Alpwirtschaft

Rheintal

Johann Rudolf Steinmüller (* 11. März 1773 in Glarus - 25. Februar 1835, Pfarrer) beschrieb in seinem Buch 'Das St. Galler Rheintal um 1800' die rheintalische Alp- und Landwirtschaft. Dieses separate Büchlein wurde neu herausgegeben und eingeleitet von Werner Vogler im Jahre 1987 (herausgegeben durch die 'Biene Bank'. Einige der Inhalte in diesem Kapitel sind aus diesem Buch entlehnt.

Beinahe alle Alpen im Rheintal sind sogenannte Stossalpen; d.h. Privatalpen, welche Von einem Ort oder von einem Geschlecht gemeinschaftlich genutzt werden. Die Alpen müssen dabei nicht immer bei denselben Geschlechtern bleiben, sondern können auch verkauft oder an andere vererbt werden.

Der Kamor und der Kasten waren um 1800 die "vorzüglichsten" Rheintaler Privatalpen.

Die Alpfahrt geschah üblicherweise Mitte des Brachmonats (Juni) und der Aufenthalt auf der Alp dauerte, je nach Witterung, 11 bis 13 Wochen (also bis anfangs oder mitte September). Nachdem die Kühe jeweils 8 Tage auf der Alp waren, wurde am sogenannten "Wechselmorgen" jede Kuh, nachdem sie die Milch für 15 Stunden im Euter hatte, am Abend durch einen unparteiischen Melker unter Aufsicht des Gadenmeisters gemolken und danach die Milch jeder einzelnen Kuh "gefächt" (gewogen). Wog die Milch 7 Pfund, so erwartete man vom Senn auf Unterkamor einen "schweren Schaffen" (27 Pfund Butter und 4 Stück 6 bis 8 Pfund schwere magere Käse). Wog sie 4½ Pfund, so zählte man auf einen "halben Schaffen" mit 3 Stück 6 bis 7 Pfund schwere magere Käse: bei 3½ Pfund, 9 Pfund Butter, etc. Auf Oberkamor hatte man den "leichten Schaffen", welcher nur 18 Pfund schwer war und wozu man 6 Pfund Milch forderte. Diese Werte wurde notiert und am Ende wurde die Abrechnung nach diesen Zahlen vorgenommen. Blieb in einen guten Jahrgang am Ende ein Überschuss (das "Fürschmalz"), so wurde dieser unter allen Teilhabern anteilmässig verteilt. In schlechteren Jahren musste entsprechend anteilmässig gekürzt werden. Der Erfolg der Sennen bestimmte auch darüber, ob diese in den folgenden Jahren die Sennerei wieder zur Verwendung erhielten.

Oberkamor und Kasten gehören den Gemeindebürgern von Lienz und Sennwald jedoch mit der Auflage, dass sie der Stadt Altstätten ehrschätzig sind (d.h., beim Verkauf oder "auswärtigen" Vererben muss eine bestimmte Abgabe an Altstätten geleistet werden; bei einem Altstätter sind die 3 Franken Ehrschatz pro Gulden, bei einem Auswärtigen 6 Franken pro Gulden). Erbfälle sind von dieser Abgabe ausgenommen. Eine weitere Auflage fordert, dass der Alpmeister immer Bürger von Altstätten sein muss.

Diepoldsauer Kienberg

Johann Rudolf Steinmüller verwendete was Wort 'Alp' für die Kienberge nicht; er sprach mehr von "einzelnen Bergweiden". Um 1800 hatte es auf dem Dipoldsauer Kienberg Futter für 12 Kühe. Wo sich dieser 'Diepoldsauer Kienberg' befand ist indes nicht klar.

Diepoldsauer Schwamm

Die Alpgebäude auf dem Diepoldsauer Schwamm wurden im 17. Jahrhundert erbaut. 1669 wurde die Alp Schwamm den damals noch zum Allgemeinen Hof Oberriet gehörenden Hofleuten von Diepoldsau zugeteilt. Gleichzeitig wurde ein Alprecht aufgesetzt.

Die Alp bot um 1800 Nahrung für 29 Kühe.

Bis in die 1950er Jahre wurde die Alp als Kuhalp bewirtschaftet, danach und bis heute dient sie der Sömmerung von Kälbern und Rindern.

Die Alphütte wurde 2004 bis 2005 grundlegend renoviert.

Erreichbar ist der Diepoldsauer Schwamm am einfachsten über den Montlinger Schwamm. Von dort führt ein gut begehbarer Weg in einer knappen halben Stunde zur Alphütte.

Alphirten: 195X - 1959 Johann Heeb (Hinterforst), 1960 - 1961 Anton Hutter (Montlingen), 1962 - 1970 Karl Kobler (Eichberg), 1971 Berthold Peyer (Hohenems) - er wurde entlassen; 1971 - 1972 Ernst Frischknecht, 1973 Alfons Wüst, 1974 kein fixer Hirte ("Notbetrieb"), 1975 Fritz Suhner, 1976 - 1977 August Gegenschatz, 1978 - 1980 Karl Langenegger (Kriessern), 1981 - 1987 Jakob Giezendanner (Hemberg), 1988 - 2000 Emil und Agnes Heeb, 2001 - 2007 Karl Baumgartner und Doris Streuli (Altstätten), 2008 - 2011 Paul Kuster, 2012 - 2020 Ernst und Martha Frischknecht, 2021 Lea Brönnimann und Erich Sonderegger (Heerbrugg), 2022 - 2024 Ingo und Petra Stieger (Kienberg), 2025 Hansruedi und Silvia Minder (Müllheim).

Kamm / Herrenalp

Die Alp Kamm wurde bereits 1432 erstmals erwähnt.

