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Wasser und StromPeter Zünd's Interview mit Martin Lüchinger (StASG W 288/18 Technische Betriebe Gemeinde Oberriet - Martin Lüchinger, Bauchef) vom 16. Januar 1999 ist eine gute Ergänzung zu dieser Web-Seite. Auf dieser Seite sind einige (wenn auch bei weitem nicht alle) Inhalte aus diesem Interview enthalten. WasserversorgungQuellen und BrunnenDie Blattenquelle am Blattenberg speiste nebst eines kleinen Weihers die Brunnen im südlichen Dorfteil, namentlich den immer noch stehenden 'Eintracht-Brunnen' (siehe unten) bis bis hin zur Mitte des Oberdorfes. Das Blattenberg-Quellwasser war glasklar (so klar, dass ihm das Volk sogar Heilkraft zusprach). Wer bei der Quelle erschien, soll aus der Hand viel davon getrunken haben. Den Tieren wuschen die Bauern damit die Wunden aus. Spätestens im 19.Jahrhundert wurde die Blattenquelle gefasst und versorgte in einer langen Teuchelleitung aus Holz die 10 Dorfbrunnen der Agglomeration Oberriet-Eichenwies. Für das Funktionieren der Brunnen war die Brunnengenossenschaft und für die Ordnung der jeweilige Brunnenmeister verantwortlich. Als man 1892 dazu schritt, wegen steigenden Bedarfs die Quellen im Moos anzuzapfen, bemühte sich der Wirt der Eintracht darum, die Blattenquelle für sich alleine zu gewinnen. Ursprünglich waren entlang der Hauptstrasse zwölf Dorfbrunnen installiert. Diese standen vorzugsweise vor Gaststätten, da dort Tiere getränkt werden mussten. An diesen Brunnen konnten alle Wasser beziehen; zudem waren sie oft ein beliebter Treffpunkt der Bevölkerung. Im Hofraum der Eintracht steht heute der einzige verbliebene Dorfbrunnen aus dem Jahre 1894. Die elf weiteren an der Staatsstrasse bis zum Löwenplatz wurden vor Jahrzehnten wegen Nichtgebrauch oder wegen ungünstigem Standort weggeschafft. Unter den wiedererstandenen vier Dorfbrunnen erinnern zwei an die Bräuche des 'Bleandastöbas' und der Rheinholzerei. Der Brunnen am Studmadweg hatte ein grösseres Becken (als Tränke für Tiere) und ein kleineres ("Sudler", für Reinigungszwecke). Der Brunnen am Dorfplatz Süd wurde oft verwendet um die Kühler der Autos neu zu befüllen. Am Dorfplatz Nord begann man 1878 die hölzernen Zuleitungen durch eiserne zu ersetzen. Es gab einen Brunnen bei der Zollbrücke und einen bei der Einmündung Looweg in die Hauptstrasse. Ein Brunnen war hinter der Metzgerei Gächter / später Fritz Zünd (Staatsstrasse 162). Der Rössli- oder Postbrunnen zierte viele Postkarten (siehe datz auch 'Postplatz'). Der Löwen wollte eigentlich auch einen Brunnen, aber die Blattenquelle hatte nicht mehr genug Wasser für einen witeren Brunnen. Am Bahnhof gab es Gratiswasser für dürstende Reisende. Einen weiteren Brunnen muss es beim 'Adler' gegeben haben. Moos hatte fünf Brunnen (der oberste war an der Steigstrasse). Siehe auch Oberriet Dorfbrunnen. Moderne WasserversorgungGemeindepräsident Karl Kolb zeichnete schon 1891 bis 1899 als Präsident der Brunnenkorporation Oberriet, später war er Initiant, Leiter und Kommissionsmitglied bei der Erschliessung neuer Quellen im Bereich Freienbach, beim Aufbau des allgemeinen Wasser- und Hydrantennetzes und schliesslich der Gewässerkorrektion. Bau-Ingenieur Jakob Lüchinger meinte kurz nach der Jahrhundertwende 1900 zu seinem Bruder Theodor (Kantonsrat, Gemeinderat und vieles mehr), dass Oberriet dringend eine Wasserversorgung brauche. 1902 wurde die Wasserversorgung als
Privatcorporation¹
Kommissionsmitglieder
______________ Bei der Erstellung der Wasserversorgung gab es initial auch einige kleinere "Unglücksfälle und Verbrechen":
Die grössten Quellen befanden sich im Gebiet von Freienbach. Im Gebiet Freienbach - Chienberg - Neuenalp nutzt die Wasserversorgung Oberriet die Quelle Neuenalp (33'000 m³ pro Jahr), sowies die Quellen Loch, Ulrika / Ulricus, Benjamin und Karola I & II (zusammen 380'000 m³ pro Jahr). Die mineralhaltige Blatten-Quelle wurde ebenfalls immer wieder im Gemeinderat thematisiert. Sie hatte eine gute Leistung (zwischen 40 und 300 Liter pro Minute) - leider aber eben nicht mit konstanter Leistung. Die Quelle war zudem etwas zu klein für ein Pumpwerk. Man diskutierte auch ein Bad, aber der Nordhang des Blattenbergs erschien nicht als besonders einladend. Daneben gab es noch den Schwiebach und die Strüsslerquelle.
