Trauben mussten vor dem Keltern aufgetaut werden
1386: weinreicher Herbst (ein Fuder Wein galt 2 Gulden, ein fuderhaltiges Fass 3 Gulden)
1426: das Fuder Wein galt 1 Gulden, 6 Mass nur einen Kreuzer
1436: der Wein ist missraten - Wein musste vom Veltlin importiert werden (1 Mass 6 Pfennige)
1443: die Reben erfroren, so dass sehr viele ausgehauen werden mussten
1446: Frühlingsfrost - sehr wenig Wein (man kaufte welchen Wein um 10 Pfennige das Mass)
1450: am 19. Oktober fiel Reif (die Trauben waren gefroren und konnten nicht getreten werden)
1465: der Wein wurde so sauer, dass man ihn ausschütten musste
1472: ein reicher Herbst; das Mass roter Wein galt 3 Pfennige
1473: früher Frühling, heisser Sommer, Weinlese vor Bartholomäi - köstlicher Wein, nicht lagerbar
1478: der Wein missriet wegen gar zu nassem Sommer; das Mass kostete einen Kreuzer
1484: sehr weinreicher Herbst - aus Mangel an Fässern wurde vieler verschenkt oder Kalk angerührt
1490: aufgrund der Teuerung stieg der Preis auf 6 Pfennige pro Mass
1513: alles erfroren - es wurde kein Lauf gemacht

Im Jahre 1517, erfroren im Frühjahr die Reben, so dass an den meisten Orten die Weinlese im Herbst unterblieb. Am 'Haus zur Flasche' (Spisergaasse 11, St. Gallen) ist an der Wand eine etwa 3 Mass haltende Flasche angebracht mit der Inschrift: "Anno 1517 haben 180 Juchart Reben nur eine solche Flasche Wein gegeben!"

Haus zur Flasche, Spisergasse 11, St. Gallen

Haus zur Flasche, Spisergasse 11, St. Gallen (Quelle: mit freundlicher Genehmigung von André M. Winter, Götzens, Tirol).

1536: sehr guter Wein (das Mass 7 Pfennige)
1538: harter Frost an Palmsonntag - wenig Wein (8 Pfennige das Mass)
1540: vortrefflicher Wein, grosse Mengen - mehrere Leute sollen sich zu Tode getrunken haben
1552: weinreicher Herbst - man musste viel Wein verschenken
1565: durch die strenge Winterkälte sind viele Reben erfroren - der wenige Wein wurde aber gut
1570: Frühlingsfröste und nur ein halber Herbst (8 Pfennige das Mass)
1571: strenger Winter, die Reben sind erfroren - sehr wenig Wein (das Mass 10 Pfennige)
1572: Frühlingsfrost - die Hälfte ist erfroren (das Mass 10 Pfennige)
1573: ausserordentliche Winterkälte und nasser Sommer - den Wein konnte man nicht trinken
1574: wenig Wein (das Mass 8 Pfennige)
1575: reicher Herbst und guter Wein (das Mass 8 Pfennige)
1577: ziemlich viel Wein
1578: wieder viel, aber sauer
1579: Frühlingsfrost - es wuchs fast kein Wein, kein Lauf (der Spital in St. Gallen erhielt nur 80 Saum)
1580: viel und guter Wein (der Spital in St. Gallen erhielt nur 1500 Saum)
1581: viel Wein, aber sauer
1582: wenig aber guter Wein (das Mass für 9 Pfennige)
1583: sehr viel Wein, aber sauer (das Mass für 9 Pfennige)
1588: es wuchs fast nichts und das Wenige war noch sauer (das Mass für 15 Pfennige)
1589: wieder sehr wenig aber extra gut (das Mass für 20 Pfennige)
1591: Fehljahr, es wuchs fast nichts und das Wenige war sehr sauer (das Mass für 22 Pfennige)

Die Jahre 1729, 1730 und 1731 waren ebenfalls nicht berauschend. Am fürstäbtlichen Hause (Neuhaus) bei Rosenburg steht: "O Suna Kom Vns Nit Veracht, bestrahl den repberg Und die erd. O rebman Wie magst Lachen, jn 3 jahr nur ein Wime machen."

Im Jahr 1789 befanden sich in den Kellern des Klosters 1296 Saum an neuem weissen Wein, 610 Saum an neuem roten Wein, 645 Saum an altem weissen Wein, und 496 Saum an altem roten Wein. Ein Saum entsprach 100 Mass (etwa 150 Liter).

