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WeinbauRheintalDas Fastengebot Richulfs (Erzbischof von Mainz) an den Bischof zu Konstanz aus dem Jahre 810 ("Abstineant se a Carne et Vino, et a Cerevisa, Milchscida et Medo" - "sie sollen sich von Fleisch, Wein und Bier, Schotten und Met enthalten") weist darauf hin, dass Wein (und nicht genannt: Most aus Obst) noch nicht sehr verbreitet war; man trank damals stattdessen aber Bier (aus Korn), Met (aus Honig) und Schotten (aus Milch). Vom 10. Jh vernahm man folgendes: « Ihr gewöhnliches Getränk war das Bier, oder wenn sie sich gut thun wollten, Meth [Met], oder Wein; sie wussten sich aber auch aus den Äpfeln einen Most, aus neuem Weine ein süsses, und aus Most und Honig ein stark berauschendes Getränk zu verfertigen¹; sie legten aber doch dabey dem Wassertrinken hohen Werth bey² [IA1810, Bd. 1, p. 151]. » ________ Der Weinbau kam um das Jahr 918 ins Rheintal (Der Rheintaler vom 3. Juni 1880, No. 23). Obschon der Rebbau von da an stetig zunahm, so war noch zu Anfang des 12. Jahrhunderts der Wein im östlichen Helvetien rar: es befanden sich nur zwei Weinfässer im Kloster St. Gallen. Diesen Vorrat wollte Bischof Ulrich von Konstanz um ein weiteres Fass vermehren. Der Wagen mit dem Fass schlug jedoch um und das Fass rollte in den Martinstobel. Das Fass nahm aber keinen Schaden, was als Wunder gedeutet wurde, welches durch das Gebet des im Kloster wartenden Bischofs bewirkt wurde. 1324: trockener Sommer, vortrefflicher Herbst (das Fuder Wein galt 3 Gulden) Im Jahre 1517, erfroren im Frühjahr die Reben, so dass an den meisten Orten die Weinlese im Herbst unterblieb. Am 'Haus zur Flasche' (Spisergaasse 11, St. Gallen) ist an der Wand eine etwa 3 Mass haltende Flasche angebracht mit der Inschrift: "Anno 1517 haben 180 Juchart Reben nur eine solche Flasche Wein gegeben!" Haus zur Flasche, Spisergasse 11, St. Gallen (Quelle: mit freundlicher Genehmigung von André M. Winter, Götzens, Tirol). 1536: sehr guter Wein (das Mass 7 Pfennige) Die Jahre 1729, 1730 und 1731 waren ebenfalls nicht berauschend. Am fürstäbtlichen Hause (Neuhaus) bei Rosenburg steht: "O Suna Kom Vns Nit Veracht, bestrahl den repberg Und die erd. O rebman Wie magst Lachen, jn 3 jahr nur ein Wime machen." Im Jahr 1789 befanden sich in den Kellern des Klosters 1296 Saum an neuem weissen Wein, 610 Saum an neuem roten Wein, 645 Saum an altem weissen Wein, und 496 Saum an altem roten Wein. Ein Saum entsprach 100 Mass (etwa 150 Liter). Am 10. April 1815 brach auf der indonesischen Insel Sumbawa der Vulkan Tambora aus. 1816 gab es nur wenige Trauben und diese waren sehr schlecht, denn der Sommer war äusserst kalt und regnerisch. Alle Früchte waren so zurück, dass an vielen Orten erst im Oktober geerntet und Hafer und Korn geschnitten wurde. Am 24. und 25. Oktober war es so kalt, dass die Trauben von Balgach bis Rebstein und Altstätten beinahe ganz erfroren. Am 4. November wurde mit der Weinlese begonnen. Im Jahr 1831 stiegen die Weinpreise in Altstätten von 3½ X pro Mass Weisser und 7 X pro Mass Roter im Jahre 1830 auf 9 X für den Weissen und 14 X für den Roten. Heftige Platzregen in den Sommermonaten, insbesondere der vom 19. August brachte den Reben grossen Schaden. Der Wein war nicht sehr stark, aber ziemlich gut und schön in der Farbe. Nach einem "gelinden" Winter war der Frühling 1832 kalt und trocken, die Blüte verspätet. Ab Juli war das Wetter besser. Möglicherweise war der Ausbruch des Zavaritskii-Vulkan auf der russischen Insel Simuschir mitverantwortlich. Die Eigentümer von Reben waren Klöster, weltliche Herren, städtische Institutionen sowie Stadtbürger, die Weingüter an Bauern verliehen. Letztere waren zu Abgaben an ihre Grundeigentümer verpflichtet (im Rheintal galt üblicherweise die Halbpacht: d.h., die Bauern lieferten 50% des Ertrags ab). Der Lehensherr lieferte dafür üblicherweise Rebstecken, den Dünger (Rindermist), stellte den Transport. Der Bau von Zäunen geschah normalerweise in geteilter Verantwortung. Der Rheintaler Rebbrief aus dem Jahre 1471 gibt detailliert Auskunft über die damalige Organisation des Weinbaus im St. Galler Rheintal.
