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GrundversorgungOberriet war eine arme Gemeinde. Es war die finanziell am zweitschlechtesten platzierte Gemeinde im Kanton (nur Flums - die flächenmässig grösste Gemeinde im Kanton St. Gallen - war noch etwas schlechter dran). In Oberriet war ebenfalls alles auf eine riesige Fläche verstreut, was die Erstellung von Infrastrukturen teuer machte. Oberriet ist die drittgrösste Gemeinde, bei relativ wenig Einwohnern mit Streubauweise. Auch die einzelnen Bewohner waren in der Regel sehr arm. Besonders schlimm war es kurz nach 1816, dem Jahr ohne Sommer, nachdem am 10. April 1815 der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa ausgebrochen war. Aber auch in der Folge waren viele Oberrieter gezwungen auszuwandern oder zumindest anderswo in der Schweiz ihre Zukunft zu suchen. Für Wasser und Strom siehe separate Seite. WohnungFamilien waren früher oft kinderreich. Zur (Gross-) Familie gehörten oft auch die Eltern / Schwiegereltern oder ledige Geschwister der Familie. Der Vater arbeitete auf dem Hof, im eigenen Handwerksbetrieb oder zum Teil auch auswärts. Die Mutter blieb zuhause und besorgte den Haushalt. Die Häuser waren ursprünglich reiner Ständerbauten mit Wänden aus dicken, relativ roh behauenen Brettern. Im 17. Jh. bekamen viele davon eine Täferung mit zwei Klebedächern und gewölbter Untersicht. Die Fenster (zumindest im ersten Stock) waren üblicherweise mit Zugläden versehen. Von aussen führte eine Holztreppe hinauf zur kleinen Laube, auf der sich das "Löbali" (WC) und die Türe zur Küche befanden. In dieser dunklen, rauchgeschwärzten Küche befand sich eine Feuerstelle mit offenem Kamin (welcher später durch einen Blechschieber abgeschlossen werden konnte). Gegen Osten befand sich die Stube und die Nebenstube und das Schlafzimmer der Eltern (mit Matratzen). In den oberen beiden Etagen befanden sich die Mädchen- und Bubenkammern (mit Laubsäcken) und ggf. das Zimmer der Grosseltern. Die jüngeren Bauten verfügten oft nur über zwei Stockwerke. Im letzteren Fall mussten die zwei jüngsten Geschwister oft mit einem Bett vorlieb nehmen. Die Kinder schliefen auf Buchenlaubsäcken, wobei das bröckelige und staubige Laub im Herbst (bei Bettnässern auch zwischendurch nach Bedarf) durch neues ersetzt wurde (siehe Schulgeschichte → 'Laubferien'). In Kriessern schob der 'Lauber' im Oktober seinen Zweiradkarren durch das Dorf, hochbeladen mit trockenen Buchenlaubsäcken (Stückpreis 1 bis 2 Franken). Die schweren Bettdecken hingegen waren oft mit Hühnerfedern gefüllt (da es keine Zimmerheizung gab waren die Fenster bei Kälte morgens manchmal ganz mit Eisblumen überzogen). Die Versteigerung des Erbes von Johannes Zäch "Roses" († 1861 in Freienbach) zeigt schön auf, was so alles in bäuerlichen Oberrieter Haushalten zu finden war. Da es kein elektrisches Licht gab, begleitete die Mutter die Kinder mit einer brennenden Kerze in der Hand ins Schlafzimmer, wo gemeinsam das Abendgebet verrichtet wurde. Sebastian Thurnherr und seine Frau im Unterdorf in Kriessern wohnten zuletzt noch in einem der letzten Häuser, welche im historischen Zustand belassen wurden. Die Küche, die Stube und die Kammern (heute 'Schlafzimmer' genannt) wurden meist am Donnerstag oder Freitag gereinigt (oft erstreckte sich diese Tätigkeit bis in den Samstag hinein). Anfangs des 20. Jh. verfügten die meisten Häuser noch nicht über Badezimmer. Holz (Heizen, Kochen, Hausbau)Im Rheintal wurde zum Heizen und zum Kochen vor allem Torfmull herangezogen. Holz wurde zum Feuern weniger verwendet - und wenn, dann nur dasjenige von der Rheinholzerei. Dennoch war es für die Hofgenossen wichtig, dass sie im Forst Holz hauen durften. Bereits früh wurde der Ruf nach einer Regulierung laut und es wurden Förster eingesetzt. Am 17. Dezember 1426 wurde zur Beilegung der Streitigkeiten über die Nutzung von Waldungen eine Forstordnung aufgestellt [JH1878, p. 26]:
Nahrung und Grundbedürfnisse (Kochen, Schlafen, Hygiene, ...)SelbstversorgungDie Zelgenwirtschaft (auch zelgengebundener Anbau) war ein weit verbreitetes genossenschaftliches Flurverfassungssystem, bei dem Bauern ihre Ackerflächen (Zelgen) gemeinsam und einheitlich bewirtschafteten. Typisch war der Wechsel von Wintergetreide, Sommergetreide und Brache (Dreifelderwirtschaft). In Rheintal hingegen konnte diese Zelgenwirtschaft nicht beobachtet werden, obwohl hier Getreidebau betrieben wurde. Möglicherweise lag es daran, dass die Äcker zu klein und die Fluren zu verstreut lagen. Eine Rolle könnten auch unterschiedliche kulturelle Grundlagen gespielt haben (Dreizelgensysteme sind im einst churrätischen Gebiet nicht bekannt). Im Spätmittelalter wird jedoch eine mehrstufige Gras- und Weidewirtschaft erkennbar (Alpwirtschaft): Im saisonalen Turnus nutzten Viehhalter die Talweiden in Riedgebieten, die Maiensässe auf Zwischenstufen und im Sommer die Hochweiden. Bis ins 19. Jahrhundert blieben die meisten Oberrieter Selbstversorger. Sie deckten ihren Bedarf an Agrarprodukten oder Gebrauchsgegenständen selbst. Geld gab es nur, wenn etwas auf dem Markt verkauft werden konnte oder wenn ein Tier veräussert wurde. Noch in den 1970ern gab es die Kartoffelfeuer, wenn der Bauer "härdöpfelte" und das Kartoffelkraut verbrannte. Es gehörte dann dazu, dass man einige frische Kartoffeln ins Feuer legte und diese an Ort und Stelle weich briet. Schlechte Erntejahre führten schnell zu Notlagen in den einzelnen Familien. Die Leute waren darauf angewiesen, dass "man sich kannte" und sich in der Not gegenseitig aushalf. 1816/17 funktionierte selbst dies nicht mehr. In der Schweiz regnete es 1816 praktisch kontinuierlich von Mai bis September, in den Sommermonaten fiel gar Schnee bis auf 700 Meter. Vor allem die Nordostschweiz wurde sehr hart von der Hungersnot getroffen, die Getreidepreise stiegen um das 6-fache. Jeder Kanton schaute für sich («sie sperrten einander das Getreide»). Viele Menschen assen aus Verzweiflung Gras. Wenn sich in jener Zeit Menschen begrüssten, dann lautete die Frage immer: "Hast Du heute schon gegessen?". Auch heute noch existiert die Begrüssung "Gäassa?" (aber nur noch nach dem Mittagessen). Für einen Grossteil der Bevölkerung gab es 3-mal am Tag "Kafi und Ribel".
