Oberrieter Gewerbe (Gründungen bis etwa 1950)Im folgenden werden einige Oberrieter Gewerbe aufgeführt, welche vor 1950 gegründet wurden. Die Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und wird inkrementell nachgeführt. Ob eine Frma aufgeführt ist oder nicht hängt rein damit zusammen, ob dem Autor historische Daten vorliegen, welche auf die Gründungzeit zurück gehen. Im Anhang sind die ehemaligen Stickereien in Oberriet kurz zusammengefasst. Bäckerei (Beck) ScheggSeit 1943 findet man die Familien-Bäckerei Schegg schon an der Buckstrasse 1 in Oberriet. Ruedi Schegg kaufte das Haus, welches damas bereits eine Bäckerei war. Im früheren Stall war damals ein Lebensmittelladen. Quelle: Home Page der Bäckerei Schegg (vormals https://beckschegg.ch/ → Geschichte). Der Strassenverlauf war im Buck früher noch etwas anders als heute. Das folgende Bild zeigt eine Überlagerung der Karte aus Google Maps und der Karte von der Vermessung im Rheintal von 1911: Die Strasse ins Gütli verlief früher noch nördlich der Parzelle 205 (heute Buckstrasse 1). Die heutige Gütlistrasse (südlich des Hauses) war 1911 noch eine Sackgasse. Hinter dem Haus (wo heute der Anbau ist), verlief eine Parallelstrasse zur heutigen Buckstrasse. Im Kataster von 1905 ist die Parzelle 205 mit dem Haus mit den neuen Katasternummern 2134 und 2135 belegt. Die alten Nummern sind im 80er-Bereich (nicht mehr lesbar, da durchgestrichen). Fredy Schegg (der Sohn von Ruedi) übernahm die Bäckerei von seinem Vater. Die Beck Schegg AG wurde am 21. Juni 1999 gegründet (aktiv seit 20. Juni 1999). Der Familienbetrieb Bäckerei Schegg in Oberriet wird heute schon in dritter Generation geführt. Patrick Schegg und seine Frau Barbara haben ihn 2009 vom Vater Fredy offiziell übernommen. Mit der Übernahme erweiterten sie die alte Backstube von damals um einen Neubau mit einem grossem Lager. Quelle: Bilder vom 26. Mai 2019. Zum Geschäft gehört seit 2000 eine Filiale an der Dorfstrasse 6 in Montlingen, welche seit Herbst 2015 auch eine Postagentur ist. Am 1. Dezember 2017 kam durch Übernahme der ehemaligen Bäckerei Lüchinger auch eine Filiale an der an der Altstätterstrasse 2a in Kriessern dazu (Romeo Lüchinger trat altershalber zurück). Hinweis in eigener Sache: Die Eierbrötli sind eine Wucht! Benedikt Hutter Holzbau in KriessernIm Jahre 1840 begann Joseph Johann Hutter an der Rheinstrasse als Dorfzimmermann. Auch sein Sohn Josef erlernte den Zimmermannsberuf. Und mit dessen Sohn Gottlieb finden siche alle drei Generationen am Neubau des Kirchendaches anno 1894 als Zimmerleute tätig. Gottlieb jr. hat die Zimmerei 1934 an die Kanalstrasse verlegt. 1967 übernahm sein ältester Sohn Benedikt den Betrieb in der 5. Generation. Bereits 1969 wurde ein Maschinensaal mit Holzlager angebaut. 1972 folgte die Ueberdachung des Abbundplatzes und der Lageraufbau mit Aluminium-Abteilung. Im Betrieb werden anspruchsvolle Dachkonstruktionen, Treppen und Möbel hergestellt. Besondere Stärke sind Ausbau und Renovation im rustikalen Stil. Es werden auch Planung und Neubau von Einfamilienhäusern ausgeführt. Seit etwa 1969 ist eine Bau-Handelsabteilung angegliedert. Gebrüder Loher AGIm Jahre 1891 gründete Benedikt Loher einen Dachdeckerbetrieb mit Schindelfabrikation in Montlingen. Seine beiden Söhne, Johann und Benedikt Loher "Scheandelers", traten in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in den Betrieb ein und führten diesen als 'Gebrüder Loher' weiter. 1934 erwarben sie die Liegenschaft an der Staatsstrasse 145 in Oberriet, welche damals ein Schlossereibetrieb war. Bis in die sechziger Jahre war auch der Bruder Stefan Loher in der Firma tätig und leitete einen Eisenwarenladen im Erdgeschoss der Liegenschaft, bis er sich an der Bahnhofstrasse mit diesem Teilgeschäft selbständig machte. Seit 1967 übernahm Armin Loher die Dachdeckerei. Umbau- und Modernisierungsarbeiten führen 1968 zur Schliessung der Schindelfabrik. 1969, wurde die Gebrüder Loher AG gegründet. Im selben Jahr wird die neue Halle an der Staatsstrasse 145 gebaut. Beni Loher trat 1970/1971 in den Betrieb ein und unterstützte seinen Bruder Peter. Er leitete in den letzten Jahren die Spenglereiabteilung. Nach der Heirat im Jahre 1971 übernahm die Ehefrau von Armin Loher, Käthi Loher, sukzessive die administrativen Arbeiten. Geschäftsübergabe 2001: Von links Beni Loher, Käthi und Armin Loher, Marcel Hutter. Quelle: Unser Rheintal 2002, p. 356. Ende März 2001 stellte die Gebrüder Loher AG in Oberriet mit der Pensionierung von Armin Loher ihre operative Tätigkeit ein. Käthi und Armin Loher zogen sich zurück und die Firma wurde in zwei Teilfirmen aufgespalten. Beide Betriebe behielten jedoch ihren Geschäftssitz am alten Standort an der Staatsstrasse 145 in Oberriet. Der langjährige Mitarbeiter und Dachdeckerpolier Marcel Hutter und seine Frau Eliane aus Kriessern übernahmen den Dachdeckerbetrieb mit eigener Firma unter dem Namen Hutter Bedachungen AG. Die Bauspenglerei wurde neu unter dem Namen Loher Spenglereitechnik AG von Geschäftsführer Benjamin ("Beni") Loher geführt. 2003 trat mit Daniel Loher die 4. Generation in den Betrieb ein (Daniel Loher wurde 2006 zum jüngsten Spenglermeister der Schweiz). 2008 fand der Bezug des neuen Firmengebäudes an der Eichaustrasse 8b in Oberriet statt. Beni wurde 2015 pensioniert und Daniel Loher übernimmt den Betrieb. Katja und Daniel Loher gründen 2012 die Loherbringts GmbH. Büdeli (Akris) in KriessernDie einstmalige Schürzenproduktionsstätte wurde 1922 von Alice Kriemler-Schoch (4. September 1896 - † 25. September 1972 im Kantonsspital St. Gallen) in St. Gallen gegründet. Alice Schoch, achtes Kind von Johannes Schoch und Louisa Weber († 30. April 1935), heiratete 1921 Albert Kriemler (Chemievertreter, † 27. April 1944). Sie war hochschwanger, als sie sich 1922 mit zwei Nähmaschinen und einer Lehrtochter selbständig machte. Weil es ihr zu mühsam war, auf jedes Stück den langen Namen (A. Kriemler-Schoch) zu sticken, kürzt sie ihn ab: Akris. Kurz danach kommt ihr Sohn Max Kriemler zur Welt. Im Juli 1922, wurde die Einzelfirma A. Kriemler-Schoch im Handelsregister eingetragen (der Buchstabe A steht für Alice und für Albert), domiziliert an der Brauerstrasse in St. Gallen (Bernerhaus). Bald wurden Arbeitsschürzen vom Gewerbe, dann Blusen für die Läden bestellt. Grosse Aufträge für Globus folgten. Als 1944 Albert Kriemler-Schoch starb, trat Sohn Max ins Geschäft ein, doch Chefin blieb weiterhin die Gründerin Alice. Max Kriemler (1922-2017) wandte sich an Katharina Dietsche (eine Kriemler-Kundin), welche in Kriessern einen Kolonialwarenladen mit Mercerieabteilung führte (auch Schürzen gehörten in diesem Laden zum Angebot). Er interessierte sich für einen freien Raum und Katharina nannte ein "nettes, sonniges Lokal in einem Bauernhaus an der Kirchdorfstrasse", ein ehemaliges Stickereilokal der Familie Langenegger. Im Juli 1946 wird das Büdeli in Kriessern eingerichtet, damit es für die Zwecke von Max Kriemler geeignet war. Als erste Vorarbeiterin wurde Anni Rusch nach Kriessern delegiert (sie hatte zwei Jahre "Näherfahrung" in Akris). Sie teilt das Zimmer mit ihrer Tochter Marie, welche ebenfalls im Büdeli nähte. Nach 6 Monaten bereits gab es Differenzen (hauptsächlich mit Klara Dietsche und Hilda Hutter) und Anni Rusch wollte Kriessern verlassen. An ihrer Stelle übernahm Annerös Schoch (die Nichte von Alice Kriemler). Als Annerös Schoch ins Hauptquartier zurückkehrt (sie bleibt der Firma über 50 Jahre treu) wird Klara Dietsche zur Vorarbeiterin bestimmt. Die Mitarbeiterinnen im Büdeli nannten sich die "Kriemlera". Mitarbeiterinnen waren unter anderen: Marie Baumgartner-Langenegger (1946-1952), Melitha Dietsche-Baumgartner (1946-1955), Anna Wüst-Jocham (1946-1949), Rösli Lutz-Weder (1946-1953), Anita Hutter-Baumbartner (1949-1959), Maria Lüchinger-Hutter (1953-1959) und Renate Lüchinger-Rohner (1953-1959). Das Kriessner Büdeli wurde Ende 1966 geschlossen, als die Nachfrage nach Schürzen zurück ging. Links: Elisabeth Kopp trug 1984 bei ihrer Wahl zur Bundesrätin ein Kleid von Akris. Rechts: Karin Keller-Sutter mit einem Kleid von Akris. Max