Reservoirs Oberriet, Kobelwald, Montlingen. Montlingen und Kriessern hatten sich dieser Korporation zunächst nicht angeschlossen. Auf einen Antrag an der Bürgerversammlung, welcher die Übernahme der Wasserversorgung durch die politische Gemeinde vorschlug, meinte der Gemeinderat von Kriessern: "Wir brauchen kein Wasser, wir brauchen Brot." Damals herrschte Armut in Oberriet und das Wasser war bis dahin "geschenkt". Vor fast jedem Haus hatte es einen Pumpbrunnen (das Grundwasser wurde vom Rhein gespeist). Mit der modernen Wasserversorgung verschwanden allmählich die Wasserpumpen, welche bis dahin vor beinahe jedem Hause standen. Am 26. Juli 1903 schliesst sich dann aber auch Montlingen dem neuen Wasserversorgungswerk Oberriet-Eichenwies an. Das 1904/05 erstellte Reservoir zuoberst auf dem St. Annaberglein fasste 300'000 Liter (zwei zylindrische Behälter von je 150 m³ Fassungsvermögen) gespeist durch Quellen aus dem Freienbach. Es versorgte die Gemeinden Montlingen und Kriessern. Bis dahin musste das Wasser aus dem Gampbrunnen beim 'Kreuz' gefasst werden. Der Hahnenzins betrug 1909 25 Franken für den ersten Hahnen und für jeden weiteren 5 Franken pro Jahr. Das alte Wasserversorgungsreglement aus dem Jahre 1903 sah vor, dass die Gesellschaft den Unterhalt macht - der Nutzer muss lediglich Wasserzins (pro Hahn!) zahlen. Eine Ausnahme bildete die Firma Jansen. Die Firma Jansen war mit Abstand der grösste Wasserbezüger, und daher wurde hier bereits früh die bezogene Wassermenge gemessen. Sie zahlten etwa 5 Rappen pro Kubikmeter, was etwa die Stromkosten der Pumpe bei der Förderung deckte. Umgekehrt lief das Wasser bei den normalen Bezügern oft nutzlos aus. Defekte Hahnen, ständig laufende Brunnen in den Bauernbetrieben, etc. waren für die Wasserverschwendung verantwortlich. Man zahlte ja schliesslich nicht die bezogene Wassermenge, sondern pro installiertem Wasserhahn. Am 22. November 1908 wurde die Wasserversorgung Oberriet durch Gemeinderatsbeschluss von der politischen Gemeinde Oberriet mit allen Aktiven und Pasiven übernommen. Die Ablösesumme betrug 8500 Franken. Der Nachfolger von Karl Kolb war war Karl Dux; er wehrte sich für die Wasserversorgung der entlegenen Fraktion Freienbach-Stein, im Verbund mit der Versorgung der Kienberger Alpen. Als klar wurde, dass die bisherige Quellwasserversorgung wegen der aufkommenden Industrie und dem gestiegenen Privatverbrauch (Hausleitungen statt öffentliche Brunnen) nicht mehr genügte, wurde die Erstellung des Grundwasserpumpwerks beim Feldhof Ende der 1920er-Jahre realisiert. Zuvor hatte man noch erwogen, den auf innerrhodischem Gebiet liegenden Forstsee anzuzapfen. Das war rechtlich nicht möglich, immerhin gelang es, die grenznahe Neuenalpquelle zu fassen und über die neue Waldstrasse eine Leitung zu erstellen, die zu den Kienberger Alpen führte. Mit dem Pumpwerk beim Feldhof am Binnenkanal (es förderte 250 m³ pro Tag) konnten Montlingen und Kriessern versorgt werden. Hilfsfunktionen erfüllten die Reservoirs in Kobelwald, auf dem Semelenberg und auf dem Montlinger Berg. Das Reservoir auf den St. Annaberglein fasste 300 m³ Wasser (bei Ausschachtungsarbeiten für die Wasserversorgung wurden vier verschiedene Mauerzüge entdeckt, sowie Grundmauern eines grösseren Rundbaus - vermutlich eine römische Burg). Eine zentrale Rolle spielen heute noch die Aufbereitungs- und Verteilanlagen auf der Stieg und im Guet bei