Dazu nahm man etwas Ribel (nach Belieben mit noch etwas Zucker) auf den Löffel und tauchte ihn in den Milchkaffee.
Dieser hatte am Schluss dann einige Fettaugen ("gääl vor Schmalz") und einen Ribelsatz im Beckeli.
Viele Rheintaler behaupteten, dass sie durch den
Ribel
Rezept
Für den Ribel zum Frühstück musste die Hausfrau oft vor 6 Uhr aufstehen und das am Vorabend "aabröut" Ribelmehl zu "ribla". Brot mit Butter gab es nur sonntags, Zopf nur an Neujahr. Für letzteres musste man zuerst beim Götti oder der Gotte das "Neujahr holen" (siehe 'Aktivitäten im Verlauf des Jahres'). Aufs Feld nahm man den 'Breantsack' mit. Die 'Breanta' war der Znüni / die Vesper (mit "Moscht und Brot, und villicht en Stumpe"). Die Fleisch-Versorgung basierte auf regionaler Viehhaltung. Bei den Preisen wurden immer wieder Rind- und Kalbfleisch genannt (Schweinefleisch seltener). Schweine wurden zur Verwertung von Schotte (Molke) und (Rüst-) Abfällen gehalten. Typisch waren gepökeltes Fleisch und Würste. Von den Tieren wurde alles verwertet. Trotz eher geringem Fleisch-Konsum im 19. Jh. stiegen die Schlachtgewichte und die Fleischproduktion in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem wachsenden Viehbestand an. In den ersten Jahrhunderten n. Chr. hatten Rinder eine Widerristhöhe von 104 und 120 cm und waren zwischen 200 bis maximal 350 kg schwer. Um 1800 betrug das durchschnittliche Gewicht einer Kuh noch immer nur etwa 200 bis 300 kg. Heute wiegen ausgewachsene Rinder zwischen 500 und 1000 kg (mit Widerristhöhen zwischen 1.25 m und maximal 2 m, typischerweise zwischen 1.37 bis 1.52 m). Es gab spezialisierte Metzger, aber auch Hausschlachtungen (durch Stör-Metzger) waren üblich. Am Sonntag, gab es bei Leuten, welche es sich leisten konnten, einen Braten (oft mit Kartoffelstock). Andere begnügten sich mit der Flädlisuppe, welche oft den Braten begleitete. Die Rheintaler waren jedoch in der Wahl ihrer Nahrungsmittel nicht besonders wählerisch. Da musste schon mal - wenn man Blick und Bauer Bruno D. glaubt - ein Hund oder ein Büsi herhalten um den etwas eintönigen Ribel-Speisenplan etwas aufzulockern. Weit herum war man sich einig, dass Hunde weit besser schmeckten als Katzen. Hundeschmalz galt zudem als Hausmittel gegen Lungenkrankheiten und Husten (siehe dazu auch Anektote von Selin Zäch). Der Speisezettel wurde auch ab und zu mit Froschschenkeln angereichert. Manche Kinder, welche für das Hüten der Tiere im Riet waren, sammelten Frösche und brieten sich (auf einem Schollen-Feuerchen) Froschschenkel. Marie Wüst und ihr Bruder Franz zogen immer wieder ans Kanäli um Frösche zu fangen (sie wurden daher auch die "Kröttlis" genannt). In kurzer Zeit waren damit grosse Säcke gefüllt. Marie erledigte hernach das Töten der Frösche und das Verarbeiten der Froschschenkel, die dann auch nach Basel in ein Spezialitätengeschäft spediert wurden. Marias Bruder August war mir der Anna Franziska Eschenmoser verheiratet. Deren Grossmutter Maria Magdalena Oesch aus Balgach hatte die Übernamen 'Fischers' und 'Fröschers' (ihr Vater Balthasar Oesch war Fischer und verkaufte um 1820 herum der Stadt St. Gallen Rheintaler Frösche). Nahrungsmittel, wie zum Beispiel Gemüse, wurden durch das "Einmachen" haltbar gemacht. So wurde das Sauerkraut im Herbst eingemacht und in der Stande (Fass) im Keller gelagert. Ebenso wurden Kartoffeln und Äpfel im Keller auf einer Hurde (Holzgestell) gelagert. Bohnen und Zwiebeln wurden getrocknet. Fleisch wurde geräuchert (zum Teil in der hauseigenen Räucherkammer) oder gepökelt. Käse, Butter und Milch wurden im kühlen Keller oder im Winder vor dem Küchenfenster gelagert. Most kam in den Sterilisierhafen. Aus Früchten wurde Konfitüre hergestellt. Erst später kam das Einfrieren von Früchten und Gemüsen. Dazu wurde die vorbereitete Ware in die Gemeinschaftsgefrieranlage (bei der Metzgerei Zünd im Unterdorf) gebracht. Dort konnte man ein Gefrierfach mieten. Getrunken wurde Wasser, Tee oder Most. Die Männer bekamen ihren sauren Most, der im Keller im Fass lagerte. Bananen waren mitte des 20. Jahrhunderts noch selten. Ananas gab es nur in der Stadt (Altstätten). Zu Weihnachten wurde manchmal eine "Bummmeranz" (Orange) geschenkt. Zum Heizen und zum Kochen wurde der reichlich vorhandene Torfmull herangezogen. Holz wurde zum Feuern weniger verwendet - und wenn, dann nur dasjenige von der Rheinholzerei (es gab sogar Leute, welche aus dem Rheinholz ihr ganzes Haus bauten, so zum Beispiel Emil Wüst). Das Holz der Ortsbürger wurde in der Regel "vergantet". Selbst Kinder halfen den Eltern gerne beim Rheinholzen. Wenn der Rhein Holz führts kamen diese dann oft auch nicht zur Schule. Als ein Montlinger Lehrer einmal einen Schüler fragte, warum er Tags zuvor nicht zur Schule gekommen war, sagte dieser: "Der Vater hatte gesagt, dass er ja alle Tage zur Schule gehen kann, aber der Rhein bringe nicht alle Tage Holz." Schlafen Viele Leute hatten keine Matratzen. Matratzen kamen im 13. Jahrhundert aus dem arabischen Raum (das Wort bedeutete dort 'Bodenkissen") nach Europa. Viele Menschen in unseren Gefilden mussten jedoch weiterhin auf Stofflumpen oder dünnen Matten auf hartem Boden schlafen. Die Betten (vor allem der Kinder) waren oft einfache Bretterrahmen am Boden, in welche Laubsäcke gelegt wurden. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts gab es im Spätherbst in den Schule 2 bis 3 Tage 'Laubferien'. Wenn der Föhn ging gingen dann die ärmeren Familien in den Wald um frische Blätter für die Laubsäcke zu sammeln. Gemäss Johanna Wüst Giger gaben die Laubsäcke schön warm und waren bequemer als Matratzen. Über die Laubsäcke kam ein Leintuch und darüber evtl. noch ein Über-Leintuch und zumindest eine Decke und ein Kopfkissen (mit Federn) - zumal die meisten damals nackt schliefen. Essgewohnheiten und Tischmanieren Im Gegensatz zu adligen oder geistlichen Kreisen oder den Höfen, wo Tischmanieren bereits früh dokumentiert wurden ('Disciplina clericalis' des Petrus Alphonsus, 'Ein Tischzucht' von Hans Sachs, etc.), waren auf dem Lande etwas hemdsärmligere Sitten üblich. Dennoch hatten Tischtücher lange nicht den dekorativen Charakter von heute, sondern wurden zum Abwischen der Finger, für das Putzen der Nase und die Reinigung von Teller und Löffeln (und zuletzt des Tisches) verwendet. Teller kamen im 17. / 18. Jh. zunehmend auf (man musste sich diese auch leisten können). Diese Gegenstände genossen besondere Aufmerksamkeit und wurden auf einem Tellergestell