Vermutlich entspricht die von Johann Rudolf Steinmüller kurz erwähnte 'Reutner Alp' der Alp Kamm. Sie hatte um 1800 zwei Sennhütten und wurde mit 90 Kühen gemeinschaftlich bestossen.

1939 zerstörte ein Brand die beiden Ställe; daraufhin wurde ein grösserer Stall neu errichtet. 1942wurde der Kälberstall gebaut. Bis 1968 wurde neben der Viehsömmerung auch Käse produziert.

Die Alp umfasst heute 45 Hektaren, davon sind 36.4 Hektaren produktiv. Sie ist für 49.7 Grossvieheinheiten berechnet.

Kamor

Der Kamor ist ein Berg zwischen dem St. Galler Rheintal und Appenzell Innerrhoden und liegt auf einer Höhe von 1751 m.ü.M. Siehe Karte.

Im Jahre 1402 beklagte sich Vogt Heinrich Walter von Ramschwag, dass ihm die Appenzeller im Unterkamor Holz gehauen und weggeführt hätten. Zudem hätten sie seine Weiden eingehagt [JH1878, p. 16].

Der Oberkamor (mit eigenem Alpmeister), am Fusse des Bergs (Swisstopo) hatte um 1800 zwei Gaden (Sennhütten) und 7 brauchbare Kuhställe, wobei man in jeden etwa 18 bis 22 Stück Vieh einstellen konnte. Jeder Gaden hatte einen Gadenmeister. Die Ställe waren einzelnen Bauern zugeordenet (es sei denn er hatte zuwenig Vieh - in einem solchen Fall musste er auch Vieh anderer Alpbesitzer ohne eigenen Stall zulassen). Der Oberkamor wies 200 "Gräser" auf (d.h. Weiderechte für 200 Kühe) auf. Jedoch bereits um 1800 herum wurde die Alp immer steiniger und unfruchtbarer, so dass sie zeitweise für höchstens 90 Kühe und 50 Kälber genutzt wurde.

Gaden waren rohe, rechteckige Gebäude (etwa 8 Fuss hoch) bestehend aus trocken aufeinandergelegten Steinen, welche oben mit einem flachen Schindeldach bedeckt waren. Über diese Schindeln wurden ebenfalls grosse Steine gelegt, damit der Wind das Dach nicht abdecken konnte. Jeder Gaden hatte zwei Teile: das Vorhaus mit der Küche, und dem Rest bestehend aus zwei gleich grossen Käse- und Milchmassern (Kellern). Über diesen Kellern befand sich unter dem Dach die "Massertill", wo die Sennen, Zusennen, Küher und ihre "Handbuben" (Knechte) ihr Heubett hatten und schliefen.

Neben den Gaden hatte es noch kleine, steinerne Schweineställe, denn auf sieben Kühe durfte jeder Senn noch ein Schwein auf die Alp treiben. Ziegen, Schafe oder Hunde wurden auf der Alp nicht geduldet.

Auf Oberkamor erhielt der Senn nach 13 Wochen - nebst Speise und Trank - 12 Gulden, der Zusenn 8 Gulden und ein Küher 9 Gulden. Der Zusenn hilft beim morgendlichen und abendlichen Ein- und Austreiben der Kühe, beim Melken und in der Käserei, während der Küher sich primär um das Hüten des Viehs kümmert.

Oberkamor Alpordnung (1678)

Die Alp(ver)ordnung von Oberkamor aus dem Jahre 1678 wurde immer wieder etwas erneuert. Sie steht hier stellvertretend für die ähnlichen übrigen Alpverordnungen im Rheintal. Quelle: Das St. Galler Rheintal um 1800.

Auf Unterkamor (ebenfalls mit eigenem Alpmeister), etwas nördlich davon, befanden sich vier Gaden mit je drei Ställen. Pro Gaden rechnete man mit 37 Kühen. Der Unterkamor (Swisstopo) wurde um 1800 ausschliesslich von Altstättern benutzt.

Auf Unterkamor erhielt der Senn nach 13 Wochen - nebst Speise und Trank - 13 Gulden, 12 Pfund Butter und 6 Stück Käse, der Zusenn 5 Gulden, 10 Pfund Butter und 4 Käse, und die zwei Handbuben je 2½ Gulden, 9 Pfund Butter und 3 Käse.

Offenbar gehörten 1867 je vier Gräser auf dem Ober- und Unterkamor der Gemeinde Altstätten ('Allgemeiner Anzeiger vom 20. April 1867, No. 16').

Kasten

Der Hohe Kasten ist ein 1794 m.ü.M. hoher Berg im Alpstein der Appenzeller Alpen und liegt auf der Kantonsgrenze zwischen St. Gallen und Appenzell Innerrhoden. Im lokalen Dialekt heisst der Berg 'de Chaschte'. In der Erstnennung von 1460 heisst es "an dem Kasten". Siehe Karte.

Unterhalb des Hohen Kastens befindet sich eine Kuhweide, wohin das Vieh alle Sommer nur für einige Tage hinaufgetrieben wurde.

Lienzer Alpen

1726 wurde erkannt: "dass je der nächste Freund, nach diesem die Alpgenossen, oder jeder eingesessene Bürger von Altstätten, den Verspruch zu nachfolgenden Gräsern haben, und solche auf hienachgesetzte Form beziehen mögen, wenn sie Erbs, Tauschs, Verkaufs oder anderweis ausser der Bürgerschaft handwechseln oder fallen würden, als zu einem Gras oder Kuhrecht - auf Grashalden für 16 Gulden, auf Räberen für 12 Gulden, auf Bützel für 7 Gulden - dergestalt und also: dass nach Zeit und Läuffen dieser Preis wieder erhöhet, oder vermindert werden könne."