Am 10. April 1815 brach auf der indonesischen Insel Sumbawa der Vulkan Tambora aus. 1816 gab es nur wenige Trauben und diese waren sehr schlecht, denn der Sommer war äusserst kalt und regnerisch. Alle Früchte waren so zurück, dass an vielen Orten erst im Oktober geerntet und Hafer und Korn geschnitten wurde. Am 24. und 25. Oktober war es so kalt, dass die Trauben von Balgach bis Rebstein und Altstätten beinahe ganz erfroren. Am 4. November wurde mit der Weinlese begonnen.

Im Jahr 1831 stiegen die Weinpreise in Altstätten von 3½ X pro Mass Weisser und 7 X pro Mass Roter im Jahre 1830 auf 9 X für den Weissen und 14 X für den Roten. Heftige Platzregen in den Sommermonaten, insbesondere der vom 19. August brachte den Reben grossen Schaden. Der Wein war nicht sehr stark, aber ziemlich gut und schön in der Farbe. Nach einem "gelinden" Winter war der Frühling 1832 kalt und trocken, die Blüte verspätet. Ab Juli war das Wetter besser. Möglicherweise war der Ausbruch des Zavaritskii-Vulkan auf der russischen Insel Simuschir mitverantwortlich.

Die Eigentümer von Reben waren Klöster, weltliche Herren, städtische Institutionen sowie Stadtbürger, die Weingüter an Bauern verliehen. Letztere waren zu Abgaben an ihre Grundeigentümer verpflichtet (im Rheintal galt üblicherweise die Halbpacht: d.h., die Bauern lieferten 50% des Ertrags ab). Der Lehensherr lieferte dafür üblicherweise Rebstecken, den Dünger (Rindermist), stellte den Transport. Der Bau von Zäunen geschah normalerweise in geteilter Verantwortung. Der Rheintaler Rebbrief aus dem Jahre 1471 gibt detailliert Auskunft über die damalige Organisation des Weinbaus im St. Galler Rheintal.

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Bis ins 15. Jahrhundert ist eine Spezialisierung des Rheintals auf Weinbau nachzuweisen. Die Stadt St. Gallen hatte eine grosse Nachfrage nach Wein. Die wichtigsten Rebbaugebiete waren in Altstätten, Marbach, Berneck und Balgach.

Der Rebbrief von 1471 regelte einen Streit zwischen St. Gallen und den vier Höfen Antstätten, Marbach, Berneck und Balgach, sowie den Weinlauf. Oberriet wurde, wenn es um den Wein ging, in den allermeisten Urkunden der damaligen Zeit nicht einmal erwähnt.

Der sogenannte 'Weinlauf' ist der jährlich neu festgelegte Weinpreis.

Oberriet

Rebbau-Familien

Oberriet war früher noch prominenter im Weinbau und im Weinhandel tätig als heute. Beispiele von Personen im 19. Jahrhundert, welche in diesem Bereich tätig waren:

  • Alter Zächli (Weinbauer in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts) - vermutlich ein Nachfahre von Johannes Zäch

  • Zächlistoni (Weinhändler) - vermutlich Joseph Anton Zäch

  • Jakob Zäch (Weinhändler um 1910)

  • "Hintara" Ender (Weinbauer in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts)

  • Hansbubafranzsepp (Weinhändler) - vermutlich Franz Joseph Mattle
    (er kelterte - auch für andere Weinbauern - den Wein mit Hilfe eines schweren Torkelbaums)

  • Klushans - vermutlich ein Nachkomme des Johannes Kluser (oder er selbst)

  • Kapfhans

Rebbaugebiete

Blattenberg

Der Wein vom Blattenberg wurde erstmals im Jahre 1389 erwähnt. Ulrich und Burkhard von Ramschwag benutzten die Burghalde vor der Burg Blatten für den Rebbau.

Wein vom Blattenberg wurde denn auch bei der Eröffnung der Pintenwirtschaft 'zum Schäfle' aufgetischt.

Im Jahre 2007 führte Romeo Weber am Blattenberg den Rebbau wieder ein.

Weinbau Blattenberg (1900)

Blattenberg (Karte von 1900).

Das Weinbaugebiet beim Blattenberg wurde etwa 100 m nach Westen verlegt. Weinbau Weber bietet Oberrieter Sauvingon Blanc von Blattenberg an.

Eichberg

In Oberrieter Teil von Eichberg erinnert der Flurname 'In den Reben' (zwischen Oberau und Hard) an den Weinbau. Die Reben dort sind um 1896 verschwunden.