ordentlich ausgestellt. Im 18. Jh. kam in Europa das Porzellan auf. Die Tische hatten im 18. / 19. Jh. auf dem Lande - besonders in holzreichen Gebieten wie im Wallis oder im Tessin - noch zum Teil eingearbeitete Mulden in Tellergrösse, in welchen flüssige und breiartige Speisen serviert wurden (sog. "Suppentische"). Suppen und Gemüse wurden oft aus einer gemeinsamen Schüssel gegessen. Kindern war das Sprechen während des Essens untersagt. Der Entlebucher Alfred Vetter (* 1863 - † 10. Mai 1938 in Ragaz, ⚭ 1889 Elisabeth Hasler, Herausgeber "Der Rheinthaler") schreibt in seiner 'Chronik von Altstätten und Umgebung' dass um 1770 noch die Sitte bestand, dass Bräute auf ihrem Gang in die Kirche zum Traualtar an der Seite ein Messer, einen Löffel und eine Gabel als Symbole ihrer künftigen Wirksamkeit trugen. Früher (seit etwa dem 14. Jh.) brachten Gäste ihr eigenes Besteck mit (dieses hiess so, weil es am Gürtel oder auf dem Sims an der Wand "aufgesteckt" war). Ursprünglich bestand das Besteck nur aus einem Messer. Anstelle der Gabel wurden die Finger (Daumen bis Mittelfinger) verwendet. Als später die 2- (ab 11. Jh. in Italien), danach 3- und zuletzt 4-zinkige Gabel Einzug hielt, musste diese mit drei Fingern gehalten werden. Begüterte Leute in Europa benutzten die Gabel ab dem 15. Jh, weite Verbreitung fand sie im 18. Jh. Diese langsame Entwicklung lag darin begründet, weil die Kirche sagte: "Nur die Finger sind würdig, die Gaben des Schöpfers zu berühren." Der Löffel kam erst später dazu und gehörte in der Regel zur Hausausstattung (und wurde also nicht mitgebracht, sondern war an der Wand angebracht). An manchen Orten war innerhalb eines Haushalts der Löffel ein persönlicher Gegenstand, welcher erst mit dem Tod "abgegeben" wurde. Ribel und Rösti wurden im Rheintal noch lange aus einer gemeinsamen Schüssel gegessen, wenn auch nicht mehr mit den Fingern, sondern mit Besteck (typischerweise mit dem Löffel). Zinn- und Holzbecher waren lange verbreiteter als die fragilen Gläser. Most wurde bis ins 20. Jh. in Holzfässern gekeltert. Danach wurde er in hölzernen Gefässen ("Büttarig": Holzfässchen mit 3 bis 5 l Inhalt) auf den Tisch (Museum Oberriet) oder (in geschlossenen Gefässen) aufs Feld gebracht und aus Holzbechern getrunken. (Im 16. Jh. wurde den Luzerner Wirten verordnet, dass die Krüge einmal pro Woche gewaschen werden mussten.) Wein wurde aus Zinnbechern getrunken. Auch diese wurden nach dem Gebrauch weitergereicht (ohne zwingenden Abwasch). Hygiene In der Antike bin ins Mittelalter wurden dem Wasser reinigende und heilende Wirkung zuschrieben. Mittelalterliche Burgen und Schlösser waren mit sanitären Anlagen ausgestattet und das Baden und Waschen mit Wasser war üblich. In der Frühen Neuzeit geriet die Körperpflege jedoch allmählich in Verruf. In den Badestuben wurde nicht nur gebadet, weshalb es auch zu Ansteckungen mit Geschlechtskrankheiten kam. Für die Krankheitsübertragung wurde das Wasser verantwortlich gemacht. Besonders in Zeiten der Pest galt Waschen mit Wasser als bedrohlich. So meinte Théophraste Renaudot (1586–1653), ein französischer Arzt und Philanthrop: « Das Baden ist, ausser aus dringenden medizinischen Gründen, nicht nur überflüssig, sondern auch sehr schädlich für die Menschen. Das Baden hat eine zerstörerische Wirkung auf den Körper und macht ihn durch das eindringende Wasser für die Einwirkung der schlechten Eigenschaften der Luft empfänglich. » Ohne nachfolgende Vorsichtsmassnahmen wie Bettruhe und das Tragen warmer Kleidung war es im 17. Jahrhundert unvorstellbar, ein Bad zu nehmen. Anstatt den Körper zu waschen, zog man es ab dem 16. Jahrhundert vor, sich mit sauberen Tüchern trocken abzureiben (frz.: 'Toilette') und zu parfümieren. Haare wurden zum Teil gepudert statt gewaschen. Dies hatte zur Folge, dass in der Frühen Neuzeit die Kleider zweimal pro Woche gewechselt wurden. Im Mittelalter war es üblich, das Hemd einmal monatlich zu wechseln. In Oberriet war noch Mitte des 20. Jh. der Montag oft der Waschtag, und da die meisten einfachen Leute nur ein Set Alltagskleider (und ein Sonntags-"Häss") hatten ... Gewisse Berufe, wie zum Beispiel 'Friseur' / 'Balbier' hatten in Oberriet keine Chance. Für Männer gab es jedoch freiwillige (Männer), welche als "inoffizielle" Bartschere fungierten. Die Haarpflege der Kinder war Sache der Eltern. Am Samstagabend oder Sonntagmittag mussten die Buben jeweils beim Vater in der Stube zum Haarschneiden "antraben". Neue medizinische Erkenntnisse über die Ausbreitung von Epidemien wie Cholera und Typhus führten im 19. Jahrhundert zur Entwicklung der zentralen Wasserversorgung und der Kanalisation. Die Verbreitung von privaten sanitären Einrichtungen wie Toiletten, Badezimmern und Duschen um die Wende zum 20. Jahrhundert liessen den Wasserverbrauch ansteigen. In Oberriet hatten viele Haushalte bis anfangs 20. Jh. noch kein eigentliches Badezimmer (in dieser Zeit badete man in der Waschküche im Waschzuber). Dr. Joseph Savary wusste von zwei Häusern mit Badezimmer in Montlingen (seine Tante und er hatten eines). Auch Waschmaschinen für die Wäsche waren bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Oberrieter Haushalten nur selten anzutreffen (siehe Kleidung). GeschäfteEs gab in Oberriet zwar Handwerker, aber diese waren - verglichen mit den Bauern - eher dünn gesät. Überhaupt war nicht viel Geld im Umlauf (siehe Geldwirtschaft → 'Bezahlung mit Eiern'). Im 19. bis Mitte 20. Jh. wurden alltägliche Produkte nur gekauft wenn man sie unbedingt brauchte (man ging nicht "einfach so" in einen Laden). D.h., die Leute (oftmals die Kinder mit einem Einkaufs-"Zädali") gingen fast täglich einkaufen ("in Lada goa"; den Begriff "iikoofa" gab es ursprünglich nicht). Dazu standen ursprünglich mehrere Bäckereien und Metzgereien (beim Metzger gab es für die Kinder oft ein "Räädli") zur Verfügung. Später hielten Läden wie z.B. 'Gemischtwarenläden' oder der 'Konsum' Einzug (im Konsum erhielten die Kinder einen "Bolla", im Usego ein "Kröömli"). Spezialisierte Geschäfte konnten sich jedoch aufgrund ihrer Qualität und ihres Services noch lange behaupten. Der Ellenwarenladen von Paul Klaiber (aus Gauselfingen, Schwäbische Alb - seit 20. Januar 1834 mit Magdalena Ruppaner verheiratet), hingegen, zog Ende 1840 nach Altstätten ab [Der Wahrheitsfreund, 30. Oktober 1840]. In Oberriet wurde ab dann nur noch ein Filialgeschäft geführt. Für Photographien musste man lange Zeit nach Altstätten gehen.