Kriemler heiratete Ute Winkhaus. Der Sohn Albert Kriemler (* 1960) trat im Anschluss an seine Ausbildung bei Akris ein. Seit 1982 ist er für die Kreationen von Akris verantwortlich (obwohl er eigentlich nie eine Ausbildung als Designer hatte). Er ist seit 1987 - zusammen mit seinem Bruder Peter - Mitinhaber und kreativer Leiter des Hauses Akris. Der jüngerere Bruder Peter Kriemler (* 1962) ist seit 1987 (nach einem Studium der Betriebswirtschaft und des Rechts an der Uni St. Gallen) verantwortlich für die Geschäftsführung. Compagnie Pfund & ValloisEine Eintragung in den Handelsregisterbüchern (Fol. 2279, No. 217) vom 27. Juli 1897 führt die Firma 'Pfund & Vallois' als Kollektiv-Gesellschaft per 1. Juli 1897 von Bernhard Pfund & Cie (gemäss Seite 1159) auf. Der Zweck war eine 'Kettenstich- & Kunststickerei'. Inhaber waren Bernhard Pfund-Milster (Kaufmann, * 13. Februar 1860 - † 2. März 1952) und Lucien Felix Vallois-Scheitlin (Die Ostschweiz, 24. Mai 1894). Die Gründung wurde am 3. August 1897 im Handelsamtsblatt No. 202, p. 830 publiziert. Quelle Werbekarte und Briefkopf: Thomas Philipp (Enkel von Paul Egli) Die Kettenstickerei hatte ihre Hauptniederlassung an der Schützengasse No. 5 in St. Gallen, hatte aber in mehreren Orten Filialen. Die Filiale in Oberriet wurde am 28. Juli 1898 eröffnet (Fol. 2279, No. 338). Die mit dem Zweck eine 'Kettenstickerei & Ferggerei' zu erstellen. Der Bevollmächtigte (Prokura) war Carl Zollikofer (Kaufmann, * 30. August 1866 - † 12. Juni 1942) in Bruggen. Publiziert am 2. August 1898 im Handelsamtsblatt No. 221, p. 925. Die Stickerei wurde eingemietet in den beiden 1876 von Pankraz Kluser erbauten ehemaligen Stickereifabriken im Buck. Das südliche Gebäude steht noch heute (Buckstrasse 4), das nördliche wurde 1988 abgebrochen und musste dem Geschäftshaus Buck weichen (heute: Denner). Bild 1: Im Vordergrund das Restaurant Kreuz und im Hintergrund zwei Gebäude (nördliche Fabrik), welche zu Pfund & Vallois gehörten. Bilder 2 und 3: Unser Rheintal 2007 p. 113. Bild 3 zeigt rund 80 Angestellte, welche in den beiden direkt nebeneinander liegenden Fabriken im Buck arbeiteten (Blick von der Buckstrasse in Richtung des heute abgebrochenen nördlichen Gebäudes). Bild 4 zeigt das alte nördliche klassizistische Haus an der Buckstrasse, an welche Mitte der 1870er Jahre eine Stckerei angebaut wurde. Weitere Filialen wurden gegründet in
Bruggen am 4. Juli 1900 (Kettenstickerei im Hause No. 82, in der ehemaligen Rittmeyer'schen Fabrik*, welche 1854 gegründet wurde),
in St. Gallen am 13. Juni 1902 (an der Pestalozzistrasse / Davidstrasse), und in Friedrichshafen.
Im Handelsregister nicht gefunden, aber: in Meiningen
(Bleichehof)
Der Bleichehof war einst im Besitz der Montforter Grafen.
Jakob Hutsch hatte 1683 den Bleichehof gegen einen Zins von 80 Gulden von der österreichischen Hofkammer zu Lehen erhalten.
Auf dem grossteils unfruchtbaren Grund errichtete er eine Naturbleiche
(es wurden die Gewebe auf den Rasen ausgebreitet, im Sonnenlicht öfters mit Wasser besprengt und von Zeit zu Zeit gewendet).
Der Niedergang der Bleiche in Meiningen begann zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Chlor für das Bleichen eingesetzt wurde.
Trotz Modernisierung erholte sich der Betrieb nicht mehr.
1867 wurde die Bleiche geschlossen und eine mechanische Baumwollweberei eingerichtet.
Nach verschiedenen Verwendungen als Theatersaal und Turnsaal wurde das Fabrikgebäude nach dem Krieg endgültig aufgelassen. __________ Zwischen Oberriet und Meiningen muss ein reger
Zollverkehr
Bern, 24. Dezember 1903 In der Filiale in Oberriet arbeitete Karl Albert Hasler zwischen 1899 und 1910 (zunächst als Angestellter, später in leitender Stellung). Albert Weder war zuletzt Geschäftsführer. 1913 wurde der Betrieb in Oberriet eingestellt. Die Gebäude gingen an die Firma Schilling, Schnering & Co. über. Das Gebäude gegenüber dem Sternen beherbergte die Tankstelle und das Möbelgschäft von Ernst Zäch (dieses wurde 1988 abgerissen). In die Gebäude an der Buckstrasse 4 kam 1932 die Stickerei von Gottlieb Mattle, welche er später zur Vorhang- und Konfektionsnäherei 'Gottlieb Mattle, Rideaux' erweiterte (diese bestand bis ins Jahr 1989). Quelle: La Sentinelle, 18. Februar 1916. Anfangs 1916 stellte die Firma im Zuge der Wirtschaftskrise ihre Arbeiten an einigen Stellen im Kanton St. Gallen ein. Aber noch am 18. August wurde ein neuer Zweig eröffnet, der mit der Fabrikation und dem Export von Gardinen & Stickereien befasst war. Ab 26. März 1920 war
Paul Egli
Paul Egli Die Fabrik in Bruggen wurde abgerissen. Auf dem Gelände wurde ein Wohnquartier erstellt.
Das Bürogebäude an der Vadianstrasse steht noch (heute ist dort eine Schule einquartiert).
Das südliche Gebäude in Oberriet steht heute noch (Quellen:
Oberriet
Buckstrasse 4 Geflügelhof BlattenDer Geflügelhof Blatten war im Besitz von Gottfried Wälti von Wädenswil. Der Betrieb handelte mit Nutz- und Rassengeflügel, hatte einen Trink- und Bruteier-Versand und verkaufte das Trockenfutter Argovia. Quelle Briefkopf (1914): Staatsarchiv ZMH 53/017. Zeichner: E. Bopp. Im Oktober 1915 brannte der im ganzen Rheintal bekannte Geflügelhof bis auf die Grundmauern nieder. Der Hof war für 14'000 Franken versichert. Mit Eingabe vom 14./20. Dezember 1915 stellten sieben Mitglieder, bzw. Ersatzrichter des Bezirksgerichte Oberrheintal das Begehren um Eröffnung eines Strafverfahrens wegen Amtsehrverletzung von Amtes wegen gegen Gottfried Wälti, Geflügelhof, Oberriet. Gottfried Wälti war bereits dreimal mit dem Beirksgericht Oberrheital in Berührung gekommen. 1912 hatte die Gerichtskommission in einer Ehrverletzungssache seiner Ehefrau, welche er vertreten hatte, wegen ungebührlichen Benehmens vor Gericht mit einer Disziplinarbusse belegt. 1913 war es eine sehr ernste Körperverletzungsangelegenheit gegeb Gottfried Wälti. Auch hier fiel er durch ungebührlichen Verhaltens auf. Das Gericht hatte ihn jedoch wegen seiner "abnormalen geistigen und nervösen Veranlagung" sehr milde behandelt. Im Sommer 2014 hatte sich dann der Beklagte wiederum wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten müssen (wobei er verurteilt wurde). Aus offensichtlicher Rache wegen der Verurteilung hatte Wälti am 21. August 1915 vorerst an Herrn Gerichtspräsident Biroll einen Brief geschrieben, worin er sich über gemeine, ungesetzmässige Behandlung beklagte und den Herrn Gerichtspräsident Biroll unter Bezugnahme auf Familienverhältnisse beleidigte. Ausserdem hatte Wälti anlässlich eines Wirtschaftsbesuches im 'Frohsinn' in Oberriet wegen des genannten Urteils vom 27. Juli 1915 gegenüber Herrn Bezirksrichter Gottlieb Zäch, in Anwesenheit von Robert Bon, Metzger, und Schlegel, Landjäger, in Oberriet, ohne irgendwelche Provokation in allen Tonarten geschimpft und sich unter anderem dahin geäussert: "So ein Kantonsrichter oder Bezirksrichter würde um einen halben Liter machen, was man wolle." Auf erfolgte Vermahnungen zur Ruhe hatte Wälti diese Ausdrücke 2 bis 3 Mal wiederholt und noch beigefügt: "Wenn man dem Hund auf den Schwanz tritt, so bellt er." Auch als er von Herrn Bezirksrichter Zäch veranlaßt worden sei, das Lokal zu verlassen, habe er in gleichem Sinne seine injuriösen Vorhalte erneuert. Zeugen hiefür waren die Herren Landjäger Schlegel, Oberriet, und Robert Bon, Metzger, Oberriet. Durch die erwähnten Äusserungen fühlen sich die Bezirksrichter und Ersatzrichter von Oberrheintal, welche bei der Ausfällung des Urteils vom 27. Juli 1915 im Gericht anwesend waren, in ihrer Amtsehre verletzt. Das referierende Departement gab dem Beklagten, der inzwischen nach Zürich (Uraniastrasse 45) übergesiedelt ist, von der Klage Kenntnis, um ihm eine gütliche Erledigung der Sache zu ermöglichen. Das Verfahren wurde im Februar 1916 abgeschlossen mit diner Busse von 100 Franken. Hugo Dietsche AGIm Jahre 1942 gründete Hugo Dietsche ein Drainageunternehmen. Anfänglich was das Unternehmen auf Drainageleitungen spezialisiert, welche in Handarbeit für die Melioration der Rheinebene erstellt wurden. Später erstreckten sich die Tätigkeiten auch auf andere Gebiete des Tiefbaus.