Die nachstehenden Alpen gehörten 1800 einzelnen Familien der Dorfschaft Lienz und waren erblich und verkäuflich. Altstätten stand jedoch ein Ehrschatz "von hundert 5 Gulden" (5%) zu.

Die Grashalden stosst an Oberkamor und wurde im Jahre 1796 82½ Gras taxiert.

Die Räberen stosst an Unterkamor und Grashalden und wurde im Jahre 1774 zu 71 Gräsern und 3 Füssen geschätzt.

Die Bützel stosst an Oberkamor und wurde im Jahre 1774 ohne des Alpmeisters Gras zu 25¼ Gras geschätzt. Anno 1796 wurden davon 12 5/8 Gräser von dieser Alp von einem Vater an seinen Sohn um 240 Gulden verkauft.

Gemeinde Oberriet

Aufteilung der Alpen 'Schwämme' und 'Strüssler' auf die Oberrieter Rhoden. Am 6. Juni 1669 fand eine Verhandlung auf dem Kirchplatz Hofverwaltung 1669
Hofammann Jakob Wüst, Sekelmeister Konrad Hasler, Johann Thurnherr, Wirt Jakob Zäch, Jakob Graber, Uli Büchel, Hans Stiger "Rudis", Brosi Albrecht, Hans Lüchinger (Ammanns Sohn), Johannes Schegg, Magnus Weder, Rhodmeister Jakob Kuster und Förster Uli Weder.
in Montlingen statt. Das Los ergab: Der oberste Gaden kam an Diepoldsau und Kriessern, der darunterliegende an Eichenwies und Montlingen. Der obere Strüssler and die Holzrhode, der untere an Oberriet. Diese Alpen durften nur von Kühen bestossen werden. Ochsen und Pferde durften keine aufgetrieben werden.

1792 wurde der Grossteil der Güter unter die Ortsgemeinden Kriessern, Montlingen, Eichenwies, Oberriet, Holzrhode und Diepoldsau verteilt. (Die Verhandlungen zur Hofteilung begannen 1792 und waren im Jahre 1793 zur Hauptsache abgeschlossen.) Oberriet erhielt damals (durch Losentscheid) die Alpen Kienberg und Strüssler zugeteilt (die Alp Strüssler wurde Oberriet bereits 1669 per Losentscheid zugeteilt). Die Neuenalp gelangte erst 1873 durch Ersteigerung in den Besitz von Oberriet. Der ungeteilt gebliebene Besitz bildet heute das Eigentum des Allgemeinen Hofes Oberriet.

Oberriet

Eichenwieser Schwamm

Der Eichenwieser Schwamm bot um 1800 herum Platz für 36 Kühe.

Eichenwieser Alp (1855)

Quelle: Allgemeiner Anzeiger vom 1. Dezember 1855, No. 22.

Auf der Alp werden heute auf 20 ha Sömmerungsfläche 20 NSt Jungvieh gesömmert. Betreut werden die Tiere von einem Hirten, welcher während der Alpzeit die Alphütte bewohnt. Die Frischwasserversorgung für die Alphütte und die Viehtränken im Bereich der Alpgebäude ist schlecht. Seit dem Sommer 2018 haben die Quellschüttungen im Gebiet stark abgenommen.

Kienberg

Johann Rudolf Steinmüller verwendete was Wort 'Alp' für die Kienberge nicht; er sprach mehr von "einzelnen Bergweiden". Diese Bergweiden wurden auch mit Kühen besetzt. Die Talbewohner trugen jedoch jeden Morgen und jeden Abend die Milch in die Dörfer.

Ein Teil des Kienbergs (865 m über Meer, 20 ha) gehört zur Ortsgemeinde Oberriet. Um 1800 hatte es auf dem Oberrieter Kienberg Futter für 18 Kühe resp. 25 Kühe (bei Johann Rudolf Steinmüller ist Oberriet zweimal erwähnt).

Heute wird dort Alpkäse, Mutschli und Joghurt produziert. Die Strasse von Kobelwald, durch den Kienbergerwald bis zum Wogweg wurde 1881 ausgeschrieben (Die Ostschweiz, 26. Juli 1881), die Strasse vom Hinterfeld in Kobelwald / Grubach auf den Kienberg im Jahre 1883 (Die Ostschweiz, 23. Januar 1883).

Oberrieter Alp Kienberg Oberrieter Alp Kienberg Oberrieter Alp Kienberg

Oberrieter Kienberg im Sommer 2024

Neuenalp

Die Neuenalp gehörte um 1800 einem einzigen Oberrieter. Die Alp bot damals Platz für 12 Kühe. Sie gelangte erst 1873 durch Ersteigerung in den Besitz von Oberriet. Die Neuenalp liegt am Jakobsweg.

Sämtis

Der Rheintaler Sämtis (auch Obersämtis) befindet sich etwas südwestlich des Appenzeller Sämtis (auch Untersämtis). Der Rheintaler Sämtis wird in ein 'Vorderes Recht' und in ein 'Hinteres Recht' unterteilt.

Die Alp 'Rheintaler Sämtis' im Kanton Appenzell Innerrhoden gehört seit jeher (sicherlich seit dem 24. November 1495) dem Allgemeinen Hof Oberriet (Appenzeller Urkundenbuch Band I, p. 650, Urk. Nr. 1421).

Rechtsstreitigkeiten

Nach Streitigkeiten der Hofleute mit den Appenzellern wegen der Grenzen zwischen Amp Sämtis und Bogarten wurde 1500 ein Gebietsstreifen an die Appenzeller verkauft.