Bis ins 15. Jahrhundert ist eine Spezialisierung des Rheintals auf Weinbau nachzuweisen. Die Stadt St. Gallen hatte eine grosse Nachfrage nach Wein. Die wichtigsten Rebbaugebiete waren in Altstätten, Marbach, Berneck und Balgach. Der Rebbrief von 1471 regelte einen Streit zwischen St. Gallen und den vier Höfen Antstätten, Marbach, Berneck und Balgach, sowie den Weinlauf. Oberriet wurde, wenn es um den Wein ging, in den allermeisten Urkunden der damaligen Zeit nicht einmal erwähnt. Der sogenannte 'Weinlauf' ist der jährlich neu festgelegte Weinpreis. OberrietRebbau-FamilienOberriet war früher noch prominenter im Weinbau und im Weinhandel tätig als heute. Beispiele von Personen im 19. Jahrhundert, welche in diesem Bereich tätig waren:
RebbaugebieteBlattenberg Der Wein vom Blattenberg wurde erstmals im Jahre 1389 erwähnt. Ulrich und Burkhard von Ramschwag benutzten die Burghalde vor der Burg Blatten für den Rebbau. Wein vom Blattenberg wurde denn auch bei der Eröffnung der Pintenwirtschaft 'zum Schäfle' aufgetischt. Im Jahre 2007 führte Romeo Weber am Blattenberg den Rebbau wieder ein. Blattenberg (Karte von 1900). Das Weinbaugebiet beim Blattenberg wurde etwa 100 m nach Westen verlegt. Weinbau Weber bietet Oberrieter Sauvingon Blanc von Blattenberg an. Eichberg In Oberrieter Teil von Eichberg erinnert der Flurname 'In den Reben' (zwischen Oberau und Hard) an den Weinbau. Die Reben dort sind um 1896 verschwunden. In früherer Zeit muss es jedoch in Eichberg an einigen Stellen Reben gehabt haben. Unter anderen direkt bei der Kirche. Eichberg (Karte von 1887). Das Weinbaugebiet am 'Hoher Chapf / Kapf' existiert noch heute (sogar in ausgedehnterer Form als früher), nachdem es zwischenzeitlich - zusammen mit den Reben am Käpfli - (ab etwa 1895) verschwunden war. In den frühen 1950er-Jahren verschwand der kleine Rebberg bei der Kirche und dafür wurde das Rebgut am Hohen Chapf¹ wieder "reaktiviert". Dieses Gebiet wurde um 1970 bis zur Kirche hin erweitert. ________ Die heutigen Weinbaugebiete gehören jedoch zu Eichberg und nicht zu Oberriet. Hueberberg Der Flurname 'Hueberberg' ist erst ab Anfang des 19. Jh. verbürgt. Zuvor dürfte dieser Ort mit 'Schobingerberg' (von 'Schawingen') bezeichnet worden sein. Im Lehensarchiv von 1492 (Lehenprotokoll, Bd. 8) werden 'am schabinger berg (reben) stost an müllers veld' [StiASG Bd. LA 80a, 298v] und 'am schabinger berg (wingarten) stost an steffan ennder vnd ans nord' [StiASG Bd. LA 80a, 247v] genannt. Letztmals wurde der Schobingerberg im Jahre 1802 in [StASG HA B VII 02] (Helvetisches Archiv, Helvetischer Kataster, Altstätten) genannt. Im selben Kataster taucht erstmals der Name 'Hueberberg' auf. Der Hueberberg war also bereits im 15. Jh. (vermutlich schon früher) ein Weingebiet. Dieser Berg wurde einst von Paul Zäch bewirtschaftet. Er hatte das Weingut am Huberberg in den 1980er Jahren wieder "reaktiviert". Roland Lüchinger gestaltete für ihn die Weinetikette für den 'Huberbergler Blauburgunder'. Hueberberg (Karte von 1887). Weingebiet im Herbst 2025. Das Weinbaugebiet existiert heute noch in dieser, ja sogar in etwas vergrösserter Form. Othmar Gschwend und Ernst Gschwend bewirtschaften aktuell dieses Weingut. Kellen Siehe unter → 'Semelenberg' weiter unten. Kellen (Karten von 1887 und 1900). Siehe auch 'Jakob Kühnis' unter → 'Kobelwald'. Kobelwald / Kapf Im Jahre 1868 musste der Kreuzwirt (Kreuz in Kobelwald!) Jakob Kühnis sein Haus und die Fahrnis zwangsversteigern. In