1959 wurde ein Magazin mit Werkstatt und Garagen bei Büro im Kirchhof gebaut. Aufgrund der immer grösseren Bedeutung des Gewässerschutzes spezialisierte sich die Firma in der Folge auf die Erstellung von Schutzwasserkanälen. Grosse Teile der Strassenentwässerung der A13 und der A1 zwischen St. Gallen und Wil wurden erstellt. 1965 trat der älteste Sohn Hugo Dietsche-Sieber in die Firma ein. Er interessierte sich vor allem für die Entwicklung im Maschinensektor. 1970 genügten die Gebäulichkeiten im Kirchdorf nicht mehr. Daher wurde an der Altstätterstrasse / Gassermadstrasse in Kriessern eine grosse Werkhalle erstellt. Die Familien-Aktiengesellschaft wird gegründet. 1972 trat Fredy Dietsche-Beck in die Firma ein. Der "Kanalisationsboom" flachte damals bereits etwas ab, und so erweiterte er die Dienstleistungen um den Belagseinbau. Mit dem Eintritt der Söhne Hugo und Fredy wurde vor allem im Sektor 'Strassenbau' ('Dietsche Strassenbau AG') stark ausgebaut. 1976 musste die Werkhalle massiv vergrössert werden. Ende 1989 entschloss sich Hugo Dietsche als Teilhaber bei der Robert König AG einzutreten. Zur damaligen Zeit war bereits geplant, auf dem Steinbruchareal eine 'Inertstoff-Deponie' zu errichten. Die Motivation war, damit einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Heute wird der Betrieb (Sitz an der Kirchdorfstrasse) bereits in der dritten Generation von der Familie geführt. 2025 wurde die Dietsche Beteiligungs AG mit den Tochterfirmen Dietsche Strassenbau AG und Robert König AG umfirmiert in 'Hugo Dietsche AG'. Christian Dietsche (Sohn von Peter Dietsche) wurde Geschäftsführer. Peter Dietsche ist Verwaltungsrats-Präsident der Robert König AG. Hugo LangeneggerDie Schmiede Kriessern wird seit vielen Generationen als Familienunternehmen geführt: Johannes Alois Langenegger, Joseph Anton Langenegger (1814-1892), Joseph Anton (Anton) Langenegger (1842-1915), Josef Engelbert (Engelbert) Langenegger (1873-1931), und Hugo Langenegger (1910-) Die Ausübung des Handwerks wurde jeweils vom Vater auf den Sohn übertragen. Anton Langenegger (Ortspräsident) führte mit seinem Sohn Engelbert alle Schmiedearbeiten bei der Renovation der Pfarrkirche aus.
Den Schwerpunkt der Arbeiten bildeten traditionell der Hufbeschlag, der Kutschen- und Wagenbau, das Aufziehen der Reifen und allgemeine Schmiede- und Schlosserarbeiten. Dazu gehörte auch das Überpfüfen und Nachziehen aller Schrauben an der hölzernen Rheinbrücke oder das Reparieren der Kirchenuhr zu den regelmässigen Arbeiten. Das heutige Gebäude an der Kirchdorfstrasse wurde im Jahre 1907 erstellt, da die alte Schmiede zu klein und zu baufällig war. Im Jahre 1971 baute Hugo Langenegger östlich des Elternhauses eine zweite, grössere Werkstätte. Die Firma 'Hugo Langenegger' wurde am 4. Dezember 2008 im Handelsregister unter der Nummer CH-320.1.064.375-3 eingetragen. Zweck: Betreiben von Schlossereien, Schmieden und Werkstätten. Unterschriften: Hugo Langenegger (Inhaber) und Manuela Langenegger-Dietsche. Kolb Elektro AGAm 1. November 1919 gründeten die beiden Brüder Albert und Johann Kolb, vom Vater mit 4000 Fr. ausgestattet, nach solider, beruflicher Ausbildung im Stickereilokal des Elternhauses an der Kronengasse die erste Werkstatt. Die Geschäftsgründung erfolgte unter der Bezeichnung «A. und J. Kolb, elektrische Anlagen, Oberriet». Von ihrem Stammkapital verlangte die SAK 1000 Franken als Konzessionshinterlage. Als Folge der flauen Wirtschaftslage, kurz nach dem ersten Weltkrieg, tauchten erhebliche Schwierigkeiten auf. Doch Krisen sind da, um überwunden zu werden. Der erste, grössere Auftrag trug ihnen die Elektrifikation von Kobelwies und Berneckerberg auf. Im Jahre 1922 erwarben die zwei Elektriker im Unterdorf das Doppelwohnhaus von Hugo Kolb. Damit erfolgte die Geschäftsverlegung in die an der Staatsstrasse gelegene Liegenschaft. Im Parterre, das später in Büro und Verkaufsladen umgebaut wurde, entstand die Werkstatt. Mit der Entwicklung und Fabrikation von Drehstrommotoren lief gleichzeitig die Elektrifizierung in Lüchingerberg. 1924 erteilte die SAK (St. Gallisch Appenzellische Kraftwerke) den ersten Auftrag. Zunehmende Konkurrenz zwang zur Umstellung auf Ausführung von Freileitungs- und Transformatorenbau. Durch einen Vertrag mit der Gemeinde Oberriet übernahin die Firma Kolb die Betriebsführung der Elektrizitätsversorgung. Der erste Freileitungsauftrag der Telefondirektion St. Gallen brachte den Umbau Plona. 1927 erstellte Oberriet die Imprägnieranstalt. Mit Uebernahme weiterer Verpflichtungen galt es für die Firma, neue Entscheide zu treffen. Wirtschaftliche, vor allem aber technische Strukturen stehen in ständigem, wechselndem Prozess. Albert Kolb, der ausgesprochen praktische Fachmann, leitete den Aussenbetrieb, während Johann mit seinen kaufmännischen Fähigkeiten sozusagen die Weichen stellte. Filialgründungen in Sax / Haag (etwa 1940), in Rüthi (1960) und in Buchs (1962). Bild 1: Oberriet Bilderbogen 3. Bild 2: Verwaltungsgebäude, Bild 3: Erwin Kolb. Mit freundlicher Genehmigung der Kolb Elektro AG. Heute hat die Kolb Elektro AG in Oberriet (Karte) eine Filiale in Rüthi und weitere Standorte: die Kolb Elektro SBW AG in Haag mit den Filialen Wildhaus und Buchs, sowie die Kolb Elektro SBW Aktiengesellschaft in Schaan. Seit 2015 gehört die sie zur schweizweit tätigen Burkhalter Gruppe. Im Jahre 2015 hatte die Firma rund 100 Mitarbeiter. Jansen & Co. AGDie Firma Jansen & Co. AG, Stahlröhren und Sauerstoffwerke, war ist ist einer der grossen Arbeitgeber im Rheintal. Josef Jansen (* 1894 in Aachen - † 1984) war der Sohn einer Arbeiter- und Beamtenfamilie, katholisch erzogen und aufgewachsen in einfachen Verhältnissen. Sein erstes Geld verdiente Josef sich als Laute spielender Wanderbursche und später als Leibgardist des württembergischen Königs Wilhelm II (1848-1921). Er erlitt im 1. Weltkrieg in der Schlacht von Verdun eine Verletzung durch einen Granatsplitter und so konnte er den Schützengräben entkommen. Als Kriegsversehrter kam er nach Basel, wo er von Maria Stark (aus einer Beamtenfamilie) gepflegt wurde. Die beiden wurden ein Paar (sie heirateten 1927). In einem Porzellanhandelsbetrieb in Basel bildete er sich auf dem kaufmännischen Sektor weiter und für eine kurze Zeit leitete Josef Jansen ein Hotel im Berner Oberland. In Oberriet überschwemmten nach dem Krieg deutsche Produkte den Markt. Die handgefertigten Rohre des Oberrieter Dorfelektrikers Hugo Kolb wurden zu teuer und sein Kleinbetrieb musste liquidiert werden. Jakob Lüchinger (in Basel), Inhaber einer Eierimport-Firma, bangte um sein Geld und suchte mittels Zeitungsannoncen einen initiativen Geschäftsmann, von dem er sich die Rettung des Betriebs erhoffte. Josef Jansen nahm diese Herausforderung an. Im Jahre 1923 schuf Josef Jansen zusammen mit zwei treuen Gefolgsleuten aus einem sehr bescheidenen Unternehmen die Firma «Panzerröhrenfabrik + Sauerstoffwerke Jansen & Co.». Er konnte für 90 Rappen pro Quadratmeter (am heutigen Standort der Firma) Bauland kaufen. Zudem kaufte er 1923 die grosse Stickereifabrik der Herren Lüthi und Wiederkehr und die seinerseits von Hugo Kolb, Elektriker, und seinen Brüdern erstellte Sauerstoff-Erzeugungsanlage. Ferner kaufte er die alte Theodor Lüchinger'sche Stickfabrik im Kirchdorf. Die Firma hatte anfangs 6 Mitarbeiter. Bereits 1946 waren es 120, 1955 220, 1990 670 und 2004 750 Mitarbeiter (200 Millionen Franken Umsatz). Die Firma Jansen zahlte an Gesellschaftssteuer lange mehr als alle Bürger von Oberriet (Hirschensprung bis Kriessern) zusammen. Der Vater Jansen war ein kluger Mann und hatte den Gemeinderat geschickt beeinflusst (immer waren Betriebsleiter Mitglied des Gemeinderats - diese wussten um die Bedeutung der Firma für Oberriet). Die Firma konnte sich immer wieder spezielle Konditionen bei den Wasser- und Strompreisen aushandeln. 1923 trat Josef Jansen mit der Mitteilung an den Gemeinderat, die Firma gedenke, die Fabrik auszubauen und zu vergrössern, falls die Gemeinde Oberriet ihr entgegenkomme und eine angemessene Strompreisreduktion gewähre (da der Betrieb viel Strom brauchen werde). Falls dies nicht möglich sei, komme eine Vergrösserung der Fabrik nicht in Frage und man würde dem Angebot der Gemeinde Balgach Hand bieten, wo ein grosses Baulandareal kostenlos zur Verfügung gestellt und ein noch günstigerer Strompreis angeboten würde, als im vorliegenden Gesuch vorgeschlagen. Am 9. August 1928 kam der erste Sohn 'Walter Friedrich' zur Welt (Nationalökonom HSG), 1933 die erste Tochter 'Marianne', 1936 Elisabeth (Schwester 'Ignace' bei den Ursulinen in Freiburg), 1940 Leo Jansen-Hegner (Techniker HTL), 1942 Peter (dipl. Physiker; heiratete Monika Berger) und 1945 Gerhard (Dr. jur, Besitzer der Firma Schleuniger AG in Thun). 