In der Anfangsphase, gab es ledoch auch dort nur "Wanderfotografen", welche für einige Tage in der Stadt blieben.
Die Photographistin [!]
Katharina Lentsch
Bild 1: Feiltragerei Keel-Fleisch. Bilder 2 (StASG ZMA 18/03.10-03) und 3: Kaffeehalle und Handlung A. Stroppa-Beglinger. Bild 4: Geschäft von Johann Schneider im Kirchdorf (Quelle: 'Unser Rheintal 2014, p. 101'). Bild 5: Dorfmetzgerei Pfäffli im Bau (Quelle: 'Unser Rheintal 2014, p. 101'). Im Buck gab (und gibt) es den Beck Schegg, an der Hauptstrasse den Quartierladen Künzler (dieser schloss um 2013 herum seine Türen) und den Konsum (welcher von drei Schwestern geführt wurde). Es gab den Beck Friedli und das Merceriewarengeschäft Rohr. Ernst Zäch führte (ab etwa 1913) ein Möbelgeschäft (für Aussteuern) und eine Tankstelle mit einem kleinen Kiosk. Im Geschäft, in welchem sich heute die Papeterie Rita befindet, befand sich ein Fotogeschäft (Photo-Atelier 'Schneider-Kalmar'). Etwas weiter befand sich die Dorfmetzgerei Pfäffli (siehe Bild oben). Ob es sich bei Frau Zeller (siehe Anzeige unten aus dem Jahr 1939) um eine weitere Metzgerei handelte oder ob Frau Pfäffli einfach dort arbeitete (oder nur im selben Haus lebte) ist nicht klar. Roman Kretz kam 1960 als Metzger nach Oberriet (Thurgauer Zeitung, Band 164, Nummer 46, 23. Februar 1962 Ausgabe 03) und übernahm die Metzgerei (1972 gab es im Ort drei Metzgereien: Zünd, Baumgartner und Kretz). Das Gebäude wurde im Jahre 2011 abgerissen und machte der Migros Platz. Quelle: Thurgauer Zeitung, Band 141, Nummer 122, 26. Mai 1939 Ausgabe 02 - man beachte, dass eine protestantische Tochter gesucht wurde! Ferner gab es die Milchsammelstelle, wo sich die Bewohner mit Milch eindecken konnten. Die Milch holte man direkt beim Bauern, in der Milchsammelstelle, oder aber der Milchmann brachte sie. Er nahm das 'Milchkessi', welches vor die Haustüre gestellt wurde, und füllte die frische Milch ab (diese war weder pasteurisiert noch homogenisiert). Die bestellte Menge Milch (ggf. zusammen mit der Butter und dem Käse) wurde im Milchbüechli nachgetragen und musste am Ende des Monats bezahlt werden. Frischmilch wurde nur gekocht getrunken (nachdem der Rahm abgeschöpft und zu Butter geschlagen wurde). Im Kirchdorf befand sich das Geschäft ('Bazar und Consum') von Johann Schneider (siehe Bild oben). Bazars und Kolonialwarenläden waren damals üblich (sie boten denn auch Produkte aus Kolonialländern an). In Eichenwies (gemäss anderen Quellen im Oberdorf) befand sich an der Staatsstrasse 117 um 1910 herum die Feiltragerei Keel-Fleisch (siehe Bild oben). Feilträger waren üblicherweise Händler; sie hatten oft mit dem Handel von Garn und Rohleinwand zu tun. Die Familie Fleisch wurde 1906 in Oberriet eingebürgert. Sie stammte ursprünglich aus Österreich. 1922 wurde ein weiterer Betrieb der Familie Keel-Fleisch, eine Möbelhandlung im Oberdorf gegenüber dem Kreuz, liquidiert [Appenzeller Volksfreund, Nummer 62, 24. Mai 1922]. Die Tochter Rosa Keel heiratete den Ernst Zäch. Diese betrieben die Möbelhandlung 1930. Ebenfalls im Oberdorf dürfte sich die Kaffeehalle und Handlung A. Stroppa-Beglinger befunden haben (siehe Bild oben). Der Händler Antonio Stroppa (von Assunzione di Maria Santissima, Telve, Trento) und die Berta Beglinger von Salez-Sennwald (17. April 1874 in Salez, Sennwald - † 10. April 1928 in Eichberg) hatten eine Tochter 'Berta'. Diese wurde am 6. August 1904 in Oberriet Oberdorf geboren. Die Witwe Stroppa-Beglinger hatte bei der Total-Steuerrevision 1926 ein Vermögen von 5000 Franken und ein Einkommen von 0 Franken. Zu diesem Zeitpunkt war die Kaffeehalle also wohl bereits nicht mehr in Betrieb. Im Unterdorf war die Metzgerei Zünd. Fritz Zünd übernahm 1920 die Metzgerei an der heutigen Staatsstrasse 162 von Gottlieb Gächter. Zu Zeiten, als es noch keine Kühlschränke gab, konnte man dort in der "Gemeinschaftsgefrieranlage" ein kleineres oder grösseres Gefrierfach mieten. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Fritz die Metzgerei 1949 in Pacht, vier Jahre später als Käufer. Lukas Zünd übernahm dann die Metzgerei Mitte der 1980er-Jahre. Die letzte Metzgerei in Oberriet schloss per Ende März 2019 ihre Türen. Das "Modezentrum" befand sich in Altstätten. Dort gab es eine ganze Reihe von Modefachgeschäften. In späterer Zeit wurden die täglichen Einkäufe beim lokalen Spezialisten durch Wocheneinkäufe im Supermarkt (oder gar "ennet der Grenze") ersetzt. GeldwirtschaftDer Schweizer Franken wurde 1850 eingeführt. Bis dahin gab es eine Vielzahl von Münzen und Parallelwährungen. Siehe dazu 'Alte Währungen'. Diese wurden auch - parallel zum Franken - noch eine ganze Weile weiter zu Zahlungszwecken akzeptiert. In den ersten 50 Jahren seiner Existenz was der Schweizer Franken das häufig schwächelnde Anhängsel des französischen Francs. Erst mit der Gründung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Jahr 1907 begann der Aufstieg zu einer starken Währung. In Oberriet kam es im 19. Jahrhundert zu einer eher zögerlichen Industrialisierung. Der Steinbruch im Kobel (später in Montlingen), die Ziegelhütten, die Torfstecherei mit der Torfstreufabrik kamen auf. Ein Aufschwung kam dann erst eigentlich erst anfangs des 20. Jahrhunderts mit der Firma Jansen in Oberriet und mit der 'Viscose' («Société de la Viscose Suisse») in Widnau. Umgekehrt brachen in dieser Zeit auch gewisse Erwerbszweige (z.B. die Stickerei) wieder weg, was zu einer grossen Arbeitslosigkeit führte. Oft wurden Kinder als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Erst im Bundesgesez betreffend die Arbeit in den Fabriken vom 23. März 1877 wurde im Kapitel 2 (Seite 490) die Beschäftigung von Frauen in Fabriken und in Kapitel 3 (Seite 491) die Beschäftigung von minderjährigen Arbeitern in Fabriken geregelt. Art. 16. besagte, dass Kinder, welche das vierzehnte Altersjahr