der Gantanzeige wurden Reben erwähnt, welche zum Kreuz gehörten. Zudem hatte Jakob Kühnis noch Reben in den Kellen. Im Jahre 1990 ging Othmar Weber das Wagnis ein, auf einer Parzelle von etwa 0.5 ha Pinot Noir Reben anzupflanzen. Bereits 1993 konnte daraus ein der erste Wein gekeltert werden. In den folgenden Jahren wurde das Gut weiter ausgebaut und andere Sorten wie RieslingxSylvaner, Sauvignon Blanc sowie auch mehltautolerante Neuzüchtungen wurden angebaut. Kobelwald und Kapf (Karte von 1887). Bild 2: Oberrieter RieslingxSylvaner und Oberrieter Pinot Noir (Blauburgunder) vom Mooser Kapf. Bild aus dem Jahre 2024 (eigener Weinkeller), ohne Gewähr, dass dieses Anschauungsmaterial heute noch in dieser Form existiert. Das Weinbaugebiet bei Kobelwald existiert heute nicht mehr. Das Gebiet auf dem Kapf ist heute etwa 50 m nördlicher angelegt als früher. Romeo Stieger bewirtschaftet heute dieses Weingebiet. Weinbau Weber bietet Oberrieter RieslingxSylvaner und Oberrieter Pinot Noir (Blauburgunder) vom Mooser Kapf an. Kriessern In Kriessern selbst ist kein Weinanbaugebiet bekannt. Jedoch stand in einem Vorgängergebäude des Restaurants Adler im Jahre 1818 noch eine Weinpresse (ein "Torkelbaum"). Offenbar wurde in diesem Haus Wein hergestellt (vermutlich mit Trauben aus Oberriet). Das Haus brannte danach ab (man spricht von 'Brandstiftung'). Der Torkel muss diesen Brand "überlebt" haben, denn Titus Hutter sagte aus, dass dieser Torkel "bi ihm überobe gläge" sei. Das Haus von Titus wurde jedoch in den 1970er-Jahren abgebrochen, und damit verschwand auch der Torkel. Montlingen Der Wingert am Südhang des Montlinger Berglis wurde 1486¹ erstmals erwähnt. Die St. Anna Kapelle steht inmitten des 'Wingert'. ________ Ein Teil der Reben gehörte früher zum Besitz der Kirchgemeinde. Dadurch konnten sich die Geistlichen einen Teil ihres Lohnes erwirtschaften. Am 18. Februar 1813 (beim Amtsantritt von Pfarrer Breu) wurde, die ökonomischen pfarrlichen Güter, welche den grössten und schönsten Teil des Montlinger Berglis ausmachten, an Gemeinde- und Verwaltungsrat Alois Schegg, Anton Thurnherr und Johann Wüst "Büchels", um die Summe von 11'000 Gulden verkauft. Erwähnt wurde auch der "Stadel und Torgel [Torggel]" und der "Weinberg sambt dem darbey liegenden Acker- und Wieswachs" [AO1910]. Pfarrer Alois Oberholzer hatte jedoch selbst noch etwas Weinland als Privateigentum besessen, sei aber gezwungen gewesen "damit abzufahren" als die Buben und die Vögel ihm die wenigen Früchte stahlen. Das Pfarrhaus und die Kellerei unter dem Torggel blieb bei diesem Verkauf zum Nutzen des Pfarrers mit der Bedingung, dass wenn das Pfarrhaus verkauft und abgerissen würde, so solle die Kellerei zum Nutzen des Käufers verfallen. Die Kellerei wurde schon vor Abbruch des Torggels zu deren Schutz und zur Aufbewahrung von Brennmaterialien etc. für den Pfarrer von der Kirchgemeinde im Jahre 1817 mit einer kleinen Scheune überbaut. Im Brandassekuranzbuch figurierte sie fortan unter 'Scheuer mit gewölbtem Keller'. Im Herbst 1900 wurde die Scheune repariert und umgebaut und aus dem Stall, in welchem früher die Hühner des Pfarrers gehaust hatten, wurde eine Paramentenkammer für den Jungfrauenverein gemacht. im Jahr 1888 wird etwas "orakelhaft" in einem Reiseberichtchen [Appenzeller Volksfreund, Nummer 56, 14. Juli 1888]) von einem 'Oekonom erster Klasse' erzählt, welcher in einer Villa lebte (wo früher die "Falkenburg" stand - höchstwahrscheinlich