1934 war der Umzug in die neuen Betriebsgebäude. 1935 rief er eine Wohlfahrtsstiftung ins Leben (für weniger bemittelte Mitarbeiter). Am 28. März 1966 wurden Josef und Maria (Bürger von Basel) Ehrenbürger von Oberriet. Der erste Sohn Walter Friedrich Jansen wurde am 10. Juli 1980 in den Vorstand des Handels- und Industrievereins des Kantons St. Gallen gewählt. Er starb am 30. Oktober 2023 an der Schachenfeldstrasse 16c, Oberriet. Quelle 1. Bild: Web Seite der Firma Jansen. Josef Jansen ist dabei (im Jahr 1923) vor dem Restaurant Sonne zu sehen. Quelle 2. Bild: Unser Rheintal 1956, Seite 45. Quelle 3. Bild: aufgenommen 2019 vom Bildstöckli her. Quelle 1. Bild: Unser Rheintal 1944. Josef Jansen begann 1930 mit der Produktion von Präzisionsstahlrohren. Kurz darauf begann der Bau der Fabrikstrasse, was 1938 mit der Fertigstellung der neuen Fabrik endete. Jansen stellte 1939 zum ersten Mal an der Mustermesse in Basel aus. Der Sohn Walter trat 1948 in die Firma ein. 1956 wurde eine Pensionskasse ins Leben gerufen, 1964 die werkseigene Kantine. Der Sohn Peter Jansen übernahm in der 2. Generation. 1946 nannte sich die Firma 'Jansen + Co. AG'. 1955 wurden auch Kunststoffrohre hergestellt. Es wurden erstmals Stahlprofile für Türen, Tore und industrielle Anwendungen gefertigt. In den 1960er-Jahren wurde der Betrieb um das Sauerstoffwerk vergrössert. 1973 wurde das 50jährige Jubiläum gefeiert. 1978 wurde der Grundstein für eine Partnerschaft mit Schüco gelegt. Schüco entwickelte sich zum Systemlieferanten für Fenster, Türen, Schiebanlagen und Fassaden aus Aluminium. 1980 gab der Vater Josef Jansen - inzwischen 86 jährig - das Firmenpräsidium ab. Kurz bevor 2003 die aktuelle, dritte Generation (Christoph Jansen und Priska Manuela Jansen, seine Cousine) die Firmenführung übernahm, wurde 2000 das Kunden-Informations-Zentrum gebaut. Die Firma Jansen und die Wasserversorgung Die Firma Jansen war (aufgrund der Kühlerei) mit Abstand der grösste Wasserbezüger Oberriets. Oberriet setzte daher durch, dass bei der Firma Jansen der Wasserverbrauch gemessen wurde (währenddem normale Bürger nach "Hahnen zahlten"; siehe dazu Oberrieter Wasserversorgung). Ein bestimmter statischer Wasserdruck musste dabei sichergestellt werden. Das führte zu einem Ausbau der Infrastrukturen, welcher letztlich ganz Oberriet diente (man musste zum Beispiel Pumpwerke bauen). Josef Jansen bekam dabei das Wasser immer zu den günstigsten Konditionen (er drohte sonst "selbst etwas zu machen"). So zahlte er in den 1950er-Jahren 5 Rappen pro Kubikmeter Wasser, was gerade die Stromkosten für die Förderung dieses Kubikmeters im Pumpwerk deckte. Es gab zu Beginn ein kleines Pumpwerk am Binnenkanal (250 m³ pro Tag). Mit dem Wachstum der Firma Jansen sind dann die Ansprüche gewachsen. Quelle: StASG W288/18 'Technische Betriebe Gemeinde Oberriet - Martin Lüchinger, Bauchef' vom 16. Januar 1999. Gebäude der Köberle Albert, Maschinen AG / Wild Heerbrugg AG Albert Köberle († 8. November 1956) betrieb in Oberriet eine Maschinenfabrik. Über die Firma Köberle Albert, Maschinen AG (gegründet im Jahre 1947) wurde am 12. November 1958 der Konkurs (siehe Seite 3 links oben) eröffnet (siehe auch BGE 86 III). Deren Liegenschaften (das Wohnhaus Nr. 2506, die Fabrik Nr. 2507), nebst der Grundstückparzelle Nr. 1844 'in Lehmen [Karte um 1960]' (heute: 'im Lehen') wurde von der Firma Wild Heerbrugg AG aufgekauft. Quelle Bild 1: Oberriet Bilderbogen 3. Quelle Bild 2: Archiv der Wild Heerbrugg AG (mit freundlicher Genehmigung der Wild Heerbrugg AG .Am 11.September 1961 eröffnete Wild Herrbrugg dann das Werk Oberriet als neuen Fertigungsort siehe Geschichte Wild Heerbrugg). Um 1986 wurde das Werk dann jedoch wieder geschlossen und der Gemeinde Oberriet verkauft. Diese wiederum verkaufte das Land und die Gebäude an die Firma Jansen AG. Das Gebäude wurde dann 1995 abgerissen und machte dann dem Bau an der Eichaustrasse 7 platz. Kühnis AGJohann Kühnis (noch nicht eindeutig identifiziert, aber vermutlich in den 1890er-Jahren geboren) gründete 1923 die Einzelfirma 'Johann Kühnis'. Am 9. Oktober 1950 wurde diese Firma mit dem Zweck "Tief- und Hochbau (Baggerungen und Walzarbeiten) Oberdorf" eingetragen mit dem Inhaber 'Johann Kühnis von und in Oberriet'. Eine zusätzliche Einzelprokura wurde an Pius Kühnis jun. von und in Oberriet erteilt. Das Ganze wurde am 15. Oktober 1950 im Handelsamtsblatt (SHAB) unter der No. 240 auf der Seite 2625 publiziert. Diese Einzelfirma ist am 25. März 1974 infolge Gründung einer Aktiengesellschaft 'Kühnis AG' erloschen (500 Namenaktien zu je 1000 CHF, voll liberiert). Der Zweck wurde mit «Betrieb eines Baugeschäftes, Handel mit Baumaterialien sowie Bauten als Generalunternehmer. Sie kann sich an anderen Unternehmungen beteiligen und Liegenschaften erwerben, verwalten und verkaufen.» angegeben. Aktiven und Passiven gingen an die neue Firma über. Publiziert am 19. April 1974 im SHAB unter der No. 90 auf der Seite 1043. Am 15. Oktober 1981 war Pius Kühnis im Verwaltungsrat eingetragen (mit Einzelunterschrift). Die Unterschrift zu Zweien von Hans Kühnis und Rudolf Kühnis wurden gelöscht. Publiziert am 18. Oktober 1981 im SHAB unter der No. 250 auf der Seite 3377. In den 80er Jahren wurde das Magazin ausgebaut und erweitert. 1993 wurde zusätzlich ein Grundstück für einen Anbau erworben. 2003 wurde die Bauunternehmung Kühnis AG von Jules Gächter übernommen. Siehe Karte. Morant & KönigDer Südtiroler Pio (Pius) Orsingher gründete 1915 (zusammen mit einem Deutschen namens 'Jung', wohnhaft in Wolfhalden) im Rehag ein kleines Schotter- und Pflastersteinwerk. Der Steinbruch befand sich oberhalb der Säge von August Mattle im Moos / Rehag. Siehe Karte. Im Gegensatz zu den bisherigen Kalksteinbrüchen (vor allem für Bau- und Wuhrzwecke und für die Kalkbrennereien der Ziegeleien Zäch und Lüchinger) wurde hier "Basaltgestein" (eigentlich falsch bezeichnet, das es sich um ein ein nicht vulkanisches Ablagerungsgestein handelte!) mit höherer Druckfestigkeit abgebaut (z.B. für Schotter- und Pflastersteine). Bald kam ein weiterer Teilhaber, A. Hürlemann (wohnhaft in St. Gallen), dazu: Orsingher konnte eine grosse Waldung mit zwei Basaltknorren an die Firma 'Jung und Hürlemann, Pflasterstein- und Schotterwerk, Moos-Oberriet' verkaufen. Die Firma wurde später von der Firma 'Morant¹ und König²' aus der Konkursmasse ersteigert. Die Anlage wurde auf den neuesten technischen Stand gebracht und der Betrieb beschäftigte bald 30 Arbeiter. ________ 1927 gründet August Morant zusammen mit seinem Mitbewerber Robert König die Kollektivgesellschaft Morant König. Im darauffolgenden Jahr wurde in Oberriet das Hartschotterwerk erstellt. Bild 1 stammt aus der 'Chronik der Familie Zäch Mühlemacher' [SZ1999]. Es zeigt den alten Steinbruch Moos am Blattenberg. Ab Bild 2: Silo, von welchem aus einst der Schotter verladen wurde. Das Silo wurde - gemäss Peter Dietsche, Geschäftsführer der Robert König AG - noch bis etwa 1997 als Splittlager für den Strassenunterhalt genutzt. Aufgrund der grossen Nachfrage nach Hartschotter ahnte man, das die "Basalt-" Knörren im Moos angesichts der steigenden Nachfrage bald erschöpft sein würden. Der Gemeinderat sah, dass der Felsen im Unterkobel (siehe SwissTopo) als neues Abbaugebiet in Frage kommen würde. Auf die Initaitive von Gemeindeammann Dux beschloss der Gemeinderat in Funktion als Hofverwaltungsrat anfangs 1926 "in aller Stille", einzelne oben an die Felswand angrenzende Grundstücke von den Kobelwalder Besitzern zu erwerben. Dies geschah im "Interesse der Öffentlichkeit" und diente dem Zweck, privaten Bodenspekulationen auf diesem Gebiet zuvorzukommen und neue Arbeitsplätze zu sichern. Die Verhandlungen fanden im 'Schäfle' Kobelwald statt (der Verkaufspreis wurde mit 1.50 Franken pro Quadratmeter festgelegt für einen Bodenstreifen von 10 m Breite, mit der Bedingung dass weitere 10 m innerhalb von 6 Jahren zum gleichen Preis abzutreten seien). Der Verkauf wurde am 11. Juli 1926 von den Hofbürgern abgesegnet und auch die Oberbehörde (Baudepartement) stimmte dem Entscheid zu. Kurz darauf sprachen Robert König und sein Vorarbeiter und Bruchmeister Schäfer beim Gemeinderat vor. Sie sammelten Probesteine im Unterkobel. Acht Tage später kam die Anfrage, ob der Steinbruch käuflich erworben werden könne. Man bat um baldigen Bericht, da sich die Firma bei Ablehnung des Geschäfts im Vorarlberg umsehen werde (ihr sei der Steinbruch Neuburg-Koblach angeboten worden, welcher ihren Vorstellungen ebenfalls aufs Beste entspreche). Am 1. Februar 1930 kam es zum Vertragsabschluss. Die Firma Morant und König übernahm die mittlere Partie des Steinbruchs auf einer Fläche von 10'670 m² zu 2.80 Franken pro m². Für den nördlichen Teil (welcher früher Johann Stieger, des Innozenz, gehört hatte) verlangten sie das Vorkaufsrecht für 4'800 Franken (11'123 m²). Sie verpflichteten sich dafür, im Steinbruch - soweit möglich - nur Arbeiter aus der politischen Gemeinde Oberriet zu beschäftigen. Bild 2: Steinbruch Robert König (um 1970; Quelle: StASG W 283/4-2106). 