In früherer Zeit muss es jedoch in Eichberg an einigen Stellen Reben gehabt haben. Unter anderen direkt bei der Kirche.

Eichberg (1887)

Eichberg (Karte von 1887).

Das Weinbaugebiet am 'Hoher Chapf / Kapf' existiert noch heute (sogar in ausgedehnterer Form als früher), nachdem es zwischenzeitlich - zusammen mit den Reben am Käpfli - (ab etwa 1895) verschwunden war. In den frühen 1950er-Jahren verschwand der kleine Rebberg bei der Kirche und dafür wurde das Rebgut am Hohen Chapf¹ wieder "reaktiviert". Dieses Gebiet wurde um 1970 bis zur Kirche hin erweitert.

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¹ Heini Haubensak an der Rorschacherstrasse 22 in Altstätten, liess die Marke 'Rebgut Hoch Chapf Eichberg' im Februar 1984 schützen (Eintrag ins Markenregister am 26. Juni 1984). Im Jahr 2013 übergab Heini Haubensak den Weinbaubetrieb nach 30 Jahren an drei neue Eigentümer, Hugo Kaufmann sowie Jürg und Albert Mächler. Der Markenschutz ist im Februar 2014 abgelaufen (gelöscht im Markenregister am 8. September 2014). 2016 war der Eigentümer die 'Weinbau Zünd AG' mit u.a. Karl Zünd (Gründer und Verwaltungsratspräsident der Firma 'Zünd Systemtechnik AG') und Hugo Kaufmann, zusammen mit Edi Tanner (Verwaltungsratspräsident) und Jens Junkert (Geschäftsführer) als Aktionäre.

Die heutigen Weinbaugebiete gehören jedoch zu Eichberg und nicht zu Oberriet.

Hueberberg

Der Flurname 'Hueberberg' ist erst ab Anfang des 19. Jh. verbürgt. Zuvor dürfte dieser Ort mit 'Schobingerberg' (von 'Schawingen') bezeichnet worden sein. Im Lehensarchiv von 1492 (Lehenprotokoll, Bd. 8) werden 'am schabinger berg (reben) stost an müllers veld' [StiASG Bd. LA 80a, 298v] und 'am schabinger berg (wingarten) stost an steffan ennder vnd ans nord' [StiASG Bd. LA 80a, 247v] genannt. Letztmals wurde der Schobingerberg im Jahre 1802 in [StASG HA B VII 02] (Helvetisches Archiv, Helvetischer Kataster, Altstätten) genannt. Im selben Kataster taucht erstmals der Name 'Hueberberg' auf.

Der Hueberberg war also bereits im 15. Jh. (vermutlich schon früher) ein Weingebiet.

Dieser Berg wurde einst von Paul Zäch bewirtschaftet. Er hatte das Weingut am Huberberg in den 1980er Jahren wieder "reaktiviert". Roland Lüchinger gestaltete für ihn die Weinetikette für den 'Huberbergler Blauburgunder'.

Weinbau Hueberberg (1887) Weinbau Hueberberg (1887)

Hueberberg (Karte von 1887). Weingebiet im Herbst 2025.

Das Weinbaugebiet existiert heute noch in dieser, ja sogar in etwas vergrösserter Form. Othmar Gschwend und Ernst Gschwend bewirtschaften aktuell dieses Weingut.

Kellen

Siehe unter → 'Semelenberg' weiter unten.

Weinbau Kellen (1900) Weinbau Kellen (1900)

Kellen (Karten von 1887 und 1900).

Siehe auch 'Jakob Kühnis' unter → 'Kobelwald'.

Kobelwald / Kapf

Im Jahre 1868 musste der Kreuzwirt (Kreuz in Kobelwald!) Jakob Kühnis sein Haus und die Fahrnis zwangsversteigern. In der Gantanzeige wurden Reben erwähnt, welche zum Kreuz gehörten. Zudem hatte Jakob Kühnis noch Reben in den Kellen.

Im Jahre 1990 ging Othmar Weber das Wagnis ein, auf einer Parzelle von etwa 0.5 ha Pinot Noir Reben anzupflanzen. Bereits 1993 konnte daraus ein der erste Wein gekeltert werden. In den folgenden Jahren wurde das Gut weiter ausgebaut und andere Sorten wie RieslingxSylvaner, Sauvignon Blanc sowie auch mehltautolerante Neuzüchtungen wurden angebaut.