Die Ender von Kobelwies verlangten im Jahre 1507 nach vorgelegten Briefen, in ihren Wald- und Alprechten geschützt zu werden. Nach Gemeindebeschluss haben die von Kriessern mit obrigkeitlicher Bewilligung ein Holz in Alp und Weid umgewandelt ("mit grossen Kosten gereutet" resp. 'geschwämmt') und wollen die Ender nur nach bisheriger Anzahl Vieh auf die Alp treiben lassen, "doch nicht mehr". — Der Entscheid des Pfalzrates lautete: Auch die Ender und ihre Nachfahren dürfen auf die Alp fahren. Auch behalten sie die bisherigen Rechte in Wald, Tritt und Tratt.

1529 fand eine gütliche Aussprache zwischen Vertretern des Hofes Rüthi, dem Allgemeinen Hof Kriessern und den Landsleuten von Appenzell (welche zur Aussprache nicht erschienen) statt wegen der Land- und Hofmarken. Interessant sind die Zeugenaussagen: Philipp Frei, er habe geholfen hagen mit denen von Rüthi, von den Platten bis Unterkamor, und habe gehört, dass die ab dem oberen Riet an die Rüthner Marken stossen. Hans Schneider erklärt, dass der Oberrieter Forst an die Rüthner Alp stosse. Als dann die ab dem Oberriet oder Hof Kriessern aus ihrem Forst eine Alp gemacht, hätten die von Kriessern mit ihnen den Hag geteilt (Alp Schwamm). M. Gächter erzählt, sein Vater habe von Marken gesprochen von «Herdrein» (Hard) durchs Tobel gegen die «Fäneren» (Fähnern). Er habe mit vielen Leuten aus dem Hof Kriessern auf dem oberen und unteren Bildstein Holz gehauen. Hans Klauser (Kluser) hat von Hofleuten und Vorfahren gehört, dass die Fritzschli (Fritsche, Appenzell) viel zu weit hagen und roden.

Wenn Hofleute ein unbändiges Pferd hatten, das nicht mit den andern weiden konnte, wurde es in ihren Tratt, in den Rietlis Wald getrieben. Auch sei er mit den Oberrieter Hofleuten in den Sämtis gegangen. Da hatten die Ender von Kobelwies viel Holz und Schindeln gehauen, dass die Hofleute darüber zornig wurden. Da meinten die Ender, der Rat habe es ihnen gestattet. Auch hätten sie im Bildstein Holz gehauen, soviel sie konnten, ohne Einsprache.

Ein Schiedsgericht unter der Leitung des Luzerner-vogts Feer in Rheineck entscheidet 1541 nach einem jahrelangen Grenzstreit zwischen Alp Unterkamor (Altstätten) und Alp Schwamm (Kriessern):
— Wer ein Gebiet ein Jahr, sechs Wochen und drei Tage innehat ohne einen rechtlichen Einspruch, der darf es als seinen Besitz behalten.
— Ober- und Unterkamor liegen im Gericht von Altstätten (seit 1432).
— Das strittige Gebiet «Winkel und Buck» (obere Schwammgrenze) gehört zur Alp Unterkamor. Trotz dieses Entscheids geben sich die Kriessner nicht zufrieden und behaupten, dass die Weide beim Brunnen, zu beiden Seiten des Töbelis, ihnen gehöre, was aber die Altstätter bestreiten. Darauf entscheidet am 23. September und 6. November 1544 Hofmeister Dietrich von Hallwil und zwei Schiedsrichter an Ort und Stelle: « Die alten Briefe und Verträge bleiben in Kraft. Der streitige Winkel gehöre zu Unterkamor. In Gegenwart von Abgeordneten sollen Marken gesetzt werden. » Mit äbtischer Zustimmung wurde 1639 eine Verfügung erlassen, dass kein Alpgenosse von Sämtis und Wideralp Grasrechte ausser den Hof verkaufen dürfe. Da trotzdem solche Verkäufe vorgekommen, werden diese 1771 durch den Vogt kassiert und die Betreffenden dafür noch bestraft.

1775 kam es dann endlich zu Schlussakt im Streit um die Alp Sämtis (sieher dazu auch Appenzellische Geschichtsblätter). Durch Beschluss der Landesregierung von Appenzell I. Rh. sollte die Alp dem Hof entzogen werden. Schon 1769 kaufte Landammann Suter zwei Gräser, und 1772 hatte Baptist Räss neun Lüchingerische Gräser (Alprechte) erworben. Um rascher ans Ziel, d.h. in den Besitz der Alp zu gelangen, beschloss der appenzellische Landrat im März 1775, das sich selbst zugelegte Zugrecht auf die ganze Alp auszudehnen, gegen eine Auslösung von 6000 Gulden, nach eigener Schätzung. Sehr empört über diesen Rechtsbruch suchten die Hofleute um Intervention bei der Tagsatzung zu Frauenfeld. Nach Abhören der Hofdelegation: Joh. Lüchinger, Hofammann, alt Ammann Mattle, Organist Stieger und Jakob Weder, wird das Vorgehen von Landammann Suter als unbegründet, voreilig und ungültig erklärt. Die Tagsatzungsherren verurteilen das eigenwillige, ungesetzliche Vorgehen der Appenzeller und verlangen, den Oberrietern den Besitz wieder zurückzuerstatten und die Kosten zu ersetzen.

Zu dieser Zeit betrug der jährliche Ertrag 457 Gulden und 30 Kreuzer. Die Alp konnte mit 135 Kühen, 15 Schweinen und 45 Pferden bestossen werden. Ein Grasrecht brachte drei Gulden, für ein Schwein 1 Gulden und 40 Kreuzer und ein Rossrecht 40 Kreuzer ein. (Heute werden keine Pferde mehr geweidet, die Kühe haben dem Jungvieh Platz gemacht und die Weidezeit wurde auf drei Monate verkürzt.)