1933 tritt August Morant Junior ins Geschäft ein. 1944 wird Morant und König aufgeteilt in 'A. Morant, Strassenbau' und 'R. König Steinbruch'. Vater und Sohn Morant widmeten sich ab diesem Jahr nur noch dem Strassenbau. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges blühte das Geschäft förmlich auf, da als Folge des zunehmenden Verkehrs neue Strassen gebaut und bestehende saniert werden mussten. Robert König gründet am 31. Mai 1948 die Robert König AG, Steinbruch & Hartschotterwerk in Oberriet (175 Namensaktien à 1000 Franken). Die Firma hat den Sitz in St. Gallen an der Tannenstrasse 19 und übernimmt das bislang unter "Robert König" betriebene Steinbruch- und Hartschotterwerk in Oberriet. Per 31. Dezember 1959 erlischt seine Unterschrift als Robert König-Marz. Neue Unterschrift als Robert König-Dreimann (Sohn?). Am 17. Juli 1973 ziehen u.a. Frieda König-Dreimann und Armin König (wohnhaft in Eichberg) in den Verwaltungsrat. Am 21. Februar 1983 erlischt die Unterschrift von Armin König. Am 27. Dezember 1990 wird Anton Grüninger von Berneck VR-Präsident und Alois Buchor von Altstätten und Peter Dietsche von Oberriet werden VR-Mitglieder (siehe auch 'Hugo Dietsche AG'). Im Unterkobel wurde bis 1997 Fels abgebaut. Nach der letzten Sicherheitssprengung im Dezember 2000 wurde das 70jährige Steinbruch-Areal Unterkobel als Deponie für Aushub- und Abbruchmaterial betrieben. Mit dem Abschluss des Deponiebetriebes erfolgte dann die Endgestaltung nach rein ökologischen Aspekten. Die Robert König AG, Kriessern als Grundeigentümer und Betreiber der Deponie hatte sich dazu entschieden, statt den vorgeschrieben 10% die gesamte Fläche (ca. 70´000 m²) naturnah aufzuwerten. Raiffeisenkasse KriessernDer Gründer der Raiffeisenkasse Montlingen, Gemeinderat Alfred Benz, überzeugte die Kriessener im Jahre 1946 von einem eigenen Geldinstitut. Der selbstlose und ehrenamtliche Einsatz der ersten Kommission trug zur soliden Entwicklung der Kassa bei. Im ersten Jahr betrug die Bilanzsumme 70'000 Franken, im Jahre 1979 bereits 15 mio Franken. Quelle Bild 2: Unser Rheintal 1990, p. 47 (anlässlich des Tages der offenen Tür). Quelle Bild 3: Eigenes Bild, Juli 2021. Hugo Dietsche war Vorstandspräsident von 1946 an, wärend über 30 Jahren. Das Verwalterehepaar Marie und Johann Baumgartner wickelte während 30 Jahren die Kassageschäfte im kleinen Stübli ab. Erst in den 70er Jahren wurden sichere Kassaräume eingerichtet. Quelle: Unser Rheintal 1996, p. 207. Gruppenfoto der Präsidenten der einzelnen Rheintaler Banken, v.l.n.r.: Josef Benz, Marbach-Rebstein; Viktor Pfister, Berneck; Erwin Gächter, Rüthi-Lienz; Vinzenz Deley, Eichberg; Armin Sieber, Kriessern; Rene Metzler, Balgach; Bruno Stillhard, Staad-Thal; Walter Loher, Montlingen; Anton Grüninger, Widnau; Paul Thür, Lüchingen-Altstätten; Heinrich Gabathuler, St. Margrethen; Hans Sulser, Rheineck; Roman Tinner, Diepoldsau; auf dem Bild fehlt: Ernst Kobler, Kobelwald. Quelle: Unser Rheintal 1996, p. 209. Gruppenfoto der Verwalter/innen der einzelnen Rheintaler Banken. Obere Reihe v.l.n.r.: Walter Baumgartner, Berneck; Johannes Mock, Lüchingen-Altstätten; Albert Quauka, Diepoldsau. Mittlere Reihe v.l.n.r.: Walter Dietsche, Eichberg; Willi Hutter, Kriessern; Monika Roth, Balgach; Arno Stieger, Kobelwald; Linus Spirig, Marbach-Rebstein. Untere Reihe v.l.n.r.: Peter Züst, Rheineck; Richard Loher, Montlingen; Thomas Ammann, Rüthi-Lienz; Toni Moser, Widnau und Werner Schöb, St. Margrethen. Heute sind die Raiffeisenkassen zur Raiffeisenbank Oberes Rheintal mit Sitz in Altstätten SG und Geschäftsstellen in Kriessern, Montlingen, Oberriet SG und Rüthi zusammengeschlossen. Als gemeinsames Gründungsjahr wird 1941 genannt. Sparkasse OberrietBankenkonsolidierung Die Bernecker Bank (1868 gegründet) und die Balgacher Spar- und Leihkasse (1869 gegründet) haben sich im Jahr 2000 in der Alpha Rheintal Bank zusammengeschlossen. Im Jahr 2003 kam die Sparkasse Oberriet (am 11. März 1861 gegründet) dazu. Die Bank von Diepoldsau-Schmitter wurde im Jahr 1992 an die Kantonalbank verkauft und die Rebsteiner Bank wurde zu einem Teil von Raiffeisen. Vorher waren diese fünf Rheintaler Banken Mitglied im Schweizerischen Regionalbankenverband. Die Alpha Rheintal Bank ist nicht Mitglied dieser Organisation, so dass heute allein noch die Biene Bank im Rheintal diesem Verband angehört und innerhalb des Verbandes Mitglied im Clientis-Verbund ist. Bild 1: Die zweite Namensaktie ging 1863 an Jakob Lüchinger, welcher im Namen der Verwaltungskommission auch gleich selbst unterzeichnete (Quelle: Unser Rheintal 2012, p. 169). Quelle Bild 21: Unser Rheintal 1944. Der erste Kassier war Gemeindeammann Jakob Lüchinger (er war nur im Nebenamt für die Bank tätig). Das erste Geschäftslokal der Bank befand sich denn auch bis 1897 im Lüchinger'schen Haus ("Fabrikantenhaus") im Unterdorf. Nach Jakob's Tod (1881) wurde sein Sohn Theodor Lüchinger als Nachfolger (und noch immer nebenamtlicher Kassier) gewählt. Am 29. Mai 1884 beschloss die Aktionärsversammlung, die 40 Aktien à 200 Franken einzuziehen und an deren Stelle neue Aktien à je 500 Franken auszugeben. Dieser Beschluss wurde auf Schloss Blatten bei Vermittler Karl Sartory gefasst. Ab 1885 wurden 5% dem Reservefonds zugewiesen und das Aktienkapital wurde mit 4% Dividende vergütet. 1896 fand die Trennung des Kassieramts vom Präsidium statt. Der neue Präsident war Josef Anton Zäch (Tierarzt). Der Kassaschrank wurde 1898 ins Büro des neuen Kassiers Wilhelm Kühnis (Lehrer) im Oberdorf disloziert. 1903 wurde Gottlieb Zäch, Kantonsrat und Wirt zum Frohsinn, zum neuen Präsidenten gewählt. Er führte den Vorsitz bis Ende 1920. 1903 wurde auch die Stelle des Kassiers ausgeschrieben. Zehn Bewerbungen gingen ein. Die Stelle ging an Wilhelm Kühnis (der Sohn des bisherigen Kassiers). Gleichzeitig wurde ein eigenes Sparkassesbüro im Haus von Josef Hasler, im Lokal der "Nägeli'schen Apotheke" eingerichtet und es wurden feste Bürostunden eingeführt (die Bank blieb bis 1951 in diesem Haus). Wilhelm blieb während über 50 Jahren in dieser Position! 1921 wurde Karl Albert Hasler, Wirt zur Krone, neuer Präsident (er war seit 1903 im Verwaltungsrat). Er präsidierte die Sparkasse bis 1951. Bis in die 30er Jahre fanden die Generalversammlungen an einem Sonntagnachmittag entweder in einem Dorfrestaurant oder auf Schloss Blatten statt. Es kamen jeweils 20 bis 30 Männer - welche sich mit Genuss den obligaten "Schüblig mit Härdöpfelsalat" einverleibten. Ab Mitte 1970er Jahre fand die Versammlung im Kronensaal statt - in dieser Zeit erschienen auch die ersten Frauen und der Schüblig wurde konsequenterweise durch ein Menu mit Salat ersetzt (viele Leute hielten nur eine einzige "Fressaktie"). Mit steigender Teilnehmerzahl wurde danach die Versammlung in die Mehrzweckhalle Burgwies verschoben. Anfänglich bekamen die Herren feine Zigarren geschenkt, was bei 200 bis 300 Rauchern zu einem feinen Räucherkammer-Ambiente führte. Zudem ging Verwaltungsratspräsident Christoph Mattle (2016 zurückgetreten) durch die Reihen in der Burgwies-Halle und drückte allen Aktionären ein neues (steuerfreies!) Zehnernötli als "Sonderdividende" in die Hand. Bild 1: Das erste Geschäftslokal war das Lüchinger'sche Haus im Unterdorf (Quelle: Unser Rheintal 2012, p. 168).