eine Anspielung an den damals küzlich deplazetierten Pfarrer Falk). Dieser pflegte damals den Weinberg und kelterte aus den Trauben den 'Falerner'. Jakob Hasler "Hasler'sch Jook" urbarisierte ab 1938 den südlichen Teil des Montlinger Berglis. Später übernahm Josef Hutter-Hasler "Kronenwirts" als Pächter. Im harten Winter 1956 sind die meisten Reben erfroren (es hatte im Februar Temperaturen bis zu -30 Grad gegeben). Lehrer Walter Mattle war bis in die Siebzigerjahre der einzig verbliebene Hobby-Winzer. Die anderen Besitzer nutzten ihre Parzellen fortan als Acker- oder Weideland und die Ortsgemeinde pflanzte auf ihrem Teil bei der St. Anna Kapelle eine Christbaumkultur an (welche bald zu einem "Wald" wurde). Bild 1: Montlingen (Karte von 1887). Bild 2: Rebberg um 1931. Bild 3: Erste Weinetiketten (die erste Weinetikette wurde noch von Hedwig Scherrer vor 1938 gestaltet, da die Reben unterhalb der Kapelle noch fehlten). Jahre später (1988) spielte der Ortsverwaltungsrat mit der Idee, auf dem Bergli wieder Reben anzupflanzen und Wein ("Bergliwy") zu produzieren. Die Rodungsbewilligung traf am 10. April 2000 ein, verbunden mit der Auflage zur Ersatzaufforstung andernorts (diese geschah beim Areal Füllemann, im Gebiet Anger). Mit der Pflanzung von 777 Stöcken Blauburgunder-Reben wurde diese Idee im Jahre 2003 dann umgesetzt. Die Betreuung des Rebbergs übernahmen - zusammen mit dem Rebmeister Erwin Benz - die Pensionäre Eugen Loher und Martin Fritsche mit seiner Gattin. Fünf Jahre später pflanzte man Johanniter-Reben dazu, nachdem Dr. Josef Savary der Ortsgemeinde eine Parzelle Boden für den Weinbau geschenkt hatte. Im Jahr 2013 (unter dem neuen Rebmeister Niklaus Loher) erfolgte erneut eine Erweiterung mit 230 Rebstöcken der Sorte Cabernet Cortis. Semelenberg 1543 hatte Abt Diethelm von St.Gallen in einem Streit der Familie Ender aus Kobelwies und den Hofleuten aus Kriessern zu entscheiden. Die Ender klagten, die von Kriessern hätten den Semelenberg geschwendet und dort einen Weinberg angelegt. Zugleich hatten die von Kriessern ein anderes Waldstück gerodet, um daraus eine Alp zu machen. Durch diese Rodung hätten die Ender wertvolles Schlagholz verloren, das sie für den Unterhalt von sechs bestehenden Häusern brauchten und für solche, «die künftig dahin gesetzt werden, denn die Welt mehre sich». Dafür verlangten sie Ersatz, indem die Leute von Kriessern ihnen zusätzlich auf der frisch gerodeten Alp Weiderechte zugestehen sollten. Das wollten die Leute von Kriessern den Endern nicht gewähren, und sie beriefen sich vor Gericht auf einen früheren Spruchbrief, der besagte, der Semelenberg sei vom Weiderecht der Ender ausgeschlossen. Der Schiedsspruch von Abt Diethelm bestätigte dann die Interpretation der Kriessener. Am Semelenberg waren daher die Weinreben des Reichshofes Kriessern zu finden (der Berg war früher fast ganz mit Reben bepflanzt). Die Trauben wurden vermutlich in den Gebäulichkeiten des alten Adlers in Kriessern gekeltert (dieses Haus war etwa dort wo heute die Gartenwirtschaft des Adlers ist). In diesem Haus gab es eine "Mosti" mit einer Weinpresse ("Torkelbaum"). Semelenberg (Karte von 1887). Das Weinbaugebiet am Semelenberg existiert heute nicht mehr. Rebbau heuteIn der heutigen Zeit widmen sich in Oberriet die folgenden Firmen und Personen dem Weinbau / -verkauf:
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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 19. Juni 2026)