Weinbau Kobelwald / Kapf (1887) RieslingxSylvaner und Pinot Noir (Blauburgunder) vom Kapf (2016)

Kobelwald und Kapf (Karte von 1887). Bild 2: Oberrieter RieslingxSylvaner und Oberrieter Pinot Noir (Blauburgunder) vom Mooser Kapf. Bild aus dem Jahre 2024 (eigener Weinkeller), ohne Gewähr, dass dieses Anschauungsmaterial heute noch in dieser Form existiert.

Das Weinbaugebiet bei Kobelwald existiert heute nicht mehr. Das Gebiet auf dem Kapf ist heute etwa 50 m nördlicher angelegt als früher. Romeo Stieger bewirtschaftet heute dieses Weingebiet. Weinbau Weber bietet Oberrieter RieslingxSylvaner und Oberrieter Pinot Noir (Blauburgunder) vom Mooser Kapf an.

Kriessern

In Kriessern selbst ist kein Weinanbaugebiet bekannt.

Jedoch stand in einem Vorgängergebäude des Restaurants Adler im Jahre 1818 noch eine Weinpresse (ein "Torkelbaum"). Offenbar wurde in diesem Haus Wein hergestellt (vermutlich mit Trauben aus Oberriet). Das Haus brannte danach ab (man spricht von 'Brandstiftung'). Der Torkel muss diesen Brand "überlebt" haben, denn Titus Hutter sagte aus, dass dieser Torkel "bi ihm überobe gläge" sei. Das Haus von Titus wurde jedoch in den 1970er-Jahren abgebrochen, und damit verschwand auch der Torkel.

Montlingen

Der Wingert am Südhang des Montlinger Berglis wurde 1486¹ erstmals erwähnt. Die St. Anna Kapelle steht inmitten des 'Wingert'.

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¹ Bereits am 21. Januar 1456 wurde ein kirchliches Weingut in Montlingen erwähnt: Adelheid Käufflin von Montlingen und ihre Kinder verkaufen Wein und Zins ab verschiedenen Gütern, u.a. von einem Gut, genannt 'der Hensinen Gut', « ... stosst oben an die Gasse, unten an der Kirchen Weingarten und das Pfrundgut zu Montlingen, einerseits an Konrad Wüsten Gut und an der Dierauer Güter ... ». « Ferner ab einem Gut genannt die Holzhald, "... stosst oben an Jos Wüsten Gut, unten an die Mosgasse, einerseits an Konrad Scheggen Gut ... » usw. Die erwähnten Gebrüder Wüst hatten sich vier Jahre zuvor für 40 Gulden freigekauft (siehe Oberrieter Gechlechter). Es ist nicht ganz klar, ob dieser 'Kirchen Weingarten' mit demjenigen am Montlinger Bergli identisch ist.

Ein Teil der Reben gehörte früher zum Besitz der Kirchgemeinde. Dadurch konnten sich die Geistlichen einen Teil ihres Lohnes erwirtschaften. Am 18. Februar 1813 (beim Amtsantritt von Pfarrer Breu) wurde, die ökonomischen pfarrlichen Güter, welche den grössten und schönsten Teil des Montlinger Berglis ausmachten, an Gemeinde- und Verwaltungsrat Alois Schegg, Anton Thurnherr und Johann Wüst "Büchels", um die Summe von 11'000 Gulden verkauft. Erwähnt wurde auch der "Stadel und Torgel [Torggel]" und der "Weinberg sambt dem darbey liegenden Acker- und Wieswachs" [AO1910]. Pfarrer Alois Oberholzer hatte jedoch selbst noch etwas Weinland als Privateigentum besessen, sei aber gezwungen gewesen "damit abzufahren" als die Buben und die Vögel ihm die wenigen Früchte stahlen.

Das Pfarrhaus und die Kellerei unter dem Torggel blieb bei diesem Verkauf zum Nutzen des Pfarrers mit der Bedingung, dass wenn das Pfarrhaus verkauft und abgerissen würde, so solle die Kellerei zum Nutzen des Käufers verfallen. Die Kellerei wurde schon vor Abbruch des Torggels zu deren Schutz und zur Aufbewahrung von Brennmaterialien etc. für den Pfarrer von der Kirchgemeinde im Jahre 1817 mit einer kleinen Scheune überbaut. Im Brandassekuranzbuch figurierte sie fortan unter 'Scheuer mit gewölbtem Keller'. Im Herbst 1900 wurde die Scheune repariert und umgebaut und aus dem Stall, in welchem früher die Hühner des Pfarrers gehaust hatten, wurde eine Paramentenkammer für den Jungfrauenverein gemacht.

im Jahr 1888 wird etwas "orakelhaft" in einem Reiseberichtchen [Appenzeller Volksfreund, Nummer 56, 14. Juli 1888]) von einem 'Oekonom erster Klasse' erzählt, welcher in einer Villa lebte (wo früher die "Falkenburg" stand - höchstwahrscheinlich eine Anspielung an den damals küzlich deplazetierten Pfarrer Falk). Dieser pflegte damals den Weinberg und kelterte aus den Trauben den 'Falerner'.