Bild 2: 1898 bis 1903 wurden die Kunden im Haus des Lehrers Wilhelm Kühnis bedient (Quelle: Unser Rheintal 2012, p. 170).
Bild 3: Haus von Josef Hasler (eigenes Bild aus dem Jahre 2021).
Bilder 4-6: Schalterraum und
Tresoranlage
Im umgebauten Pfarrhaus erhielt Oberriet 1952 die erste Tresoranlage.
Am 21. Dezember 1952, an einem Sonntag von 13 bis 15 Uhr, wurde ein Tag der offenen Tür durchgeführt.
Im damaligen Bericht hiess es dazu:
«Die Sparkasse dürfte auf Generationen hinaus eine neuzeitliche Bankeinrichtung besitzen.
Wir dürfen noch speziell den Einbau einer Tresoranlage erwähnen.
Es ist dies die erste im Dorfe, überhaupt in unserer Gemeinde.
Dieselbe wird sowohl der Bank selbst, wie Privaten, und Korporationen, gute Dienste leisten.
Die Diebessicherheit ist gross.
Die Panzertüre allein wiegt 1600 Kilo (also 32 Zentner) und diese Tresortüre lässt sich nur durch ein Geheimwort öffnen, das beliebig gewechselt werden kann.
Auch die Feuersicherheit ist vollauf gewährleistet.
Der Verwaltungsrat entschloss sich auch, für alle Eventualitäten eine Überfall-Sicherungsanlage zu erstellen.
Eine Überfallprobe wird nächstens durchgeführt und der Öffentlichkeit zuvor durch die Presse bekanntgegeben.
Würde dann früher oder später im Laufe der Jahre die Sirene heulen, so hätte ein Überfall stattgefunden und wäre dann das Institut für jede Hilfe des Publikums dankbar.»
1951 übernahm Gottlieb Mattle, Fabrikant, das Präsidentenamt. Ein Jahr später kaufte die Sparkasse der Kirchgemeinde das alte Pfarrhaus ab (für den Pfarrer wurde ein neues Gebäude erstellt, welches sich nicht mehr direkt an der Hauptstrasse befand) und erstellte dazu einen Anbau. Gottlieb Mattle blieb seiner Position bis 1977 treu. Im Jahre 1953 übernahm Adolf Kühnis, zur Eintracht, die Stelle des Bankverwalters. 1971 trat er in den Ruhestand. Auf ihn folgte Gottlieb Mattle junior als Verwalter. Dieser blieb bis ins Jahr 2011 und diente der Bank somit während nahezu 40 Jahren. Im Jahre 1981 kaufte die Bank die Liegenschaft 'Alfons Stieger' an der Staatsstrasse, gegenüber der Post. An dieser Stelle wurde ein neues dreigeschossiges Bankgebäude mit Schaltern, grosser Tresoranlage und zwei seaparaten Wohnungen erstellt. Zuletzt betrug das Aktienkapital 1.5 Millionen Franken (3000 Aktien à 500 Franken) bei einer Bilanzsumme von 160 Millionen Franken, als die Generalversammlung der Sparkasse 2003 beschloss die Selbständigkeit aufzugeben und mit der Alpha Rheintal Bank¹ zu fusionieren. Damit kam sie einem Übernahmeversuch der Raiffeisenbank zuvor. ________
Das folgende Büchlein wurde im Jahre 1961 anlässlich der 100-Jahr-Feier der Sparkasse Oberriet herausgegeben.
100 JAHRE SPARKASSE OBERRIET - 1 - 1861-1961 Aus Anlass des 100-jährigen Bestehens unseres Institutes freut es uns, den Mitgliedern und Freunden der Sparkasse diese kleine Festschrift überreichen zu dürfen. — Die Sparkasse Oberriet hat sich in den 100 Jahren ihres Bestehens vom schwachen Pflänzchen zu einem starken Baum entwickelt. — Der knappe geschichtliche Rückblick wird sicher unsere Zeitgenossen wie auch unsere Nachkommen interessieren. Denn 100 Jahre sind nur ein Markstein, aber noch lange kein Ziel. — Die Sparkasse wird weiter zum Wohle unseres Dorfes wirken und mit Zuversicht ins zweite Jahrhundert eintreten. - 2 - Vor 100 Jahren war Oberriet noch ein ausgesprochenes Bauerndorf, besser gesagt ein Dorf mit klein-bäuerlichem Einschlag. Gulden und Kreuzer bildeten bis kurz vor der Gründung unserer Sparkasse das Zahlungsmittel. Mit der Fähre überquerte man noch den so oft gefürchteten Rhein. (Erbauung der ersten Holzbrücke in Oberriet 1870). Ob vielleicht auch die Einführung des Frankens (1857) im Zusammenhang stand mit der Gründung einer Dorfkasse ist zwar nirgends schriftlich niedergelegt, könnte aber vermutet werden. — Die vergilbten Protokolle sagen uns, welche Kinderschuhe unser Institut getragen, und, das interessiert uns besonders, welchen weitsichtigen Männern wir es verdanken, wenn heute unsere blühende Sparkasse jubilieren darf und froh in die Zukunft schauen kann. Wir lassen hier die Namen dieser 34 hervorragenden Männer (so nennt sie das Protokoll) folgen: Verzeichnis der Aktionäre (1861): - 3 - Aus alten Protokollen «Das Jahr 1861 begann unter gemütlichen Aussichten. Die aufgeregt gewesenen Wellen des politischen Lebens hatten sich um vieles gelegt, und wenn auch die stürmende See noch nicht ganz abgeklärt und beruhigt ist, so ist doch Hoffnung vorhanden, dass — im Falle der Steuermann, wie der Matrose an seinem Posten steht, und threu seine Pflicht thut, das Schiff, wenn schon auf tobender See, dennoch nicht dem Abgrund zusteuert.» — Unter solchen Betrachtungen hatten sich über diesen Winter, auf Einladung des Unterzeichneten einige hervorragende Männer unserer Gemeinde zusammengefunden, und den Beschluss gefasst, für die Gemeinde Oberried eine Sparkasse zu gründen und ins Leben zu rufen. Die Konstituierung in der Gesellschaft fand unter heutigem Tage statt und als Grundlage die hier folgenden Statuten angenommen. Oberried, 11. März 1861 Jakob Lüchinger, Gemeindeammann Wir lesen im genannten Protokoll weiter: «Um dem Publikum Gelegenheit zu verschaffen, durch Häuslichkeit und Arbeitsamkeit zurückgelegte Baarschaft sicher und zinstragend anzulegen, wird eine Sparkasse errichtet. — Zur Sicherung der eingelegten Gelder besteht ein Aktien-Verein: Ein Verein von Bürgern, von denen jeder eine oder mehrere Aktien im Betrage von Fr. 100.— übernimmt, unter folgenden Bedingungen: Artikel 1: Jeder Aktionär ist pflichtig, sobald die Anzahl von 20 Aktien zugesichert ist, jeden Monat Fr. 5.— pr. Aktie einzuzahlen und solange fortzusetzen, bis der Betrag der Aktie (Fr. 100.—) erfüllt ist. Die geleistete Zahlung, wird vom Cassier bescheinigt. Es können bis auf 40 Aktien ausgegeben werden. Art. 4: Die Aktionäre bilden den Verein des Unternehmens, ihnen kommen folgende Obliegenheiten zu: a) die Wahl einer Verwaltungskommission von 3 Mitgliedern. Das erste Mitglied leitet die Geschäfte und ist Cassier. — Art. 10: Die in die Sparkassa eingelegten Gelder werden mit vier Prozent verzinst. Das Minimum der Einlage ist Fr. 1.—. Art. 17: Der Zinsfuss der Darlehen ist fünf Prozent. Auf diese Statuten hin sind 34 namentlich aufgeführte Aktionäre mit 40 Aktien (mindestens je 1 Aktie) eingetreten und als Verwaltungskommission gewählt worden: a) Lüchinger Jakob, Gemeinde- - 4 - ammann b) Thurherr J. J., Hauptmann c) Stieger Jos., Lehrer. — Anno 1865 wurden in die Prüfungskommission gewählt: Zäch, Oberst; Herrsche, Lehrer; Zäch Tierarzt.» — Die erste Rechnungsablage auf Ende Dezember 1864 für die Jahre 1861, 1862, 1863 und 1864 erzielt einen Umsatz von 37 887 Fr. 91 Rp. und ein «Reines Vermögen» der 40 Aktien von Fr. 4080.21. Denselben wurde erstmals eine Dividende pro 1863 und 1864 von je Fr. 5.— ausbezahlt, der Rechnungsüberschuss als Reservefonds geäufnet und später zum Teil zur Erhöhung des Aktienwertes verwendet, so z. B. unter Datum vom 2. Januar 1875, wo die alten Aktien mit Datum 1. Mai 1863, nom. je Fr. 100.— in Aktien nom. je Fr. 200.— «ausgetauscht» wurden. — In unserer Rückschau noch einige Protokollzitate, die mehr den damaligen «Einkommensstand» zeigen: Aktionärenversammlung vom 1. Februar 1866 beschliesst: Als Gehalt möge dei Cahsier Fr. 30.— pro Jahr beziehen. Aktionärenversammlung vom 26. Dezember 1871 beschliesst, der Verwaltung und der Prüfungskommission ein Taggeld von Fr. 2.