Neuere Zeit

Um 1800 bestand die Alp aus drei Hütten und ernährte über 100 Kühe.

Die Appenzeller versuchten immer wieder die Alp an sich zu nehmen. Einige der Besitzer waren nicht abgeneigt, ihre Rechte an die Appenzeller zu verkaufen. August Dux erkannte die Gefahr und gründete 1890 mit 84 Grasrechtbesitzern die Alpgenossenschaft Sämtis; diese durften ihre Rechte nicht verkaufen. Nachdem dies einige Genossenschafter nicht befriedigte, beschloss die Hofbürgerversammlung 1890 die Alp wieder in Besitz des Allgemeinen Hofes zu bringen (für 47'887.15 Franken).

Die Verwaltung lag in den Händen des Gemeinderates, der in einer beinahe vierzigjährigen ersten Verwaltungszeit Fr. 61'000 Franken für Gebäude-, Neubauten und Verbesserungen ausgab. 1930 stand eine schuldenfreie Alp im Steuerwert von 100'000 Franken zur Verfügung.

Noch im Jahre 1969 wollte die Standeskommission des Kantons Appenzell Innerrhoden die Alp Sämtis "zu einem guten Preis" kaufen, was der damalige Hofverwaltungsrat aber ablehnte.

Ursprünglich gehörte auch die Widderalp dem Reichshof Kriessern. Wie und wann diese den Kriessenern abhanden kam müsste noch untersucht werden.

Die Alp Sämtis (Vorderes Recht) erhielt 1923 im vorderen Stall / Gaden einen neuen Schweinestall und einen neuen Güllekasten. Beim alten Kuhstall wurde die Mauer repariert und im hinteren Gaden wurde ein Käsekeller mit Zementboden eingerichtet. 1925 erhielt die Alp Sämtis einen neuen, vierstelligen Kuhstall. Der alte Kuhstall wurde in einen Schweinestall umgebaut.

Alp Sämtis (1925) Alp Sämtis (1925) Alp Sämtis, Alpkreuz Alp Sämtis

Das erste Bild oben zeigt Johann Benz (Montlingen) und Selin Zäch (Schäfli im Moos) vor dem neuen Gaden / Stall (im vorderen Recht). Das zweite Bild ist von etwas schlechterer Qualität. Es wurde der Chronik der Familie Zäch Mühlemacher [SZ1999] entnommen. Die Bildlegende lautet dort auf "Alp Säntis¹, vorderer Gaden, mit J. Benz und S. Zäch."
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¹ Offiziell heisst die Alp gemäss Appenzeller Namenbuch 'Sämtis' (seit dem 9. Jahrhundert schriftlich bezeugt). Der Sämtisersee und die dazugehörigen Alpen haben ihren Namen ursprünglich von einem Mann namens 'Sambatinus' (früh-rätoromanisch: 'der am Samstag Geborene'), der in dieser Gegend Land besass. Dieser Name wurde mit der Zeit abgewandelt zu 'Sämtis' und danach noch weiter zu 'Säntis'. Der Berg hat seinen Namen also erst später bekommen und zwar genau wegen dieser Alp Sämtis, die am Fusse des Berges liegt.

Das dritte Bild zeigt die 1930 von Ir. Van Beek, Calleven, Maliesingel 24, Utrecht, NL gestiftete Christusstatue. Im Frühjahr verbrachte die Frau aus Utrecht ihre Ferien in Weissbad und fragte bei Senn Stieger nach, weshalb das Alpkreuz keinen Korpus habe. Sie schickte daraufhin dem Alpmeister eine Christus-Statue (am 3. Juli 1930 kam der Korpus bei ihm an) - mit der Bitte, diese Statue jeweils im Winterhalbjahr in der Hütte unterzubringen. Anm.: Im Jahre 2013 gab es kein Alpkreuz mehr und es wurde ein neues angebracht.

Das vierte Bild stammt von der Web Site 'Appenzellerland', Unterseite 'Rheintaler Sämtis' (mit freundlicher Genehmigung von Agnes Gmünder). Es zeigt die Gebäude im hinteren Recht.

Die Gebäude im hinteren Recht sind seit einigen Jahren das Domizil vom Älpler. Für Touristen werden Schlafmöglichkeiten (drei separate Matratzenlager) mit Nachtessen und Frühstück angeboten. Die Hütte von vorderen Recht wird tage- oder wochenweise vermietet. Das Studio darf der Älpler mitbenützen für die Alp-Helfer.

Alp Sämtis (1925)

Dieses Bild zeigt die Teilnehmer des Arbeitslagers von 1925 (Steintransport, Auffüllungs- und Planierungsarbeiten). Vordere Reihe, auf dem Boden sitzend v.l.n.r.: Josef Mattle (Montlingen), Johann Herrsche (Montlingen), Johann Zäch "Tschangers" (Oberriet) Walter Gächter "Hanis" (Stein), Josef Hasler, von Johann (Montlingen), Oswald Haltiner (Kobelwald). Hintere Reihe v.l.n.r.: Selin Zäch, Gemeinderat (Moos), Johann Benz, Gemeinderat (Montlingen), Carl Stieger, Senn (Hard), Carl Gächter, von Albert (Stein), Loher, Maurer (Montlingen), Emil Mattle "Hanses" (Moos), Johann Kolb "Buckfränzlis" (Oberriet), Johann Zäch "Leonhards" (Oberriet), Ferdinand Wüst "Burlis" (Montlingen), Johann Kühnis "Murerbubas" (Freienbach), Loher "Baschjokalis" (Montlingen), Johann Zäch "Mühlenmachers" (Stieg), Johann Stieger "Jokelis" (Stein), Johann Kolb "Nüsslis" aus dem Armenhaus, Hutter (Kriessern) aus dem Armenhaus und Robert Baumgartner "Schrinerlis".