Kobelwald. Ein eigenes Reservoir erhielt auch die Fraktion Hard. Aus früherer Zeit hat sich die Brunnenkorporation Moos erhalten, mit fünf offenen Brunnen und eigenen Quellen im Gebiet der Steig. Der "lange Brunnen" unterhalb von Kobelwald ist durch eine moderne Anlage ersetzt worden, während die dorthin führende Brunnengasse aufgegeben wurde. Eine einzige Zisterne ist im Kriessner Oberdorf vorhanden. Dr. Joseph Savary war einer der ersten Bürger in Montlingen, welcher eine Waschmachine und eine wasserbetriebene Ausschwingmaschine hatte. Nach dem Bau des neuen Hauses am Bergli, stellte es sich heraus, dass das Reservoir in Montlingen zu klein war um den nötige Druck aufzubauen, was seine Frau auf die Palme brachte. Zudem, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es praktisch in keinen Haus ein Badezimmer. Josef Savary wusste von zwei Häusern mit Badezimmer in Montlingen (seine Tante und er hatten eines). Am Anfang hatte seine Familie auch keines - in dieser Zeit badete man in der Waschküche im Waschzuber. Einen wahren 'Boost' erlebte die Wasserversorgung nach dem Ammannwechsel von Pius Kühnis zu Alex Oberholzer (siehe 'Oberriet Personen'). Alex Oberholzer erkannte, dass die Wasserversorgung saniert werden musste und führte die Wassermessung für alle ein. Für einzelne Bürger bedeutete dies zum Teil 5- bis 10fach höhere Wassergebühren. Die Wasserversorgung Oberriet (WVO) baute in Kobelwald das Reservoir 'Guet' und stellte im Herbst 1992 die Wassertransportleitung zwischen Oberriet und Kriessern fertig. Das Reservoir Montlingen konnte damit ausser Betrieb genommen werden (aufgrund fehlender Energie- und Steuerleitungen konnte die Anlage nicht von der Betriebswarte der WVO aus ferngesteuert werden). Das Bauwerk blieb aber stehen. AbwasserMit der Wasserverseorgung stellte sich die Frage nach der korrekten Entsorgung des Abwassers. Ursprünglich hatte es bei jedem Haus einen Güllekasten (das Hausabwasser ging anfangs oft dort hinein). Neuere Häuser hatten dann aber nur noch kleine oder gar keine Güllekasten mehr, und die Abwasser wurden ungeklärt in den Bach geleitet. Man baute dazu erste Kanalisationen in die neuen Gebiete. In Kriessern ging das Abwasser in den Seekanal (Zapfenbach-Krummenseekanal), in Montlingen in den Binnenkanal. Dies führte dazu, dass zum Zeil weite Leitungen von den Häusern zum nächstgelegenen resp. geeigneten Bach verlegt werden mussten. In den 1950er-Jahren schaute sich der Gemeinderat den Oberrieter Dorfbach auf der westliche Seite der Staatsstrasse an (vom Buck bis an die Kronengasse). Der Bach hatte sich innerhalb weniger Jahre sehr verschmutzt und veralgt. Zudem hatte es bei der Visitation arg gestunken. Nach damals bewährter Oberrieter Art wurde der Bach kanalisiert, zugedeckt und dem Rietlibach zugeführt, worauf - nicht ganz unerwartet - dieser verschmutzte. In der Folgte machte man eine zentrale Fassung (mit grossem Widerstand der zahlenden Bürgerschaft: "Verschwender!"). Durch die neue Landzuteilung nach der Melioration musste man eine neue Strassenplanung vornehmen. Mit den neuen Strassen wurden auch Wasser- und Abwasserrohre verlegt (zu dieser Zeit kamen die Kanalisationsreglemente auf). In Oberriet hatte man sich zum Binnenkanal hin ausgerichtet. Eine weitere Frage war: was macht man mit den Bahnübergängen? Es gab damals 9 unüberwachte, mit Barrieren versehene Bahnübergänge. Ingenieur Glättli (Kreis-Ingenieur