— auszubezahlen. Aktionärenversammlung vom 29. März 1875: «Aus der Mitte der Versammlung wurde die Anregung gemacht, ob es nicht zeitgemäss erscheine, wenn eine feuerfeste, eiserne Geldcahse angeschafft würde. Ueber die Anregung wurde vielseitig die Diskussion benützt und dann aber beschlossen, von der Beschaffung Umgang zu nehmen.» Zur Aktionärenversammlung vom 18. April 1881 möchten wir noch das protokollarische Festhalten vom Ableben eines der Gründer im Wortlaut folgen lassen: «In der heutigen Versammlung haben wir leider unsern bisherigen Vorstand und Verwalter, Herr Gemeindeammann Lüchinger zu vermissen und dies nach dem unerforschlichen Ratschluhse des Herrn, für immer, da eine rasch um sich greifende Krankheit, ihn, den Gründer unserer Anstalt aus unserer Mitte entrihs.» — Der Usus, dass das erste Mitglied der Commission auch zugleich als Kassier amtete, wurde auch nach dem Tode des ersten Vorstandes Jakob Lüchinger, Gemeindeammann, beibehalten und dann Th. Lüchinger als Nachfolger gewählt. Die Sparkassa befand sich nach wie vor immer im sogenannten Lüchinger'schen Haus in Eichenwies (1861-1897). - 5 - Als die Aktionärversammlung vom 29. Mai 1884 beschloss, die 40 Stück Aktien von Fr. 200.— pro Aktie einzuziehen und an Stelle derselben neue Aktien mit Wert je Fr. 500.— auszugeben, scheint es uns, dass diese Erhöhung des Aktienwertes auch einigermasssen auf der «Höhe» stattfinden müsse und sagt uns das Protokoll, dass dieser wohl allen Aktionären willkommene Beschluss am 29. Mai 1884 bei Herrn Vermittler Sartory auf Schloss Blatten gefasst wurde. Ab 1885, so lautet Art. 23 der neu gefassten Statuten, sollen nun 5 Prozent dem Reservefonds zugewiesen werden und das Aktienkapital erhalte 4 Prozent Dividende. Anno 1896 finden wir zum erstenmal im Protokoll die Trennung von Kassieramt und Präsidium und amtet nun als Präsident: J. A. Zäch, Tierarzt. Am 16. August 1898, so heisst es im Protokoll: «Keine Sitzung, dagegen Dislokation des Kassaschrankes in das Bureau des neuen Kassiers (vom Lüchinger'schen Haus zum neugewählten Kassier Wilhelm Kühnis sel., Lehrer, Oberdorf - Oberriet.)» — Mit 1903 tritt erstmals Wechsel des Präsidenten ein und wird als Nachfolger von Tierarzt Zäch (erster Präsident und nicht zugleich Kassier) gewählt Gottlieb Zäch, Kantonsrat, zum «Frohsinn», Oberriet, welcher den Vorsitz bis Ende 1920 führte. Auf sein Ableben hin erfolgte dann 1921 die Wahl von K. A. Hasler, zur «Krone», Oberriet, zum Präsidenten, der bereits seit 1903 als Mitglied des Verwaltungsrates tätig war, und nun den Vorsitz bis 1951 inne hatte. Nach einer Reihe wechselvoller Jahre (1880-1890) wurde das Aktienkapital wiederum erhöht, so am 1. Januar 1905 auf Fr. 70 000.— (Nr. 1-140), am 31. Dezember 1911 auf Fr. 150 000.— (Nr. 141-300), am 1. Juli 1931 auf Fr. 300 000.— (Nr. 301-600). Sitzung vom 31. Dezember 1903: Auf die Auskündigung der Kassierstelle sind 10 Anmeldungen eingegangen, worunter Kühnis Wilhelm, Lehrer's zur Zeit in Mailand, und wird letzterer auch gewählt. Gleichzeitig wird beschlossen, es sei das Sparkassabureau in das Haus des Jos. Hasler, in das Lokal der Dr. Nägeli'schen Apotheke zu verlegen. (Bisher befand sich dasselbe wie bereits erwähnt, beim Vater des Neugewählten, alt Lehrer Kühnis sel., Oberdorf). Mit 1903 werden dann auch feste Bureaustunden eingeführt. Wohl ei- - 6 - ne Seltenheit bedeutet die Tatsache, dass der Kassier und Verwalter unserer Dorfkasse seit 63 Jahren mit Kühnis zeichnet und wir hoffen, dass es noch für eine lange Zukunft so bleiben möge. 1898-1903 Wilhelm Kühnis, Vater, a. Lehrer; 1903-1953 Wilhelm Kühnis, Sohn des Genannten, a. Kirchenpräsident; seit 1953 Adolf Kühnis, zur «Eintracht». — Die gemieteten Bureauräume der Sparkasse befanden sich von 1903-1951 im Parterre des Hauses Jos. Hasler, Nachfolger Konrad Hasler, Schreiner. — Das heutige Gebäude diente zuvor als Pfarrhaus. Es wurde 1952 von der Kirchgemeinde erworben. Dank einer weitsichtigen Umbaulösung, der wohldurchdachten grundrisslichen Gestaltung und einer den modernen Bedürfnissen entsprechenden Ausstattung wird die Sparkasse Oberriet auf weite Sicht den Ansprüchen an ein neuzeitliches Bankinstitut genügen können und sie darf mit Fug und Recht den besteingerichteten im Rheintal beigezählt werden. Im Jubiläumsjahre 1961 der Sparkasse Oberriet verwirklicht die Gemeinde ihr neues Bürgerheim im Kostenbetrage von 1,3 Mill. Fr. - 7 - Industrie und Gewerbe in Oberriet Obwohl unser Dorf nicht als industriereich bezeichnet werden kann, sind es doch etliche Betriebe, die den Namen Oberriet durch ihre Erzeugnisse in unserem Lande und selbst über die Grenzen bekannt machen. Die Firma Jansen & Co. AG, Stahlröhren- und Sauerstoffwerke, Kunststoffwerk, liefert ihre Stahlröhren in viele Länder, erzeugt Sauerstoff für Spitäler und Sanatorien und technische Zwecke und gliederte ihrem Unternehmen eine Kunststoffabteilung an, die sich besonders mit der Fabrikation von Kunststoffröhren befasst. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich dieser Betrieb zum grössten unserer Gemeinde mit ca. 300 Angestellten und Arbeitern. — Die Firma Gebr. Kolb AG beschäftigt in den verschiedenen Abteilungen, elektrische Installationen, Telefon, Freileitungsbau, Maschinenbau und Wicklerei, ebenfalls eine ansehnliche Belegschaft. Der Filialbetrieb in Widnau hat sich stark entwickelt. — In den beiden Ziegeleien Lüchinger AG und Schmidheiny J. & Co. AG,die ihre Betriebe ausgebaut und modernisiert haben, verdienen eine grössere Anzahl Angestellte und Arbeiter ihren Lebensunterhalt. — Die Firma Bruno Lüchinger, Metalldrückerei, erstellte vor einigen Jahren an der Staatsstrasse ein modernes Fabrikgebäude. — Im Steinbruch König werden bedeutende Mengen Schotter, Steinbettsteine etc. hergestellt. — Während in den erwähnten Betrieben besonders männliche Arbeitskräfte beschäftigt werden, bieten die Betriebe Alfred Weder AG, Wäschefabrik und Gottlieb Mattle, Rideaux, einer grösseren Anzahl Frauen Beschäftigungsmöglichkeit. Beide Betriebe haben sich gut entwickelt und haben ihren Maschinenpark modernisiert und sie dürfen sich mit ihren Textilprodukten auf dem Markt sehen lassen. — Auch die Firma Bopp, Gummibandprodukte, beschäftigt vorwiegend weibliche Arbeitskräfte. — Industrie und Gewerbe, besonders aber jene Unternehmungen, die ihren Firmasitz in unserer Gemeinde haben, liefern bedeutende Steuerbetreffnisse ab und helfen mit, die Lasten der Gemeinde zu tragen. Die Leistungen von Industrie und Gewerbe dürfen allgemein anerkannt und verdankt werden. — Industrie, Gewerbe, Handel, Verkehr und Landwirtschaft, alle befruchten auch eine Dorfbank. — Wir danken allen unsern Kunden - 8 - und Geschäftsfreunden, die an der laufenden erfreulichen Entwicklung unseres Institutes teilhaben und hoffen, dass wir alle im Frieden und in Freiheit weiterarbeiten können, zum Wohle unserer Familien, unseres Dorfes und Vaterlandes. VERWALTUNGSRAT KONTROLLSTELLE REVISIONSSTELLE gemäss Bankengesetz Revisions-und Treuhand-Aktiengesellschaft Revisa, St. Gallen PERSONAL Quelle: Büchel Buchdruck Oberriet SG (1961). Volg OberrietXaver Zäch gründete im Jahr 1927 den Dorfladen an der Staatsstrasse 9. Das erste Angebot war: ein Kessel Fett, ein Sack Hörnli, ein Sack Mehl, Salz, Haferflocken, ein Säcklein Kaffee und ein Zuckerstock. 