Oberrieter Strüssler / Sträussegaden von Oberriet

Der Sträussegaden bot um 1800 Platz für 37 Kühe (Karte).

Holzrhode

Die Holzrhode beitzt drei Alpen: die Alp Strüssler (seit 1669), die Wogalp und die Alp Loos (im Kanton AI, seit 1895).

Die Ender von Kobelwies verlangen 1507 nach vorgelegten Briefen, in ihren Wald- und Alprechten geschützt zu werden, denn die Kriessener hatten ein Holz (einen Wald) in Alp und Weid umgewandelt und gereutet = "geschwämmt" und wollten die Ender nur nach bisheriger Anzahl Vieh auf die Alp treiben lassen. Der Pfalzrat stützte die Ender; sie (und ihre Nachkommen) durften auch auf die neue Alp "Schwamm" fahren.

Alp Loos

Die Alp Loos (Kanton Appenzell Innerrhoden) konnte um 1895 aus einer Konkursmasse erworben werden. Mit ihren etwa 21 ha bietet sie Futter für etwa 45 Galtlinge.

Holzroder Strüssler / Oberer Strüssler / Sträussegaden von Kobelwies

Die Alp Oberer Strüssler gehört schon seit 1669 der Ortsgemeinde Holzrhode. Gemäss Protokoll wurde damals der Schwamm und der Strüssler vom Freien Reichshof getrennt und vermarcht. Ein Teil des Strüsslers wurde dem Schwamm zugeteilt. Die Grenzen, welche noch heute bestehen, zogen sich meistens von einem Baum zum anderen.

Der Sträussegaden von Kobelwies bot um 1800 Platz für 30 Kühe (Karte).

Mit seine etwa 18 ha bietet er heute Platz für 30 Galtlinge.

Holzrhoder Kienberg

Johann Rudolf Steinmüller verwendete was Wort 'Alp' für die Kienberge nicht; er sprach mehr von "einzelnen Bergweiden". Um 1800 hatte es auf dem Kobelwalder Futter für 20 Kühe und auf dem Freienbacher Kienberg für 16 Kühe. Es ist unklar, ob der Kobelwalder Kienberg und der Freienbacher Kienberg heute zusammen unter 'Holzrhoder Kienberg' zusammengefasst sind. Ebenso unklar ist der Begriff 'Holzpurenkebig', welcher möglicherweise ein alter Überbegriff für den heutigen Holzrhoder Kienberg war.

Die Eigentümer der Holzrhoder "Kienbergalp" waren die Ammann von Kobelwald und vom Moos, die Büchel vom Moos, die Hutter von Kobelwald (aber nicht jede von Kobelwies), die Kühnis von Kobelwald, Freienbach und Stein, die Kobler von Severin vom Stein, die Kluser vom Moos, die Ender vom Moos, die Mattle vom Rehag (aber nicht jene vom Moos), die Stieger von Kobelwald und Freienbach (soweit sie nicht Mitglieder der Rhode Strüssler waren), und letztlich die Zäch von Freienbach und Moos.

Im Jahre 1883 liess Oberriet eine neue Bergstrasse vom Hinterfeld bei Kobelwald auf den Kienberg anlegen (Ausschreibung in 'Die Ostschweiz').

Wirtschaft und Pension Kienberg (1906) Wirtschaft und Pension Kienberg (1916) Wirtschaft und Pension Kienberg (1937)
Wirtschaft und Pension Kienberg (2024) Wirtschaft und Pension Kienberg (2024)

Quelle des ersten Bildes aus dem Jahre 1906: Staatsarchiv St. Gallen, W 23803.10-14. Damals besass die Familie Langenegger-Mattle die Wirtschaft und Pension Kienberg. Im Februar 1911 brannte die alte Pension Kienberg samt Scheune und Stall vollständig nieder (Neue Zürcher Zeitung, Nummer 55, 24. Februar 1911 Ausgabe 04 und Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 9, 3. März 1911). Das zweite Bild stammt von einer Postkarte, welche 1916 gelaufen ist, das dritte Bild von einer, welche 1937 gelaufen ist.

Die Wirtschaft und Pension Kienberg wird heute in 3. Generation durch Ingo und Petra Stieger geführt.

Siehe Karte.

Woogalp / Wogalp

Die Wogalp gehört schon seit Menschengedenken der Ortsgemeinde.

Nach mündlicher Überlieferung wurde die Alp um 1800 gerodet. Zuerst wollte man in der Gegend des Fuchsplatzes roden, aber die Bevölkerung war gegen dieses Vorhaben.

Heute bietet sie mit ihren ca. 15 ha Futter für etwa 30 Galtlinge.

Montlingen

Kienberg

Johann Rudolf Steinmüller verwendete was Wort 'Alp' für die Kienberge nicht; er sprach mehr von "einzelnen Bergweiden". Um 1800 hatte es auf dem Montlinger Kienberg Futter für 20 Kühe.

Montlinger Schwamm

Um 1800 bot der Montlinger Schwamm Platz für 35 Kühe.

Ein Brand auf der Alp Schwamm zerstörte 1877 die Gebäude. Sie werden wieder aufgerichtet. 1880 beschliesst man die Vergrösserung der Sennhütte (Kosten 450 Franken). 1966/67 (erstes Bild) wird die Alphütte Schwamm zu einer Sommerwirtschaft mit Parkplatz ausgebaut. 1967 übernahmen Edwin und Marie Wüst die Führung des Bergrestaurants. Die legendäre «Schwamm-Marie» (Marie Wüst-Kluser) wirtete dort danach 34 Jahre lang.