noch nicht zurückgelegt haben, nicht zur Arbeit in Fabriken verwendet werden dürfen. Für Kinder zwischen dem angetretenen fünfzehnten bis und mit dem vollendeten sechszehnten Jahre sollten der Schul- und Religionsunterricht und die Arbeit in der Fabrik zusammen elf Stunden pro Tag nicht übersteigen. Trotz dieses Gesetzes wurden Kinder weiterhin eingespannt, sei es für Heimarbeit oder in der Landwirtschaft. Auch Verding- und Heimkinder wurden (weg von ihren Familien) zur Arbeit gezwungen (siehe auch 'Schwabenkinder'). In der Stickerei war das Fädeln Kinder- oder Frauenarbeit (das eigentliche Sticken hingegen Männersache). "Fädlikinder" hatten oft keine Zeit zum Spielen, ja nicht einmal um Schularbeiten zu machen! Ab und zu wurde Kinderarbeit kontrolliert, wobei sich diese Nachricht schnell unter den Stickern verbreitete. An jenen Tagen wurden die Kinder dann weggeschickt bis der Kontrolleur wieder weg war. Bis etwa in die Mitte des 20. Jh. blieb Kinderarbeit weit verbreitet. Die Löhne waren klein. Johanna Wüst Giger verdiente 1915 in der Stickerei-Fabrik 18 Rappen in der Stunde, 1917 als Gemüsegärtnerin 30 Rappen (3 Franken pro Tag bei 10 Stunden Arbeitszeit). Die Bauern versorgten sich noch weitestgehend selbst, aber die Arbeiter waren nur zum Teil noch Selbstversorger. Sie wurden zu Lohnempfängern und waren darauf angewiesen, mit dem Geld ihren täglichen Bedarf zuzukaufen. Es brauchte also Läden. Im ersten Weltkrieg war der Handel mit dem Ausland stark eingeschränkt. So wurde zum Beispiel der Wein kontingentiert, da die Einfuhr aus dem Tirol oder aus Frankreich gesperrt wurde (mit der Begründung, dass diese Staaten den Wein für ihre Truppen brauchten). Selbst der Handel zwischen den Kantonen unterlag Restriktionen. Eine Zeit lang durften weder Kartoffeln noch Maismehl in den Kanton Appenzell verkauft werden. Nach dem ersten Weltkrieg führte eine grosse Arbeitslosigkeit zu weitreichenden Verdienstausfällen. Zudem brach am 12. November 1918 der Generalstreik aus. Die Eisenbahnzüge verkehrten nicht mehr, und das Militär wurde aufgeboten, um Ruhe und Ordnung in der Schweiz wieder herzustellen. Die Inflation in Deutschland und Österreich hatte riesige Auswirkungen. In Österreich sank der Kurs der Krone von 1.05 Franken auf etwa 1 Rappen. In Deutschland sank der Wert der Mark von 1.25 Franken auf nahezu 0. Marie Savary-Kobler betrieb ab den 1920er-Jahren einen Spezereiladen in Montlingen. In Montlingen gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerade mal drei Läden: die Savary, der Konsum Konkordia und der Laden im Kreuz. Viele konnten im Dorfladen nicht mit Geld bezahlen, sondern zahlten zum Beispiel mit Eiern. Von da kam der Ausspruch (vor allem von Kindern, welche etwas holen mussten, aber kein Geld dabei hatten): "die Mutter kommt dann mit den Eiern vorbei". In dieser Zeit musste auch viel "aufgeschrieben" werden. Spätestens mit dem Aufkommen der Elektrizität und der Wasserversorgung war es mit der Bezahlung in Naturalien vorbei. Dies mag auch mit ein Grund gewesen sein, weshalb einige Haushalte bis nach Mitte den 20. Jahrhunderts noch ohne Strom und fliessend Wasser waren. Jakob Lüchinger (der "Eier-Lüchinger") - ein Onkel von Marie Savary-Kobler - wurde in Basel sehr reich, zeigte sich aber mit Oberriet (und vor allem mit Montlingen) weiterhin sehr verbunden. Er bot armen Montlingern an, dass sie in Savary's Laden für 30 bis 50 Franken im Monat (auf seine Kosten) Ware holen können. Bäckereien gab es in Oberriet und den verbundenen Dörfern einige. Metzgereien hatte es in Montlingen keine. Aber es gab zwei Ablagen. Die eine war vom Metzger Ritter in Altstätten (heute an der Ringgasse 19) - der hausierte mit seinem Rosswagen und bot Wurstwaren feil. Die zweite war von Metzger Fritz Zünd von Oberriet (dieser hatte die Metzgerei 1920 von Gottlieb Gächter übernommen). Zusätzlich gab es Lüchinger-Familien ("die Kröttlis"), welche pro Tag im Riet und später in den Kanälen bis zu 100 Frösche sammelten und Froschschenkel verkauften (siehe oben). KleidungEinfache Kleidung wurde selbst gefertigt. Schönere Kleidung, so wie zum Beispiel das "Sonntags-Häss" wurden beim Schneider massgefertigt. Kleider wurde nicht weggeworfen, sondern ausgebessert, "nachgetragen" und notfalls umgearbeitet. Das heisst, meist erhielten nur die älteren Geschwister neue Kleider, welche später von den jüngeren ausgetragen wurden. Oberrieter Frauen waren daher gewandt mit Nadel und Faden. Max Kriemler (1922-2017) aus St. Gallen, der Ehemann von Alice Kriemler-Schoch (Gründerin der 'Akris'), wurde bei den Kriessener Frauen fündig. Im Juli 1946 wurde das Büdeli in Kriessern gegründet. Viele hatten nur eine einzige Garnitur Wäsche. Diese wurde vor einer Föhnnacht gewaschen und dann morgens wieder angezogen. Eine "grosse Wäsche" konnte zwei Tage dauern. Am Vortag wurde eingeweicht (farbige und weisse Wäsche separat) - es gab damals nur Baumwoll- und Leinenwäsche (aus Flachs). Am zweiten Tag wurde gewaschen. Bis Mitte des 20. Jh. wurde typischerweise mit dem Waschbrett gewaschen (am Brunnen oder am Bach / im Kanal). Zuvor musste die Wäsche auf Felsen, grosse Steine oder ein einfaches Holzbrett geschlagen, mit Sand oder Kies abgeschrubbt und durch Ausstampfen oder mit Schlaghölzern bearbeitet werden. Im Mittelalter wurde - wie schon zu römischen Zeiten - Wäsche mit menschlichem Urin ("Kammerlauge") gewaschen, weil er Ammoniak als wirksame Reinigungssubstanz enthält (dieser entfernte Fett und eignete sich zum Bleichen vergilbender Stoffe). Erst mitte des 19. Jh. standen Seifen und Waschmittel aller Art für die Wäsche zur Verfügung. Für das Waschen wurden grosse Fässer eingesetzt, in denen so lange (Stunden!) im Wasser mit nackten Füssen auf der Wäsche herumgestampft wurde, bis sie sauber war. Quelle: Museum Rothus. Das Waschbrett entstand zuerst als geriffeltes Holzbrett (17. Jh. als 'Rumpel'), im 20. Jh. aus geriffeltem Metall mit Holzrahmen (das erste bekannte Patent für ein Metallwaschbrett aus 'Zinn, Blecheisen, Kupfer oder Zink' wurde 1833 in Manlius, USA von Stephen Rust angemeldet). Die Mundart kennt folgende Begriffe (D = Diepoldsau; M = Montlingen; L = Lustenau; W = Widnau):