der Bundesbahnen) und Martin Lüchinger (damaliger Bauchef in Oberriet) schauten sich die Bahnübergänge an. 1967 gab es dann in Altstätten eine beratende Sitzung, in welcher der Grundsatz zur Sanierung gefällt wurde. Alex Oberholzer erhielt dann ein fast fertig ausgearbeutetes Projekt. Viele Bahnüberhänge wurden in der Folge durch Unterführungen ersetzt, wobei die Unterführung an der Feldhofstrasse etwas gar steil ausfilel, was den Bewohnern des Altersheims heute noch oft stark missfällt. Leider konnte man dies aus Rücksicht auf die Firma Jansen nicht anders machen. Nur der letzte Übergang im Hylpert hat heute noch eine Barriere. Unter Gemeindeammann Alex Oberholzer (siehe 'Oberriet Personen') wurde die Abwasserreinigungsanlage (ARA) samt Sammelleitungen erstellt. Damit bei Regen das Niederschlagswasser nicht in Massen in die Kläranlagen gelangt – was die Wasserreinigung erschwert oder sogar komplett verhindert – schreibt das schweizerische Gewässerschutzgesetz getrennte Kanalnetze für Abwasser und Regenwasser vor. Diese doppelte Kanalisation wird "Trennsystem" genannt, im Gegensatz zum "Mischsystem" für verschmutztes und nicht verschmutztes Abwasser. Das Trennsystem setzt sich in der Schweiz immer mehr durch. Aber einige Strassen sind so stark von Verkehrsstaub und Siedlungsabfällen verschmutzt, dass man dieses Regenwasser dennoch in eine Kläranlage leitet. Das Oberrieter Abwasserreglement aus dem Jahre 2008 sieht in Artikel 4b ein Trennsystem vor. StromversorgungDie Häuser wurden nachts mit Petrollampen beleuchtet. Vor dem elektrischen LichtMontlingen hatte im Jahre 1900 noch 4 Nachtwächter. Karl Emil Zäch erzählte wie Max, der Sohn von Schlossermeister Kolb, die Aufgabe hatte, die damals einzige Strassenlaterne, bei der Abzweigung in die Bahnhofstrasse, zu besorgen. Am Spritzenhaus hatte er ein «Leiterli» über welches er zur Laterne hinauf gelangte, die Lampe herausnahm, um diese in der nahen Schlosserwerkstatt zu reinigen und aufzufüllen. Angezündet brachte er sie wieder an ihren Platz, und dies jeden Abend, Sommer und Winter. Elektrisches LichtAb etwa 1902 wurde in Oberriet das elektrische Licht eingeführt. In Montlingen 1906. In den Weihnachtstagen 1908 gab es in der Kirche Kriessern zum ersten mal elektrisches Licht (1957 wurde die elektrische Läutanlage in Betrieb genommen). Pfarrer Alois Hogg (siehe 'Oberriet Personen') hatte den grössten Teil der Anlage selbst installiert. Ferner wurde die Strassenbeleuchtung erstellt, und damit wurden die beiden verbliebenen Nachtwächter arbeitslos. Der Schulrat Kobelwald beauftragte am 16. Mai 1915 die Gebrüder Kolb (Hugo und Ernst), Elektriker in Oberriet, eine Kostenberechnung über die elektrische Beleuchtung ins Schulhaus zu erstellen. Ein gutes Jahr später hatte eine ausserordentliche Versammlung über ein Gutachten betreffend dieser Sache zu befinden. Darin schrieb der Rat: «Die Frage betreff Einführung elektrischer Beleuchtung ins Schulhaus ist sozusagen zur Tagesfrage geworden, da bald der grösste Teil unseres Dorfes sich doch entschlossen hat, den Abonnenten der elektrischen Beleuchtung beizutreten, zumal das Petrol ein so teurer Artikel geworden.»² Anfangs 1917 wurden 5 (anstelle der ursprünglich geplanten 6 Lampen) installiert. Im Sommer 1919, also mehr als zwei Jahre nach der ersten Installation, befasste sich der Schulrat mit der Ausweitung des elektrischen Lichtes in die Lehrerwohnung.