Montlinger Schwamm (1967) Montlinger Schwamm (1972) Edwin und Marie Kluser Wüst (Schwamm-Marie) Montlinger Schwamm (2016)

Eigentümerin des Bergrestaurants 'Montlinger Schwamm' ist die Ortsgemeinde Montlingen. Das Restaurant liegt idyllisch auf etwas über 1100 m gelegen. 2001 wurde das Restaurant dann ausgebaut. Ab April 2014 boten hier Hanspeter ("Hampe") Schmid und seine Crew (Urs und Maggie) frische lokale Produkte an. Ihm folgte im Mai 2016 Pamela Greber. Sieben Monate später kam erneut das Aus. Im April 2017 folgte Sandra Oberholzer (Wirtin des Restaurants Kreuz). 2020 zeichneten die Geschwister Oberholzer (Sandra und Regula) verantwortlich. Das Kreuz in Montlingen wurde dabei als "Zweitbetrieb" erwähnt. Seit April 2023 ist das junge Geschwister-Paar Urs und Sonja Gmünder auf dem Schwamm.

Kriessern

Kriessener Schwamm

Der Kriessener Schwamm ist im Besitz der Ortsgemeinde Kriessern. Diese Alp ist die kleinste der Region. Sie weist eine Weidefläche von 12.5 ha und eine Waldfläche von 6.5 ha auf. Das anfallende Brennholz wird vor allem für die Alphütte genutzt.

Die Alp bot um 1800 Nahrung für 28 Kühe. Heute wird die Alp bestossen mit ca. 30 vorwiegend tragenden Rindern, die ausschliesslich Kriessner Landwirten gehören. Normalerweise ist die Alpauffahrt Ende Mai und nach rund 80- bis 90-tägiger Alpzeit geht es wieder zurück ins Tal.

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Tierhaltung

Kühe

Die meisten Kälber von Rheintaler Kühen wurden um das Jahr 1800 herum etwa 3 Wochen zum Saugen gelassen, und danach, 30 bis 40 Pfund schwer, an den Metzger verkauft.

Milchkühe wurden meist als junge erwachsene Tiere zugekauft (oft an Herbstviehmärkten in Altstätten und Berneck, aber auch in Dornbirn, Schwarzenberg, Schruns, Bludenz, etc.) um sich das Tierfutter zu ersparen. Diese wurden im Sommer bis in den Herbst mit Gras gefüttert, im Winter hingegen mit Heu und Mieth. Schlachttiere erreichten damit im Winter 4 bis 5 Zentner und wurden zum Teil selbst oder durch den Störmetzger geschlachtet oder an Metzger verkauft.

Um 1800 gab es im Rheintal noch keine eigentlichen Viehärzte. Johannes Lüchinger in Montlingen dürfte wohl einer der ersten gewesen sein.

Neben der Kalbersucht (ein Fieber, das Kühe nach dem Kalben befallen konnte; später um die Hitzeempfindlichkeit und den daraus resultierenden Hitzestress bei Kälbern zu beschreiben), Kalberrässe, Aeugen, Völle, Stürmischseyn, Grind ("eine Art Raud [Räude]" - vermutlich eher Rinderflechte oder Kälberflechte, ansteckend) wurden verschiedene nicht näher definierte Krankheiten unter 'Lässe' oder 'Lässenen' zusammengefasst. Letzterer Begriff stammte wohl von der üblichen Behandlungsmethode für diese Krankheiten: dem Vieh wurde jedesmal eine Ader geöffnet, welches man eine 'Lässe' (von 'Blutablass') nannte.

Lässe von zähem Blut

Dem Tier wird auf dem Schwanz eine Ader geöffnet.

Rücklässe

Entsteht von Blut im Mastdarm, welches man beseitigen muss.

Hirnlässe

Man öffnet dem Tier eine Ader und gibt dem Tier eine Suppe mit Knoblauch ein.

Brustlässe

Bei schwerem Atem. Man öffnet dem Tier eine Ader und gibt dem Tier eine Hafergrützsuppe mit Wein vermischt ein.

Kropflässe

Bei Husten und angeschwollenem Zungenknopf. Man öffnet dem Tier eine Ader und gibt dem Tier eine Weinsuppe ein.

Gallenlässe

Bei Kränkeln und kalter Stelle auf dem Kreuz. Man öffnet dem Tier eine Ader und gibt dem Tier eine Suppe mit verkochtem Kalbskopf ein.

Bereits um 1800 sprach man vom Milzbrand, welcher von Zeit zu Zeit Tiere tötete.

Fiel eine Mastkuh 'pfinnig' (= tuberkulös, lungenkrank), so musste sie der Verkäufer entweder wieder zurücknehmen oder dem Käufer von jedem Gulden des Preises wieder 3 Batzen zurückgeben.

Im Rheintal gab es um 1800 mehrere Gerbereien (im Gegensatz zum Appenzellerland). Weisse Kalbsfelle hatten einen guten Absatz nach Kalabrien, Sizilien und Spanien als gedruckte Tapeten.

Pferde

Die Bauern im Rheintal verwendeten für Ihre Feldarbeiten meist Pferde (und seltener Ochsen). Daher waren Pferde weit verbreitet.

Pferde wurden das ganze Jahr über mit Heu (etwa einen Zentner pro Woche) und Mieth gefüttert. Mit etwa 6 bis 18 Monaten wurden die Pferde "gefällt" (beschnitten). Dies geschah durch Schneiden und Brennen. Die Wunde wurde danach eine Woche lang täglich ausgewaschen und mit Butter bestrichen.

Klassische Krankheiten waren der Rotz (auch 'Mürde' oder 'Hautwurm', lat. 'Malleus', ansteckende Infektionskrankheit, welche die Schleimhäute, die Haut und die inneren Organen schädigt - die Krankheit kann auf den Menschen übertragen werden!), der Strengel (vermutlich war damit die 'Druse', eine akute, sehr ansteckende, schmerzhafte, bakterielle Infektionserkrankung der oberen Atemwege gemeint) und der 'Gelbe Knopf' (Milzbrand).