Gemäss Tondokument von Marlies Pinardi-Loher (1936 - † 2015) hatte sie in der Schule Montlingen am Donnerstag jeweils frei. Da gab ihr die Mutter ein Geschirr Wäsche, so dass diese im "Kanäli" gewaschen werden konnte (auch im Winter!). Dort musste die Wäsche geschwenkt werden bis die "Soapfe" weg war. Noch mitte des 20. Jh. war der Montag oft der Waschtag (Waschmaschinen waren äusserst rar). Dr. Joseph Savary war einer der ersten Bürger in Montlingen, welcher eine Waschmachine und eine wasserbetriebene Ausschwingmaschine hatte (siehe dazu auch 'Moderne Wasserversorgung'). Am Dienstag wurde gebügelt und geflickt. Das Flicken war bei den grösseren Familien eine aufwändige Arbeit und geschah noch oft von Hand oder mittels einer Tretnähmaschine. Reichere Familien hatten eine versenkbare Nähmaschine, welche meist als Schmuckstück in der Stube stand. Lederschuhe trugen sonntags nur die "Grossen".
Die Schüler waren mit "Knospen" (Oberrieter Dialekt: "Knoschpla" / "Knoschpa") ausgestattet.
Es handelt sich dabei um Schuhe, die aus Naturprodukten hergestellt werden, vorwiegend aus Leder und Holz, oder wie in Oberriet eben nur aus Holz.
Bessere Damen trugen
"Knöpflischuhe",
Im Dorf gab es einige Schuhmacher, darunter auch Schuhmacher, welche "Knospen" anfertigten. Kinder liefen im Sommer meist barfuss herum, im Winter aber trugen sie Holzschuhe ("Holzböden") - etwas anders gab es nicht. Die Schuhmacher machte im Herbst jeweils "frische Böden drauf". Joseph Lüchinger (1783-1850) und sein gleichnamiger Sohn in Montlingen oder Kaspar Thurnherr (1819-1893) in Oberriet waren solche Holzschuhmacher. Diese Schuhe wurden bis weit ins 20. Jahrhundert getragen. Jakob Lüchinger zahlte armen Erstkommunikanten in Montlingen über viele Jahre das "erste Häss". Bei der Erstkommunion bekam man das erste schöne Gewand verpasst. NewsUrsprünglich gab es einen offiziellen Gemeinde-Ausrufer. Dieser schritt bei wichtigen Kundmachungen durch das Dorf und kündigte mit lautem Trommelschlag seine Anwesenheit an. An definierten Stellen folgten dann die "Bekanntmachung ...!". Diese Mitteilungen wurden danach auch an zentraler Stelle im Dorf in Anschlagkästen aufgehängt (in Kriessern war dies beim Adler). Dort waren auch die Verfügungen des Militärs, der Feuerwehr, Luftwache, Wasserwehr und für Frondienste ersichtlich. Über das Weltgeschehen orientierten auswärtige Besuche, Reisende, Marktfahrer. Die Neuigkeiten verbreiteten sich danach meist wie ein Lauffeuer durch das Dorf. Mit dem Aufkommen von Druckerzeugnissen schwand die Bedeutung der Gemeinde-Ausrufer. St. Galler Zeitungen für generelle Nachrichten:
Post, Telefon, TelegrafieBereits in alten Zeiten wurden Briefe und Zeitungen mit einem Kurierdienst ausgeliefert. Der 'Feldkircher Bott' und 1828 auch die 'Eilpost von Zürich' benutzten dazu ursprünglich das Fahr Blatten. Die Eilpost erreichte nach 95 Stunden Wien. Als 1848 der Schweizerische Bundesstaat entstand, bestand bereits seit Jahrhunderten ein dezentrales Postsystem. Um 1840 gab es 17 verschiedene Postverwaltungen auf dem Gebiet der Schweiz (was den Service langsam und teuer machte). Mit dem neuen Bundesstaat sollte sich das ändern, denn in der Bundesverfassung wurde das Postwesen zur Zuständigkeit des Bundes erklärt. 1849 wurde im Bundesgesetz über die Organisation der Postverwaltung die Post in elf Postkreise mit je eigener Direktion eingeteilt. Ihre Aufgaben: der Transport von Briefen und Paketen sowie der Personentransport mit der Postkutsche. Die Einführung der beiden Pferdepostkurse St. Gallen-Rorschach-Oberriet-Chur mit Anschluss von Zürich her und die Linie St. Gallen-Rorschach-Oberriet-Feldkirch mit Verbindung nach Wien brachten ab 1849 Oberriet wieder etwas Handel und Verkehr. Die drei Susten (die wichtigste war am Marktplatz beim Adler) wurden rege genutzt. Für die Kutsche von und nach Feldkirch war die Schifffahrtsgesellschaft Oberriet zuständig. Leider zählte die Fähre beim Blattenberg in jener Zeit zu den unpünktlichsten auf der ganzen Rheinstrecke bis zum Bodensee. Kriessern hatte bereits zur Zeit der Kantonalpost einen Ablagehalter (Benedikt Hutter). Die Zustellung der Post erfolgte dreimal wöchentlich von Oberriet aus. Seinem 1874 gewählten Nachfolger Wilhelm Kuster (Quelle: 'Unser Rheintal 1977' p. 101) wurde 1906 auch der Briefträgerdienst übertragen (er "amtete" im Adler). Ende 1851 stimmte das Parlament dem vom Bundesrat vorgelegten Telegrafengesetz zu, das die Telegrafie wie zuvor die Post zur Bundessache erklärte. 1852 wurde das erste Telegrafennetz eröffnet (34 Telegrafenbüros, ausgerüstet mit Morse-Telegraphen), und der Aufbau erfolgte rasch, obwohl anfänglich Masten und Isolatoren Schwachstellen aufwiesen. Ende 1853 waren bereits 70 Ortschaften ans das Telegrafennetz angeschlossen. In Zeiten, als noch keine Telegrafieverbindungen existieren (und daher keine "Zeitsynchronisation" möglich war), gab es Lokalzeiten. Die Lokalzeit von St. Gallen unterschied sich dabei von jener in Genf um etwa 14 Minuten. Für das Telegrafen- und für das Eisenbahnwesen, das sich in jener Zeit rasch entwickelte, war das eine Herausforderung. Wer mit der Bahn ab oder über Genf reiste, musste beispielweise stets drei Zeiten im Blick haben: Die Genfer Lokalzeit, die Berner Zeit, nach denen sich die die Schweizer Züge richteten, und die Pariser Zeit. An der zentralen Tour de l’Ile in Genf gab es deshalb, für alle gut sichtbar, gleich drei Uhren: Pariser Zeit, Genfer Zeit, Berner Zeit. Die Nachbarstaaten der Schweiz stellten am 1. April 1892 auf die gemeinsame mitteleuropäische Zeit um. In der Folge äussert der Bundesrat in einem Bericht an das Parlament vom 17. Juni des gleichen Jahres die Ansicht, «dass die Verhältnisse es nicht gestatten, aus der Schweiz eine Insel zu machen im wogenden Meere des Verkehrs». Seit 1. Juni 1894 richtet sich auch die Schweiz nach der mitteleuropäischen Zeit (zumindest für die Eisenbahn, die Post- und Telegrafenämter). Postbüros (Quelle: Poststellenchronik 1849-2017):