______________ 1919 gründeten die beiden Brüder Albert und Johann Kolb an der Kronengasse die erste Elektro-Werkstatt. Die Geschäftsgründung erfolgte unter der Bezeichnung «A. und J. Kolb, elektrische Anlagen, Oberriet». Die Gebrüder Kolb entwickelten Drehstrommotoren (so zum Beispiel auch für die Haltermühle im Rehag). Durch einen Vertrag mit der Gemeinde Oberriet übernahin die Firma Kolb die Betriebsführung der Elektrizitätsversorgung. Siehe auch 'Kolb Elektro AG'. Die Elektrizitätsversorgung ging früher über Freileitungen (mit Verteilern zu jedem einzelnen Haus). Dazu brauchte es imprägnierte Holzstangen, Isolatoren und Drähte. 1926/27 erstellte Oberriet die Imprägnieranstalt. Man konnte die Holzstangen mit den richtigen Anforderungen (konstanter Durchmesser, etc.) in St. Gallen oder Gossau kaufen. In Oberriet suchten die Förster passende Stämme im Wald aus. Dann imprägnierte man die Stangen in einem Bad von Kupfervitriol (das Starkstrominspektorat überprüfte danach die Imprägnierung). Diese Imprägnieranstalt gibt es heute nicht mehr. An deren Stellen stehen nun 3 bis 4 Einfamilienhäuser. In der grossen Oberrieter Gemeinde brauchte die vollständige Elektrifizierung eine Weile. Bei Jakob Wüst wurde das Haus erst im Jahre 1961 elektritiziert. Vor dem Wohnhaus hatte es einen Ziehbrunnen und nachts wurden die Räume mit Petrollampen beleuchtet (auch das fliessende Wasser wurde bei ihm erst 1961 eingerichtet). Die Freileitungen wurden sukzessive in den Boden "verbannt". Im Jahre 2016 traf es die Freileitung am Krummensee (Rheintaler Tasgblatt, 3. November 2016). Um die ganze Gemeinde gibt es heute einen segmentierten, unterirdischen Kabel-Kreis. Wenn es zum Beispiel im Loo einen Schaden gibt, kann man den Teil Loo gezielt abschalten. KraftwerkElektrisches Licht braucht Strom und ein Stromnetz. Im Zusammenhang mit der Rheinkorrektion wurde der Rheintaler Binnenkanal erstellt. Zur Regulierung des Grundwasserspiegels erhielt der Binnenkanal drei künstliche Gefällstufen (à je 3 bis 3.5 m). Am 12. März 1903 beschloss der Grosse Rat des Kantons St.Gallen an allen drei Standorten Wasserkraftwerke zu errichten. Zur Verbesserung der Wasserführung wurde gleichzeitig die Überleitung des Werdenberger in den Rheintaler Binnenkanal im 'Schlauch' bei Lienz beschlossen. Das Wasserkraftwerk Montlingen wurde um 1906 in Betrieb genommen (drei Turbine-Generator Gruppen zu je 184 kW, Oberriet (Blatten) und Lienz hatten jeweils nur zwei Maschinensätze). Die Turbinen wurden von der Firma Escher-Wyss & Cie. in Zürich, die Generatoren von der Maschinenfabrik Oerlikon geliefert. Die Bilder 1 und 2 zeigen das Kraftwertk Montlingen im Bau (22. Oktober 1904). Die Bilder 3 und 4 zeigen das Kraftwerk im Jahre 1906. Quelle: Staatsarchiv St. Gallen. Bild 5 zeigt die Innanansicht der Zentrale Montlingen mit der im Jahre 1905 erstellten Maschinenanlage.Quelle: SAK - St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG / Unser Rheintal (2004), p. 151. 1911 wurden dann die drei Kraftwerke samt dem schon bestehenden Verteilnetz Eigentum des neu gegründeten Elektrizitätswerks des Kantons St. Gallen, bevor sie 1914 von der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) als deren Nachfolgegesellschaft übernommen wurden. Im Jahre 1927 wurden die installierten Maschinengruppen in den Werken Lienz, Blatten und Montlingen durch je eine vertikale Maschinengruppe ersetzt (die alten Maschinen waren störungsanfällig geworden und es kam zu Defekten an den Maschinenlagern). Die ehemaligen Synchron-Asynchrinanlagen wurden dabei durch je eine reine Synchronanlage mit 397 kW ersetzt und im März 1928 in Betrieb genommen. Nach weiteren 60 Betriebsjahren stand eine teure Revision der alten Maschinen ins Haus. Am 31. Oktober 1990 konnten die neu renovierten Anlagen mit Kegelrad-Rohrturbinen von der SAK eingeweiht werden. Die Effizienz der drei Anlagen konnte um 60% gesteigert werden auf 6.2 Millionen kWh pro Jahr. Das Kraftwerk in Lienz erhielt damals sogar 36 m² Solarzellen auf dem Dach (drei Kilowatt). Mit diesem Umbau wurden auch die seit Beginn existierenden Fischtreppen (welche nie wirklich ihren Zweck erfüllten) nach neuesten Erkenntnissen ersetzt. Das Ziel war, der Seeforelle aus dem Bodensee den Aufstieg in die Laichgewässer im oberen Rheintal zu ermöglichen um dadurch deren Aussterben im Bodensee zu verhindern. |
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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 30. November 2025)