Schweine

Schweine wurden wegen ihres Fleisches gehalten. Im Rheintal waren sie relativ zahlreich vorhanden.

Erwachsene Schweine wurden jedes Jahr in Schwaben oder im Oberland gekauft. Kleintiere kaufte man auf den Rheintaler Märkten, wohin sie aus der ganzen Umgebung gebracht wurden.

14 Tage nach der Geburt werden sie ver- / beschnitten. So werden aus einem Eber und der Loos ein Barg und eine Mutter (wohlgemerkt eine ausgemutterte Mutter).

Die Schweine fressen abgerahmte Milch, Kartoffeln, Roggen- und Maiskornmehl. Die werde schnell 2 bis drei Zentner schwer und werden dann auf dem Hof selbst geschlachtet oder an Metzger verkauft (um 1800 zu 12 bis 15 Franken das Pfund).

Die Schweie werden von einer Krankheit befallen, welche 'kalter' oder 'heisser Rangen' heisst. Sie fressen nicht mehr und das untere Zahnfleisch wird blau und gespannt (und muss weggeschnitten werden).

Schafe

Eine eigentliche Schafzucht gab es im Rheintal keine.

Die Tiere wurden im Herbst im Schwabenland gekauft und bald darauf wieder geschlachtet.

Ziegen

Vereinzelt wurden Ziegen gehalten (vor allem wegen der Milch).

Begriffe

Bauw / Bau

Mist, Gülle, Dung.

Galtvieh

Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie ein Kalb geboren hat. Deshalb bekommen Kühe jedes Jahr ein Kalb. Vor der Geburt wird die Kuh "trockengestellt" (d.h. sie wird für einige Wochen nicht gemolken). In dieser Zeit wird die Kuh als Galtvieh bezeichnet.

Leuenschlatt / Läuischlatt

Ort (von Läui = Lawine oder Erdsturz, Schlatt = Abhang) an der Ostflanke des Hohen Kasten mit einer Hütte. Siehe 'Die Sentis-Gruppe'' von Arnold Escher von der Linth, Bern, 1878, p. 57 (Ausschnitt). Siehe Swisstopo Zeitreise 1900 (Ausschnitt).

Melster / Mëlchster

Einfache Hütte oder Viehstall auf einer Alp, in welche das Vieh zum Melken getrieben wird und die ihm auch etwa nachts eine Unterkunft bietet. Eine Melster ist offen bis unter den Giebel und hat keine Tenne.

Erwähnungen: Urkundenbuch des Kantons Appenzell 1491 / 1527: '[Sie haben auf der obern Gamor] nimmer, gaden und melster gebaut.' Hof Kriessern [JH1878], 1529: 'Soll jeder Alpgenoss von seiner Melster den Bau [Dünger] ausführen.'

Mieth / Miet

Feldfrüchte resp. weniger brauchbare Teile davon, Kleie, Mehl, weisse Rüben, Kartoffeln, Obsttrester etc. wurden, mit etwas Salz vermischt, als Futter für Kühe und Schweine verwendet.

Milchbränte / Milchbrente

Milchgeschirr

Schupfen

Rahmkelle (zum Abschöpfen des Rahms)

Rohmer

Rahmkelle (zum Abschöpfen des Rahms)

Verspruch

Zugrecht. Einzelne oder mehrere Weiderechte können gegen eine Gebühr erkauft werden. Für den Ober- und Unterkamor war dieses Zugrecht (auch 'Näherrecht' oder 'Retraktrecht' genannt) für 1 Jahr, 6 Wochen und 3 Tage gültig. 1726 konnte man auf Unterkamor das Grasrecht für 30 Gulden, auf Oberkamor für 8 Gulden an sich ziehen. Johann Rudolf Steinmüller vermeldete um 1800 jedoch bereits "merklich höhere Preise".

Die etwas seltsame Frist von 1 Jahr 6 Wochen und 3 Tagen (410 Tage) fand sich bereits am 7. Mai 1459 im Bernanger Hofrecht (Urkunde 141 Seite 72, 6. - Der Hof Bernang): « Item wann einer kumpt, der zu inen in iren hof und gericht ziehen will, den mügent sy uffnemen, und git inen deshalb des ersten jars kein stür; und welcher also zu inen kumpt und by inen blybt ain jar, sechs wochen und 3 tag onansprechig, den mügent sy dannen hin halten für ainen hofman. »

Das Zugrecht ging aus dem älteren Beispruchsrecht hervor. Damit bezeichnete man eine Verfügungsbeschränkung, welche vor allem im germanischen Recht bis hinein ins Mittelalter, aber auch in den altorientalischen Rechtsordnungen, bezeugt ist. Es bewirkte, dass ein Grundstück grundsätzlich nicht ohne vorherige Genehmigung durch die nächsten Erben, die so genannte Erbenlaub, verkauft werden konnte. Ihm lag die Idee eines Vorrangs der Rechte einer Sippe gegenüber den subjektiven Rechten eines Individuums, auch eines Sippenoberhauptes, zugrunde. Bei einer Veräusserung ohne Erbenlaub konnte der Erbe gegenüber dem Erwerber einen Herausgabeanspruch geltend machen.

Zigerstig

Viereckiger Verschlag im Gaden, in welchen der Ziger geschüttet wird. Johann Rudolf Steinmüller spricht hierbei von "sehr ekelhaft aufeinandergeworfen". Er wurde von den Sennen als Nahrungsmittel verwendet und roh gegessen.

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 17. Juni 2026)