KT = Kanton, PK = Postkreis / Kreispostdirektion resp. Art der Ablage (z.B. Ag = Agentur). 1895 wurde in Oberriet eine Telefonstation eingeführt. Auf der Post wurde manuell gestöpselt: wenn ein Abonnent anrief fiel eine Klappe und die bedienende Person fragte dann nach der Nummer, welche dann mittels Stöpsel verbunden wurde. Sobald das Gespräch beendet war fiel wieder eine Klappe und die Verbindung wurde manuell unterbrochen. Herr Waker hielt die Anlage instand. Auch die Telefonie wurde anfänglich etwas misstrauisch aufgenommen: man sagte, dass wenn so etwas komme, dann könne man sich ja gleich nach Pfäfers (in die Anstalt St. Pirminsberg) einweisen lassen. 1912 wurde in Kriessern im Adler das erste Postbüro eingerichtet. Eine Pferdepost besorgte nun täglich zweimal die Verbindung mit Altstätten. Bis dahin mussten die Briefträger (Altstätter Bote) die Kriessnerpost zu Fuss übermitteln. Die erste Pferdepost führte der Sternenwirt Albert Sieber (siehe auch unten unter 'Restaurant Sternen'), währenddem Heribert Hutter den Postdienst besorgte. Abfahrt der Pferdepost nach Altstätten 1929. Quelle: Unser Rheintal 1980, p. 87. 1924 stieg die Ablage zum Postbüro auf. Heribert Hutter junior übernahm 1933 (gemäss 'Unser Rheintal 1977' als Nachfolger seines Vaters) den Postdienst. Quelle: [WL1979] p. 91. 1938 löste Heribert junior den Pferdepostbetrieb (nach Albert Sieber besorgte diesen Adolf Hutter) durch seinen Privatauto-Postdienst ab. 1962 übernahm der Posthalter Franz Köppel die Stelle. Das Posthalterbureau Kriessern wurde am 1. Juni 1964 eröffnet. Die Telefonie fasste in Montlingen nur langsam Fuss. Gemäss Dr. Josef Savary gab es ende der 1940er-Jahre vielleicht 3 Telefone in Montlingen. Eins war im Kreuz (dieses war das erste), "oas han mör gha" (man rief den Arzt an um etwas auszurichten, die Buben "trugen dann die Berichte aus") und danach noch eines auf der Post (welche zuvor im Kreuz war). Der Pfarrer hatte noch kein Telefon. Das Postbüro Oberriet wurde am 21. April 1969 eröffnet. Ab 1967 amtete Rudolf Loher als Posthalter. Als zwei Jahre später das Postbüro der neuen Telefonzentrale weichen musste, zog die Post näher ins Dorf. 1999 stellten Post und Swisscom den telegrafischen Inlanddienst ein. MedizinDer Aberglaube war in Oberriet allgegenwärtig. In der Regel wurden bei Krankheiten "Hausmittelchen" verwendet. Die ersten Ärzte (wie zum Beispiel der "Heiler im Hischensprung") waren mehr Zauberer und Hexer als wirkliche Mediziner. An Hebammenlöhnen wurden 1882 ausbezahlt:
1882 waren als Leichenschauer tätig: Johann Thurnherr, Josef Loher und August Benz. Sie erhielten je 172.50 Franken für ihr Amt. Heute wird diese Aufgabe durch den Arzt wahrgenommen. Ärzte:
Typische Krankheiten: Pellagra Wer sich nur von Mais ernährte, geriet in Gefahr an Pellagra ("pella agra" = "rauhe Haut") zu erkranken. Pellagra ist eine Erkrankung, die durch Mangel an Nicotinsäure, einem Vitamin aus dem B-Komplex, ausgelöst wird. In den Ursprungsländern des Maises wurde dieser zum Verzehr alkalisch verarbeitet (Nixtamalisation durch Zufügen von Asche / Kalk), wodurch die Nicotinsäure durch den Körper verwertbar wird. Dieses Wissen um die richtige Zubereitung des Maises war leider nicht bis Europa gelangt. Kropf (Vergrösserung der Schilddrüse) Kropfleiden waren in früheren Jahren im Rheintal, im Toggenburg und in beiden Appenzell weit verbreitet. Nicht von ungefähr wurden diese Leute abschätzig als "Kropfli" bezeichnet (siehe 'Humor'). Noch in den Sechziger und frühen Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts waren im täglichen Umgang viele Menschen mit einem Kropf zu sehen (einer sichtbaren, manchmal sogar kiloschweren Vergrösserung der Schilddrüse, die als grosse Wucherung unter der Haut grosse Beschwerden hervorrief). Im Frühling 1922 setzte Ausserrhoden - auf Anraten des Grabser Arztes Hans Eggenberger (1881-1946) - als erster Schweizer Kanton die Jodierung des Kochsalzes durch und sorgte für Abhilfe. Weil im Rheinsalz Jod in zu geringen Mengen vorhanden war, schlug Hans Eggenberger vor, dem Salz der Rheinsalinen zehn Milligramm Kaliumjodid pro Kilogramm beizugeben. Der Erfolg gab Hans Eggenberger recht; Kropfleiden sowie weitere, teilweise ebenfalls durch Jodmangel mitverursachte Erkrankungen wie Kretinismus (Schwachsinn), Kleinwuchs und Gehörlosigkeit gingen markant zurück. Pflichten für die AllgemeinheitMilitärdienstHistorisch oblag das Wehrwesen in der Schweiz den einzelnen Orten und Kantonen (so auch im Rheintal). Eine fest organisierte Armee existiert erst seit der Helvetik (1798-1803). In den Jahrzehnten nach 1798 war der Aufbau einer eidgenössischen Armee eine der zentralen politischen Aufgaben des Landes. 