Jakob Hasler "Hasler'sch Jook" urbarisierte ab 1938 den südlichen Teil des Montlinger Berglis. Später übernahm Josef Hutter-Hasler "Kronenwirts" als Pächter.

Im harten Winter 1956 sind die meisten Reben erfroren (es hatte im Februar Temperaturen bis zu -30 Grad gegeben). Lehrer Walter Mattle war bis in die Siebzigerjahre der einzig verbliebene Hobby-Winzer. Die anderen Besitzer nutzten ihre Parzellen fortan als Acker- oder Weideland und die Ortsgemeinde pflanzte auf ihrem Teil bei der St. Anna Kapelle eine Christbaumkultur an (welche bald zu einem "Wald" wurde).

Weinbau Montlingen (1887) Weinbau Montlingen (um 1931) Weinetiketten

Bild 1: Montlingen (Karte von 1887). Bild 2: Rebberg um 1931. Bild 3: Erste Weinetiketten (die erste Weinetikette wurde noch von Hedwig Scherrer vor 1938 gestaltet, da die Reben unterhalb der Kapelle noch fehlten).

Jahre später (1988) spielte der Ortsverwaltungsrat mit der Idee, auf dem Bergli wieder Reben anzupflanzen und Wein ("Bergliwy") zu produzieren. Die Rodungsbewilligung traf am 10. April 2000 ein, verbunden mit der Auflage zur Ersatzaufforstung andernorts (diese geschah beim Areal Füllemann, im Gebiet Anger). Mit der Pflanzung von 777 Stöcken Blauburgunder-Reben wurde diese Idee im Jahre 2003 dann umgesetzt. Die Betreuung des Rebbergs übernahmen - zusammen mit dem Rebmeister Erwin Benz - die Pensionäre Eugen Loher und Martin Fritsche mit seiner Gattin. Fünf Jahre später pflanzte man Johanniter-Reben dazu, nachdem Dr. Josef Savary der Ortsgemeinde eine Parzelle Boden für den Weinbau geschenkt hatte. Im Jahr 2013 (unter dem neuen Rebmeister Niklaus Loher) erfolgte erneut eine Erweiterung mit 230 Rebstöcken der Sorte Cabernet Cortis.

Semelenberg

1543 hatte Abt Diethelm von St.Gallen in einem Streit der Familie Ender aus Kobelwies und den Hofleuten aus Kriessern zu entscheiden. Die Ender klagten, die von Kriessern hätten den Semelenberg geschwendet und dort einen Weinberg angelegt. Zugleich hatten die von Kriessern ein anderes Waldstück gerodet, um daraus eine Alp zu machen. Durch diese Rodung hätten die Ender wertvolles Schlagholz verloren, das sie für den Unterhalt von sechs bestehenden Häusern brauchten und für solche, «die künftig dahin gesetzt werden, denn die Welt mehre sich». Dafür verlangten sie Ersatz, indem die Leute von Kriessern ihnen zusätzlich auf der frisch gerodeten Alp Weiderechte zugestehen sollten. Das wollten die Leute von Kriessern den Endern nicht gewähren, und sie beriefen sich vor Gericht auf einen früheren Spruchbrief, der besagte, der Semelenberg sei vom Weiderecht der Ender ausgeschlossen. Der Schiedsspruch von Abt Diethelm bestätigte dann die Interpretation der Kriessener.

Am Semelenberg waren daher die Weinreben des Reichshofes Kriessern zu finden (der Berg war früher fast ganz mit Reben bepflanzt). Die Trauben wurden vermutlich in den Gebäulichkeiten des alten Adlers in Kriessern gekeltert (dieses Haus war etwa dort wo heute die Gartenwirtschaft des Adlers ist). In diesem Haus gab es eine "Mosti" mit einer Weinpresse ("Torkelbaum").

Weinbau Semelenberg (1887)

Semelenberg (Karte von 1887).

Das Weinbaugebiet am Semelenberg existiert heute nicht mehr.

Rebbau heute

In der heutigen Zeit widmen sich in Oberriet die folgenden Firmen und Personen dem Weinbau / -verkauf:

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 19. Juni 2026)