1929 schloss sich Xaver der Union Schweizerische Einkaufsgesellschaft (Usego, gegründet 1907) an und erweiterte Öffnungszeiten wie auch Sortiment. Man konnte von 6 Uhr bis 22 Uhr an der Türglocke klingeln um etwas zu kaufen. Im Angebot waren sogar Südfrüchte und zwei Sorten Vollmilchschokolade. Durch den Gründer, hiess der Volk im Dorf auch 'Xaverers'. Im Jahre 1971 übergab Xaver das Geschäft an seine Tochter Ursula, welche das Geschäft mit ihrem Mann Rolf Künzler weiterführte (eigentlich hätte die ältere Schwester übernehmen sollen, aber diese zog es vor Amerika zu bereisen und danach nach St. Gallen zu ziehen). Diese hielten den Laden während über 40 Jahren in Schuss, bis sie dann im Oktober 2011 infolge Pensionierung die Türen schlossen. Nach der Schliessung des Volgs betrieben die Künzlers an der Staatsstrasse 9 noch eine Weile den Getränkehandel weiter. Anhang: StickereienBuck Im Buck baute Pankraz Kluser im Jahre 1876 zwei Stickereigebäude. Das südliche Gebäude (heute Buckstrasse 4) existiert noch heute. Das nördliche Gebäude wurde 1988 abgerissen (heute steht dort der Denner). Ab 1898 zog in diese Gebäude die Compagnie Pfund & Vallois. Die Gebäude gingen 1913 an die Firma Schilling, Schnering & Co. über. Das Gebäude gegenüber dem Sternen beherbergte die Tankstelle und das Möbelgschäft von Ernst Zäch (dieses wurde 1988 abgerissen). In die Gebäude an der Buckstrasse 4 kam 1932 die Stickerei von Gottlieb Mattle, welche er später zur Vorhang- und Konfektionsnäherei 'Gottlieb Mattle, Rideaux' erweiterte (diese bestand bis ins Jahr 1989). Kirchdorf Grosse (Stickerei-) Fabrik Die Grosse (Stickerei-) Fabrik (auch bekannt unter dem Namen 'Aktienstickerei') im Kirchdorf wurde 1876 von der Ortsgemeinde errichtet. Sie wurde von Theodor Lüchinger betrieben und blieb bis 1905 im Besitz der Gemeinde. Man munkelt auch, dass Jakob Lüchinger diese für seinen Sohn Theodor erreichtet habe. 1909 verkauften Gottlieb Zäch, Vermittler, Karl Kolb, Kantonsrat, Valentin Büchel, Kellen und Johann Büchel, zur Sonne, das Gebäude an 'Lindsay, Thomson & Cie., Belfast'. Gemäss Angaben im Grundbuch gehörte folgendes zum Gebäude: "Drei komplette Doppelstickmaschinen, 11 komplette einfache Maschinen, 1 Kabelmotor, Dampfkessel mit gänzlicher Heizeinrichtung und 1600 m² Boden." Am 4. Juli 1936 verkaufte Josef Jansen das ehemalige Stickereigebäude an Diethelm & Co. ("Herstellung von Gummikordeln, Biesen und Gürteln, Lederstanzerei und Lederwaren, Lack- und Lacklitzenfabrikation"), vertreten durch Dr. Ing. Kaspar Alois Diethelm in Oberriet. 1946 wurde die Lackiereri vergrössert. In den besten Zeiten arbeiteten bis zu 28 Personen im Betrieb (diese Mitarbeiterzahl sank danach bis 1955 kontuinuierlich bis auf 11 Personen). Als F. Bopp in die Firma eintrat wurde der Name zunächst in 'Diethelm und Bopp' geändert. Per 9. Januar 1956 übernahm F. Bopp die Firma gänzlich und der Name änderte zu 'Firma Bopp AG, Oberriet'. Die Mitarbeiterzahl dümpelte bei 8 Personen und sank 1964 auf 4 Personen. Am 28. April 1967 wurde die Firma aufgehoben. Quelle: StASG A 148/16.01. 1979 wurde das Gebäude an die Association Saint Pie X Nôtre Dame des Champs à Riddes verkauft. Alte Kaplanei Die alte Kaplanei ging 1871 in privaten Besitz über, und im Stadel wurde der erste Stickereibetrieb eingerichtet. In dieser Zeit erhielten viele existierende Häuser Anbauten, um darin Stickereimaschinen unterzubringen. Kirchdorf Haus gegenüber dem ehemaligen alten Friedhof In diesem Gebäude (in Unser Rheintal 2007 "altes Gasthaus zum Kreuz" genannt) an der Stastsstrasse 69 wurde 1880 der Stall durch eine Stickereifabrik ersetzt. Bild 1 Quelle: Unser Rheintal (2007), p. 112. Bild 2: eigenes Bild aus dem Jahre 2021. Bereits 10 Jahre später wurde diese jedoch zum Schreinereibetrieb 'Hasler' umfunktioniert. Krone Die Krone wurde nach einem Brand im Jahre 1869 wieder aufgebaut. 1876 wurde aus dem Stall eine Stickerei. 1903 wurde diese jedoch bereits wieder geschlossen und aus dem Stickereilokal wurde der Gastsaal. Diesseits der Bahnlinie Die etwa südlich des Bahnhofs gelegene Stickereifabrik 'Halter, Wiederkehr & Cie.' resp. 'Lüthi und Wiederkehr' (Schifflistickerei) wurde 1912 gegründet. Architekt des Gebäudes war Johann Labonté (* 24. November 1866 in Weisenau bei Mainz - † 21. Juni 1945 in Heerbrugg). Dieses Stickereilokal wurde 1937 in die Firma Jansen AG integriert. Das Gebäude diente bis zum Abbruch 1982 als Bürogebäude. Im Ortsbildinventar der Gemeinde Oberriet wurde dieses Gebäude als 'der grösste und architektonisch bedeutendste Industriebau der Stickereizeit' bezeichnet. Ennet der Bahnlinie Südwestlich des Bahnhofs entstand 1879 die Stickerei von Gottlieb Moser. Als die Krise kam, wurde in diesem Gebäude die Stickerei Josef Schegg eingerichtet. Quelle: Unser Rheintal (2007), p. 110. Albert Weder (früher Geschäftsführer bei 'Pfund & Vallois') kaufte das Gebäude 1916. Nach seinem Tod ging es 1923 an seinen Sohn Alfred und 1958 an dessen Sohn Werner über. Letzterer führte dann bis ins Jahr 1995 darin eine Konfektionsnäherei. Wenige Jahre nach Geschäftsaufgabe wurde das Gebäude abgerissen. Kriessern Stickerei Lüchinger Im Jahre 1876 erbaute A. Lüchinger in Kriessern eine Stickereifabrik. Diese Fabrik gehörte später Chrysostomus Baumgartner-Kluser, zum Schäfli, weshalb das Haus auch als "Schäfliwirths Fabrik" bezeichnet wurde. Als Fabrikanten waren in diesem Haus unter anderem auch der Altstätter Fidel Eugster und später Andreas Baumgartner tätig. Nachstickerinnen und Ausrüsterinnen in der 'Schäfliwirts Fabrik' um 1920. Quelle: Unser Rheintal (2007), p. 111. Später wurde das Haus als Ausrüsterei, danach als Schreinerei und zuletzt als Café Pony geführt. Stickerei Langenegger In einem Bauernhaus an der Kirchdorfstrasse befand sich ein ehemaliges Stickereilokal der Familie Langenegger. Im Juli 1946 richtete sich das 1922 gegründete 'Büdeli' dort ein. Aus dem Büdeli entwickelte sich später die bekannte Firma Akris. Stickerei Sonne 1876 wurde an die vier Jahre zuvor von Joseph Anton Lüchinger erbaute Sonne eine Stickereifabrik angebaut. In dieser Stickerei hatte es vier Maschinen. 1922 schloss die Stickerei ihre Tore. 1925 wurde das leerstehende Stickereilokal des Sonnenwirts (Altstätterstrasse 1) - nach Vermittlung durch Schweinehändler Leuthe - durch Candid ("Candi") Fleischli in eine Dorfkäserei umgebaut. Montlingen Stickerei Oberholzer & Loher Der Bau der Stickereifabrik an der heutigen Kindergartenstrasse 1 im Jahre 1904 kam auf die Initiative des Dorfpfarrers Alois Oberholzer zustande. Damit schuf er Arbeitsplätze für 50 Frauen. Quelle: Unser Rheintal (2007), p. 111. Später diente das Gebäude als Fabrikationslokal für die Textilfirma Lutz & Klee (das untere Klassenzimmer des Bergli-Schulhauses konnte erst 1936 umgebaut werden, da bis dahin dort diese Näherei untergebracht war). Zuletzt, bis zum Ende des 20. Jahrhunderts war in diesem Gebäude die Firma Weder-Meier angesiedelt (Auszug aus der Firmengeschichte von der Firmen Web-Seite). In diesem Nähbetrieb wurden etwa 50 Näherinnen beschäftigt, welche fast ausschliesslich Militäraufträge bearbeiteten (von Tarnanzügen über Stoffschirmmützen bis hin zu den Gnägi-Pulli). Nachdem die Firma Weder-Meier in Oberriet die Tätigkeit aufgab, diente das Gebäude nicht mehr der Textilindustrie (es steht noch heute und das Logo ziert - in etwas abgeschnittener Form - noch immer die Hauswand). |
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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 30. November 2025)