1815 anerkannten die europäischen Grossmächte Neutralität und Unabhängigkeit des schweizerischen Staatenbundes. Bis ins 19. Jahrhundert verdienten viele Schweizer Männer ihr Brot als Krieger in fremden Diensten. Diese Soldaten nannte man Söldner oder Reisläufer. Solche Soldaten verdienten etwa das doppelte eines normalen Arbeiters. In den Annuarien / Jahrzeitbüchern findet sich denn auch oft Wendungen wie 'in der Frömde / in frömd Land gestorben'. Erst der junge Bundesstaat (1848) gebot dem Söldnerwesen Einhalt (Schweizer dienten aber weiterhin im Ausland – etwa in der Schweizergarde des Papstes, in der französischen Fremdenlegion oder als Spanienkämpfer). Die Militärdienstpflicht in der Schweiz wurde mit der Gründung des Bundesstaates 1848 eingeführt. Jedoch erst seit 1874 ist die Wehrpflicht bundesweit einheitlich geregelt. Heute sind Schweizer Männer grundsätzlich militärdienstpflichtig, können aber alternativ auch Zivildienst leisten. Die Organisation der Militärpflicht im Rheintal ab dem 17. Jh. wird unter 'Strukturen' erklärt. FeuerwehrdienstDie Geschichte der Schweizer Feuerwehr reicht von mittelalterlichen Brandwachen ("Wachten") bis zu modernen Berufsfeuerwehren, mit einem wichtigen Meilenstein im Jahr 1870 durch die Gründung des Schweizerischen Feuerwehrvereins. Frühe Organisationen basierten auf der Wehrpflicht von Bürgern. Die Feuerwehrausrüstung, die sich analog derjenigen für den Wacht- und Kriegsdienst aus persönlichen und kommunalen Teilen zusammensetzte, ist aus den Feuerordnungen Die Feuerlöschordnung oder Feuerordnung war in der Zeit nach dem Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein kommunales Gesetz, oft auch gekoppelt an eine Polizeiordnung. Dieses regelte das Verhalten eines jeden Bürgers zur Brandprävention und im Brandfall. bekannt. Zur persönlichen Ausrüstung jedes Feuerwehrpflichtigen zählte der lederne Feuereimer. Zum Korpsmaterial gehörten Feuerhaken und Feuerleitern, Seile, Äxte und zusätzliche Eimer. Im 16. Jahrhundert kamen an grösserem Gerät Handspritzen dazu (auf dem Laden und in Bergregionen wurden solche aber erst im 19. oder sogar im 20. Jahrhundert eingeführt); ab der Mitte des 17. Jahrhunderts benutzte man fahr- und tragbare Feuerspritzen, die dank dem Windkessel einen kontinuierlichen Wasserstrahl ausstossen konnten. Die Benutzung von ledernen, ab 1690 von hanfenen Schläuchen steigerte die Leistung der Schlagspritzen. Nach 1700 führte man die noch besseren Saugspritzen ein. Die Spritzen wurden von sechs bis acht Mann bedient, die unter der Aufsicht eines Spritzenmeisters standen. Zu Spezialeinsätzen wurden Zimmerleute, Steinhauer, Maurer, Dachdecker und Schlosser beordert, die mit ihren persönlichen Werkzeugen ausgerüstet waren. Lange wurde jedoch noch aus künstlichen Löschwasserteichen mit einfachen Eimern gelöscht. Grundsätzlich galt für jeden Entdecker eines Feuers Alarmpflicht, mit dem Ruf "Fürio!". Die Sturmglocke, die Trommel oder das Feuerhorn riefen die Feuerwehrpflichtigen zum vorgeschriebenen Besammlungsplatz, wo der Brandmeister den Einsatzbefehl gab. Da das Wasser nicht genügend schnell in ausreichender Menge zur Hand war, richteten sich die ersten Anstrengungen defensiv darauf, das Feuer an seiner weiteren Ausbreitung zu hindern. Auf den Dächern der Nachbarhäuser versuchten Männer und Frauen, mit dem Auslegen nasser Tücher ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Auf Leitern stehend, übergoss und bespritzte man die Hausfronten mit Wasser, das von Menschenketten in Eimern von Hand zu Hand gereicht wurde. Beim Brand von Rüthi am 21. September 1890 (Bild vom Oberdorf Rüthi nach dem Brand) eilte ein St. Galler Feuerwehrcorps per Extrazug (!) nach Rüthi und brachte dabei die nötigen Spritzen mit. Bereits eine halbe Stunde nach der Brandsichtung fuhr der Zug in St. Gallen ab. Der Zug hielt dann nach 1.5 Stunden Fahrt in Oberriet, da Rüthi bereits hoffnungslos verloren war. Neben den Häusern brannte auch der Wald an mehreren Stellen; Männer mit Äxten rückten aus um die Waldbrände einzudämmen. Tote waren keine zu beklagen, aber ein Mann verletzte sich schwer, als er beim Netzen des Daches abstürzte und sich beide Arme brach (Die Ostschweiz, 23. Oktober 1890). Dieser Brand unterstützte auch den Ausbau des Wasser- und Hydrantennetztes in den Gemeinden. In Oberriet war der Gemeindepräsident Karl Kolb hier einer der Treiber für diesen Ausbau (siehe 'Moderne Wasserversorgung'). Der Bericht zum Brand von Berneck 1848 gibt auch etwas Einsicht wie früher mit Bränden umgegangen wurde. Die Entwicklung führte zur Gründung von "Freiwilligen" Feuerwehren (mit steuerlichen Feuerwehrersatzabgaben für die weniger Freiwilligen) und Berufsfeuerwehren, die den modernen Brandschutz bilden. Frondienst (obligatorisch) / Gmoawerch (freiwillig)Im Mittelalter waren Frondienste unbezahlte Arbeit, typischerweise von Bauern für ihren Lehnsherrn, wie z.B. Aussaat, Ernte, Weinlese (für die Äbte) oder Wegebau. Hörige Bauern mussten Frondienste für den Grundherrn leisten; leibeigene Bauern mussten die Hälfte der Ernte an den Grundherrn abtreten (im Unterschied zum Leibeigenen war der Hörige nur in Verbindung mit dem Grund und Boden abhängig). Mit der Einführung von Steuern (Zehnten, etc.) und der zunehmenden Geldwirtschaft konnten diese Dienste durch Sachwerte oder Geldzahlungen abgelöst werden. Mit der Bauernbefreiung, beginnend mit den Bauernkriegen (1523–1526 und 1653) und endend im 18. und 19. Jahrhundert fanden die Frondienste letztlich ein vorläufiges¹ Ende. ________ In frühen Zeiten waren Rheinüberschwemmungen ein regelmässiges Übel. Um den Rhein einzudämmen, waren die Haushalte verpflichtet, jährlich einige unbezahlte Tagwerke 'Wuhrdienst' zu leisten (in Malans waren dies 14 Tage pro Haushalt). Hierzu wurden kräftige Personen benötigt. Das war zum grössten Teil Frondienst, der bis ins 19. Jh., als der Rhein in die heutigen Dämme gelegt wurde ("Rheinkorrektur"), geleistet werden musste. Die Ortsgemeinde Holzrhode-Kobelwald führt schon seit 2011 das 'Gmoawerch' durch. Typischerweise melden sich dabei Freiwillige und arbeiten gemeinsam auf den unterschiedlichen Alpen oder an einem anderen gemeinnützigen Projekt. Die Gemeinde sorgt dabei für die Verpflegung. Zum Abschluss des arbeitsreichen Tages lädt die Gemeinde meist noch zu einem gemütlichen Beisammensein ein (auch mit musikalischer Unterhaltung). |
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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 30. Juni 2026)